13.11.12

Einigung im Tarifkonflikt

Lufthansa und Ufo finden Kompromisslinie

Schlichter Rürup hat einen neuen Streik der Flugbegleiter abgewendet: Von der Tarifvereinbarung profitieren Airline und Mitarbeiter.

Von Christian Ebner
Foto: REUTERS
Peter Gerber (l.), Bert Rürup (M.), Nicoley Baublies
Schlichter Bert Rürup (M.) mit Lufthansa-Verhandlungsführer Peter Gerber (l.) und dem Vorsitzenden der Flugbegleitergewerkschaft UFO, Nicoley Baublies bei der Vorstellung der neuen Tarifvereinbarung

Wiesbaden. Nach langwierigen Verhandlungen und bundesweiten Streiks verhindert das neue Tarifpakt erneute Streiks der rund 18.000 Flugbegleiter und spart langfristig Kosten.

Die Stewardessen und Stewards bekommen im Schnitt 3,95 Prozent höhere Tarifgehälter und Jobsicherheit bis Ende 2014, wie das Unternehmen, die Kabinengewerkschaft Ufo und der Schlichter Bert Rürup am Dienstag in Wiesbaden mitteilten. Die Gewerkschaft akzeptierte dafür flexiblere Arbeitszeiten und eine niedrigere Tarifstruktur für Kollegen, die ab dem kommenden Jahr eingestellt werden. Sie muss aber noch ihre Mitglieder per Urabstimmung zu dem Ergebnis befragen.

Der Personalvorstand der Lufthansa Passage, Peter Gerber, bezifferte die Bruttokosten des Abschlusses für das kommende Jahr auf 33 Millionen Euro. Hier müssten allerdings positive Effekte etwa durch neue Arbeitszeitberechnungen berücksichtigt werden. Mit dem Abschluss sei auf tariflicher Seite der Beitrag der Kabine für das Sparpaket "Score" erbracht. Die Vereinbarung läuft bis Ende 2014. Lufthansa verpflichtete sich auch, bis 2016 auf den Einsatz von Leiharbeitern zu verzichten.

Die Gehaltssteigerungen für die Kabinenmitarbeiter der Lufthansa-Kerngesellschaft liegen zwischen 1,5 und 18 Prozent, sagte Rürup. Die Parteien vereinbarten, dass bisherige Vorschaltstufen wegfallen, in denen bislang rund 6000 Leute eingruppiert waren. "Am meisten profitieren diejenigen, die schon sehr lange durch diese Vorschaltstufen gelaufen sind", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Alle Mitarbeiter erhalten zudem einmalig 320 Euro, müssen aber für ein Jahr auf den Schritt in die nächste Gehaltsstufe verzichten. Zudem kann ihre Arbeitszeit ohne Lohnausgleich um 5 Prozent gekürzt werden. Lufthansa-Chef Christoph Franz hatte kürzlich von einem Personalüberhang von rund 1250 Leuten gesprochen.

Schlichter Bert Rürup betonte die langfristige Wirkung der neuen Tarifstruktur, die den Flugbegleitern zu Beginn jährliche Steigerungen und nach sechs Jahren nur noch zweijährige Stufen bringe. Dies entlaste die Lufthansa merklich und begrenze die Endgehälter. Kommt heute ein Kabinenchef im Übersee-Verkehr noch auf ein monatliches Grundgehalt von 4400 Euro, sei künftig bei 3700 Euro Schluss. Dies kann bei gutem Geschäftsverlauf mit Gewinnbeteiligungen teilweise ausgeglichen werden.

"Wir haben keinen Abschluss zu Lasten Dritter gemacht", erklärte Baublies und betonte den Wegfall der Vorschaltstufen. "Künftig kann jeder Flugbegleiter gut von seinem Gehalt leben, gerade auch die Berufsanfänger." Er zeigte sich optimistisch, dass die Ufo-Mitglieder bis zum 10. Dezember den Vorschlag mehrheitlich annehmen. Sie hatten im Sommer im ersten Flugbegleiterstreik in der Geschichte der Lufthansa rund 1500 Flüge ausfallen lassen.

