22.11.12Neue Züge für die Bahn
Siemens verschiebt ICE-Auslieferung erneut
Bahn wartet seit einem Jahr auf neue ICE-Züge von Siemens. Auslieferung verzögert sich erneut – Bahn fehlen Zugreserven im Winter.
Foto: dapd
Ein Mitarbeiter von Siemens arbeitet in Krefeld im Siemens-Werk an einem Triebwagen des ICE der Baureihe 407: Die Übergabe von 16 neuen ICE-Zügen an die Deutsche Bahn verschiebt sich erneut
München. Bereits seit einem Jahr wartet die Deutsche Bahn auf ihre neuen ICE-Zügen und wird sich nun noch länger gedulden müssen. Den die Übergabe der ersten acht Züge von Siemens verzögert sich erneut.
Die Übergabe verzögere sich über Anfang Dezember hinaus, teilte der Münchner Konzern am Mittwoch mit. "Ursache dafür sind Probleme mit der Zugsteuerung, die in den vergangenen Wochen bei Testfahrten aufgetreten sind."
Die Bahn reagierte empört. "Wir sind sehr entäuscht und verärgert, dass wir unseren Kunden durch die erneute Lieferverzögerung von Siemens wieder keine ausreichende Fahrzeugreserve in diesem Winter bieten können", sagte ein DB-Sprecher. Die Bahn wollte die acht ICEs ab 9. Dezember im Deutschlandverkehr einsetzen.
Wann die Hochgeschwindigkeitszüge für den Inlandsverkehr nun geliefert werden können, blieb offen. Ein Siemens-Sprecher wollte sich zu der Frage ebenso wie zu möglichen Folgen der erneuten Verzögerung nicht äußern.
Eigentlich hätte die Bahn sogar 16 neue ICE-Züge schon vor einem Jahr bekommen sollen. Aber das Eisenbahn-Bundesamt hatte sie wegen neuer Auflagen und ungeklärter technischer Fragen bei Bremsen, Radsatzgestellen und Klimaanlagen zunächst nicht zugelassen.
Siemens versprach daraufhin für Dezember die ersten acht Züge und verhandelte mit der Bahn über Schadenersatz oder einen Gratis-ICE im Wert von rund 30 Millionen Euro. Bei der Übernahmeprüfung der DB wurden jetzt aber Softwareprobleme in der Zugsteuerung entdeckt.
Siemens erklärte, alle Beteiligten arbeiteten mit Nachdruck daran, die Probleme zu beheben. Das Unternehmen werde die Züge "sukzessive zur Verfügung stellen". Für Schulungszwecke und zur Vorbereitung des Betriebseinsatzes habe Siemens der Bahn jetzt drei ICE-Züge zur Verfügung gestellt.
Der ICE 3 ist als jüngster Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn seit dem Jahr 2001 im Einsatz.
Er hat je nach Baureihe 413 bis 432 Sitzplätze und schafft ein Spitzentempo von 330 km/h.
Bis zu 300 km/h fährt er auf den Abschnitten Köln-Frankfurt und Nürnberg-Ingolstadt.
50 ICE 3 der Baureihe 403 sind vom Ruhrgebiet über die Rhein-Main-Region bis nach Stuttgart und München unterwegs.
14 Züge der Baureihe 406 fahren über die Grenze bis nach Amsterdam, Brüssel oder Paris.
Die Fahrmotoren des ICE 3 sind unter dem Zug verteilt, jede zweite Achse wird angetrieben.
Dies ermöglicht eine hohe Beschleunigung. Im Juli 2008 entgleiste ein ICE 3 in Köln wegen eines Achsbruchs.
Seitdem werden die Achsen häufiger per Ultraschall kontrolliert. Als Konsortialführer ist Siemens der verantwortliche ICE-Hersteller. (dpa)
Die Deutsche Bahn AG entstand 1994 aus dem Zusammenschluss von westdeutscher Bundesbahn und ostdeutscher Reichsbahn. Heute ist sie ein international verzweigter Verkehrs- und Logistikkonzern. Die wichtigsten Kennzahlen des ersten Halbjahres 2012 (in Klammern die Vergleichskennzahlen des ersten Halbjahres 2011):
Umsatz: 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro)
Gewinn vor Zinsen und Steuern: 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro)
Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro)
Fahrgäste Bahnverkehr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen)
Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen)
Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319) (dapd)
Siemens: Zwischenbilanz für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 (Zeitraum des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2011/2012 vom 1. April bis 30. Juni 2012; Vorjahreswerte in Klammern)
Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten: 1,229 Milliarden Euro (plus 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum)
Umsatz der fortgeführten Aktivitäten: 19,542 Milliarden Euro (plus 10 Prozent)
Auftragseingang bei den fortgeführten Aktivitäten: 17,77 Milliarden Euro (minus 23 Prozent)
Auftragseingang im Sektor Energie: 5,25 Milliarden Euro (minus 28 Prozent)
Auftragseingang im Sektor Gesundheitsvorsorge: 3,32 Milliarden Euro (plus 10 Prozent)
Auftragseingang im Sektor Industrie: 5,12 Milliarden Euro (unverändert)
Auftragseingang im Sektor Infrastruktur und Städte: 4,19 Milliarden Euro (minus 45 Prozent)
Mitarbeiterzahl: 410.000, davon 129.000 in Deutschland (dapd)
dpa/rtr/ha