14.11.12

Fragen & Antworten Was Arbeitnehmer bei einer Krankmeldung beachten müssen

Von Lea Sibbel
Zahl der Krankmeldungen auf dem hoechsten Stand seit 15 Jahren

Foto: dapd

Zahl der Krankmeldungen auf dem hoechsten Stand seit 15 Jahren Foto: dapd

Bis zu drei Tage krank Zuhause ohne ärztliches Attest? Arbeitgeber können "gelben Schein" laut Urteil bereits am ersten Tag fordern.

Köln. Fieber, Husten, Kopfschmerzen, Rückenleiden – wenn ein Beschäftigter nicht arbeiten kann, muss er das seinem Arbeitgeber melden. Was in der Theorie ganz einfach klingt, kann im Joballtag aber zu Konflikten führen: Vor allem in Fällen, in denen die Krankmeldung zu spät kommt.

Doch wann muss die Krankmeldung bei der Firma vorliegen? Darüber hat am Mittwoch das Bundesarbeitsgericht in Erfurt befunden. Der Arbeitgeber darf bereits am ersten Krankheitstag den "gelben Schein" vom Arzt, auch ohne Angabe von Gründen, vom Arbeitnehmer anfordern. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wann muss sich der Arbeitnehmer krankmelden?

Unverzüglich, so will es das Gesetz, also am ersten Krankheitstag und so schnell wie möglich. "Am besten vor Beginn der Arbeitszeit", rät Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln. Wer einen Unfall hat, der meldet sich, sobald er kann – oder bittet einen Angehörigen darum. Diese Krankmeldung unterscheidet sich vom Nachweis der Krankheit – für den gibt es den "gelben Schein" vom Arzt. "Den Nachweis muss ich am dritten Tag nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit einreichen." Gegebenenfalls darf der Arbeitgeber den Nachweis jetzt aber bereits früher verlangen, auch schon am ersten Tag, wie das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch bestätigt hat (Az.: 5 AZR 886/11).

"Der Arbeitgeber hat das Recht, dieses Verlangen zu stellen, und er ist darin nicht an besondere Voraussetzungen gebunden", begründete der Vorsitzende Richter Rudi Müller-Glöge das Urteil. Es liege in seinem Ermessen, eine solche Weisung zu stellen - unabhängig davon, ob ein Missbrauchsverdacht besteht oder nicht.

Wie und wo muss sich der Arbeitnehmer krankmelden?

Der Arbeitgeber kann Vorgaben dazu machen, wie er sich die Krankmeldung wünscht. Macht er das nicht, kann sich der Arbeitnehmer aussuchen, ob er sich per Anruf, E-Mail oder Fax krankmeldet. Der richtige Ansprechpartner ist immer der zuständige Stellvertreter des Arbeitgebers – das kann die Personalabteilung oder der Vorgesetzte sein. "Es reicht nicht, nur dem Kollegen Bescheid zu sagen", sagt Oberthür. Der Krankenschein geht an die Personalabteilung, wenn es keine andere Anweisung gibt.

Was droht dem Arbeitnehmer bei verspäteter Krankmeldung?

Wer sich zu spät krankmeldet oder den Nachweis nicht rechtzeitig einreicht, dem droht eine Abmahnung. "Es handelt sich um einen Pflichtenverstoß", erklärt Oberthür. Kommt dieser Verstoß häufiger vor, kann er sogar zur Kündigung führen. "Bei drei- bis viermal wird es kritisch." Außerdem dürfte der Arbeitgeber den Lohn zurückbehalten, bis ihm ein Krankennachweis vorliegt.

Was muss der Arbeitnehmer tun, wenn er wegen seines kranken Kindes zu Hause bleiben muss?

Auch dann muss er unverzüglich Bescheid geben, dass er nicht zur Arbeit kommen kann. Außerdem sollte er eine Bescheinigung vom Kinderarzt vorlegen, rät Michael Henn, vom Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte in Stuttgart. Dabei handelt es sich nicht um den "gelben Schein", sondern eine spezielle Bescheinigung darüber, dass das Kind Pflegebedarf hat. Eine Frist gelte für diesen Nachweis aber nicht.

Monatelang krank – was passiert dann?

Die ersten sechs Wochen bekommt der Arbeitnehmer weiter seinen Lohn, danach gibt es das sogenannte Krankengeld. Der Arbeitgeber kann auch nach den sechs Wochen einen ärztlichen Nachweis über die Arbeitsunfähigkeit verlangen. In der Regel stellt der Arzt nach sechs Wochen nur noch einen Schein für die Krankenkasse aus. "Der Auszahlungsschein für die Krankenkasse ist für den Arbeitgeber nicht verwertbar", sagt Oberthür – denn dort ist die Diagnose vermerkt. Das Krankengeld kann der Arbeitnehmer eineinhalb Jahre lang beziehen.