Bei der Lufthansa angestellt bleiben zudem die Flugbegleiter, die ab dem Jahreswechsel für die vergrößerte Tochtergesellschaft Germanwings arbeiten sollen. Dort würden auch neue Leute eingestellt, sagte Gerber. Er rechne damit, dass die meisten Lufthanseaten an den dezentralen Standorten an die Drehkreuze in Frankfurt und München wechseln werden. Es handele sich um rund 500 Leute mit 370 Vollzeitstellen.

Lufthansa befindet sich nach Gerbers Angaben in intensiven Tarifverhandlungen mit den Piloten. Auch bei Germanwings sind die Tarifverträge gekündigt und stehen zur Neuverhandlung an.

Worüber Ufo und Lufthansa streiten
Worüber Ufo und Lufthansa streiten
Lufthansa ist im Tarifstreit mit ihren Flugbegleitern in schweres Wetter geraten. Der Konflikt berührt wichtige Fragen für die Zukunft der Airline, denn Lufthansa kann im internationalen Wettbewerb nur schwer mit deutschen Gehaltsstrukturen mithalten.
Anders als etwa der exportstarke Maschinenbau kann sie bei ihrem Produkt keine wesentliche bessere Qualität versprechen als die starke Konkurrenz aus Arabien oder Fernost. Der Vorstand sieht sich im Sparzwang, während die Belegschaft um ihre Besitzstände fürchtet. Es geht um das große Ganze:
Lohn:
Nach drei Nulljahren sind Forderung und Angebot längst nicht so dicht beieinander wie es auf den ersten Blick "5 Prozent gegen 3,5 Prozent" aussieht. Schon bei den reinen Entgeltzahlen machen die Laufzeiten erhebliche Unterschiede aus: Ufo rechnet die bis März 2015 reichende Lufthansa-Offerte auf unter 1 Prozent im Jahr herunter. Nicht alle Bestandteile des Angebots würden sich zudem dauerhaft auf die Gehaltstabelle auswirken.
Gehaltsstruktur:
Lufthansa will die tarifliche Lohnstruktur mit ihren zahlreichen Aufstiegen zeitlich strecken und neue Tabellen für Neueinsteiger durchsetzen. Bis zur Endstufe könne es nach den Vorstellungen der Lufthansa im schlechtesten Fall 46 Jahre dauern, rechnet Ufo vor.
Die Endstufen für die neuen Flugbegleiter und Purser lägen bis zu 1300 Euro im Monat unter dem jetzigen Niveau. Für die Bestandsbelegschaft will Lufthansa die individuellen Steigerungen für ein Jahr aussetzen. Die von Ufo bekämpften Eingangsstufen von gut 1500 Euro Grundgehalt brutto sollen beibehalten und etwas angehoben werden.
Leiharbeit:
Lufthansa setzt in Berlin Leiharbeitskräfte der Firma Aviation Power ein, die anfangs zwar das gleiche Gehalt wie die Lufthanseaten erhalten, aber länger arbeiten müssen und geringere Aufstiegsmöglichkeiten haben. Lufthansa hat zugesagt, das Modell bei einem Abschluss zu beenden.
Billigtochter:
Ufo sperrt sich gegen die Gründung einer internen Billigtochter für die Direktverkehre außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München. Dort soll ein Tarifvertrag gelten, der in Summe rund 40 Prozent unter Lufthansa-Niveau liege, sagt Ufo. Intern heißt das Projekt "Direct4U". Ufo fürchtet, dass es unter einem Lufthansa-Namen vermarktet wird.
Benötigt werden rund 2000 Flugbegleiter, von denen 800 von der Tochter Germanwings kommen sollen, die in der neuen Firma aufgeht. Direct4U ist strategisches Kernstück des Score-Sparprogramms, das jährlich 1,5 Milliarden Euro bringen soll.
Weitere Streitpunkte:
Gestritten wird auch unter anderem über Pausenregelungen, Zulagen sowie die Gewinnbeteiligung. Lufthansa verlangt zudem zwei Stunden Mehrarbeit im Monat und bietet eine Jobgarantie. (dpa)
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
Bei der Lufthansa Passage betreuen rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere.
Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage.
Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.
Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen.
Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.
Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein "angemessenes Körpergewicht", wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (dpa)
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