15.11.12

Fluggesellschaft

Air Berlin steht vor spürbaren Einschnitten

Die verlustreiche Airline muss sparen, auch wenn sie im Sommerquartal einen Gewinnsprung erzielte. Details zum Jobabbau noch offen.

Foto: dapd
Hartmut Mehdorn
Die verlustreiche Air Berlin muss sparen. Airline-Chef Hartmut Mehdorn deutet Stellenabbau an

Berlin. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin bereitet die Belegschaft angesichts der schwachen Konjunktur und höherer Treibstoffkosten auf spürbare Kürzungen vor.

In den kommenden acht Monaten würden die Strukturen und Arbeitsabläufe auf weitere Einsparpotenziale überprüft, schreibt Unternehmenschef Hartmut Mehdorn in dem am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht. "Einschnitte in den bisherigen Betrieb werden daher nicht mehr ausgeschlossen." Wie die Einschnitte aussehen, steht dem Bericht zufolge noch nicht fest.

Nur so könne sich Air Berlin nach jahrelangen Verlusten 2013 in die schwarzen Zahlen fliegen. Schnelles Geld verspricht sich die Konzernführung zwischenzeitlich vom Verkauf des Vielfliegerprogramms. Zu einem möglichen Stellenabbau machte Air Berlin keine Angaben.

Mehdorn hatte bereits am Montag angedeutet, dass Personal abgebaut werden müsse. Einen Medienbericht, demzufolge 900 Arbeitsplätze oder jede zehnte Stelle wegfallen soll, hatte das Unternehmen weder bestätigt noch dementiert.

Das Sparprogramm mit dem Namen "Turbine 2013" ergänzt das bereits laufende Programm "Shape & Size", in dessen Zuge Air Berlin die Flotte verkleinert und unrentable Verbindungen gestrichen hat. Weil dies für einen Gewinn nicht ausreicht, will der Vorstand nun die Flugziele, die Flotte, den Bodenservice, die Netzwerkplanung und den IT-Bereich genauer unter die Lupe nehmen. Ziel sei, dass sich die Fluggesellschaft auf ihre Kernkompetenzen konzentriere, hieß es.

Im wichtigen Sommerquartal legte Air Berlin einen deutlichen Gewinnsprung hin. Unter dem Strich verdiente der Lufthansa-Konkurrent von Juli bis September rund 67 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen bereits am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Den Konzernumsatz hielt Air Berlin trotz eines gekürzten Flugangebots bei knapp 1,4 Milliarden Euro stabil.

Der Sommer ist für Fluggesellschaften die wichtigste Zeit im Jahr. In den Monaten Juli bis September fliegen sie üblicherweise den Großteil ihrer Gewinne ein. Bei Air Berlin reichten die schwarzen Zahlen jedoch nicht aus, um den Verlust aus der ersten Jahreshälfte auszugleichen. Nach den ersten neun Monaten stand unter dem Strich ein Verlust von 103 Millionen Euro.

Air Berlin: Zahlen & Daten
Air Berlin: Zahlen & Daten
Zahl der Mitarbeiter: 9.300
Zahl der Flugzeuge: rund 150 Flugzeuge, durchschnittlich fünf Jahre alt
Größter Anteilseigener der nach britischem Aktienrecht verfassten Air Berlin plc ist Etihad, eine Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit rund 29 Prozent am Aktienkapital
Air Berlin fliegt eigenen Angaben zufolge zu 170 Destinationen in 40 Ländern.
Im Jahr 2011 wurden mehr als 35 Millionen Fluggäste befördert.
2011 machte Air Berlin einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro; im ersten Halbjahr 2012 von 1,948 (Vorjahreszeitraum 1,897) Milliarden Euro
Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) verbesserte sich im ersten Halbjahr 2012 auf minus 178,7 Millionen Euro (minus 220,5 Millionen) (dapd)
Hintergrund: Air Berlin – Fluggesellschaft in Turbulenzen
Air Berlin hat 2011 einen Riesenverlust gemacht
Nach jahrelangem rasanten Wachstum steckt Air Berlin in der Klemme: Vier verlustreiche Jahre in Folge haben den Schuldenberg bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft auf 813 Millionen Euro wachsen lassen , die Eigenkapitalquote ist auf 11,2 Prozent geschrumpft und der Börsenwert auf etwa 265 Millionen Euro geschmolzen.
Ein Sparprogramm soll helfen, das Unternehmen mit 9100 Beschäftigten wieder profitabel zu machen.
In diesem Jahr verkleinert Air Berlin seine Flotte um 18 Flugzeuge auf 152. Unrentable Strecken fallen weg, Betriebsabläufe sollen besser werden, Kosten in Verwaltung, Einkauf und Vertrieb sinken, Nebeneinkünfte aus Zuschlägen steigen.
Einen Personalabbau schließt Unternehmenschef Hartmut Mehdorn nicht aus. (dpa)
dpa
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