18.11.12

Luftfahrt

Lufthansa will bei Großfusionen auf Augenhöhe mitmischen

Die laufende Sanierung soll die Gesellschaft für spätere Großfusionen fit machen. Deshalb ist ein massives Sparprogramm verordnet worden.

Foto: dapd
Vorstandsvorsitzender der Lufthansa wirft Politik Schaedigung seiner Branche vor
Ein Airbus A380 der Fluggesellschaft Lufthansa

Frankfurt. Lufthansa -Chef Christoph Franz will die Gesellschaft mit der laufenden Sanierung für spätere Großfusionen fitmachen. "Wenn in Zukunft einmal über Kontinente übergreifende Fusionen verhandelt wird, wollen wir mit am Tisch sitzen, aber auf Augenhöhe", sagte der Manager der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Deshalb ist es so wichtig, unser Haus in Ordnung zu bringen."

Die Fluggesellschaft, die mit den hohen Kerosinpreisen und dem Preisverfall im Passagiergeschäft kämpft, hat sich ein massives Sparprogramm verordnet, mit dem der Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigen soll. Auch die harte Konkurrenz von Billigfliegern wie Ryanair und arabischen Fluggesellschaften wie Emirates macht der Kranich-Linie das Leben schwer.

"Wir brauchen Erträge, um die nötigen Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren", begründete Franz den Umbau. Auf der Kaufliste stünden Flugzeuge mit einem Listenwert von 17 Milliarden Euro. "Das Geld muss erst noch verdient werden". Allerdings hat die Lufthansa bei ihren Sparbemühungen einen Rückschlag erlitten: Für den Tariffrieden mit ihren streikbereiten Stewardessen akzeptierte sie einen mehrere Millionen Euro teuren Gehaltsaufschlag.

Franz forderte deshalb die Politik auf, kleinen Gewerkschaften mit großem Störpotenzial einen Riegel vorzuschieben. "Da muss der Gesetzgeber aktiv werden, etwa Zwangsschlichtungen vorschreiben oder den Streik nur bei Zustimmung durch einen Mindestprozentsatz der Gesamtbelegschaft erlauben", sagte der Spitzenmanager der Zeitung. Lufthansa litt zuletzt unter der Streikbereitschaft kleinerer Gewerkschaften der Fluglotsen, Vorfeldbeschäftigten, Piloten und Flugbegleitern - ein Streik dieser Gruppen kann den gesamten Flugverkehr zusammenbrechen lassen.

Mit der Politik ist Franz auch sonst unzufrieden. "Wir werden nicht mehr als Wachstumsmotor für die Volkswirtschaft gesehen, sondern als Goldesel zur Abgabe von Steuern, als Emittent von Treibhausgasen oder als Lärmquelle", beklagt der Vorstandschef. "Wir haben inzwischen keine deutsche Passagierfluggesellschaft mehr, die Gewinn erwirtschaftet. Es geht nur noch um die Frage, ob sie nur krank oder todkrank sind". In den ersten neun Monaten hatte der Konzern lediglich eine operative Rendite von 3,1 Prozent erzielt.

Auch Konkurrent Air Berlin geht es nicht gut, erst in der vergangenen Woche hat Konzernchef Hartmut Mehdorn seine gut 9000 Mitarbeiter auf harte Schritte vorbereitet und angefangen, Tafelsilber zu verkaufen.

Trotz der Branchenkrise sieht sich Lufthansa-Chef Franz nicht unter Zugzwang, Kostensenkungen durch Fusionen zu erreichen. Er wolle bei Zusammenschlüssen aus der Position der Stärke agieren. Zur geplanten Zusammenarbeit mit Turkish Airlines wollte er sich nicht äußern. "Ich rede nicht über ungelegte Eier", sagte er.

Die türkische Seite ist seit Wochen redseliger. Lufthansa und Turkish begännen im Dezember mit den Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit, sagte Turkish-Verwaltungsratschef Hamdi Topcu. Zuvor hatte Finanzminister Mehmet Simsek mitgeteilt, die Fluglinien arbeiteten an einer engeren Kooperation. Und Ministerpräsident Tayyip Erdogan hatte gesagt, er stimme mit Bundeskanzlerin Angela Merkel überein, eine "gemeinsame Verwaltung" der Konzerne aufzubauen, die bereits bei der Star Alliance zusammenarbeiten. Er sei bei den Gesprächen nicht dabei gewesen, sagte Lufthansa-Chef Franz der Zeitung. "Ob sich daraus noch mehr entwickelt, wird sich zeigen."

Reuters
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