Do, 08.11.12, 14.44

Hordorf-Prozess Experte: Leichtverletzter Lokführer nicht ungewöhnlich

Prozess um Zugunglueck von Hordorf

Foto: dapd

Prozess um Zugunglueck von Hordorf

Ein schwerer Güterzug fegte in Hordorf einen Personenzug von der Schiene. Zehn Menschen starben, darunter ein Lokführer. Der Prozess läuft.

Magdeburg. Die geringen Verletzungen des Lokführers, der das Zugunglück von Hordorf verursacht haben soll, sind aus Sicht eines Eisenbahn-Sicherheitsexperten durchaus erklärbar. Die Lok des Güterzuges sei um ein vielfaches schwerer als die des entgegenkommenden Personenzuges und habe eine erhebliche Pufferzone, sagte der Professor von der Technischen Universität am Donnerstag am Landgericht Magdeburg als sachverständiger Zeuge. Zudem seien Lokführer trainiert darauf, dass sie flüchten. "Bremsung einleiten und weg", nannte er als Motto.

Der Lokführer des Güterzuges ist unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er soll zwei Haltesignale übersehen und damit das Unglück mit zehn Toten und 23 Verletzten ausgelöst haben. Bis auf eine Erklärung, die er von seinem Anwalt verlesen ließ, äußerte sich der Angeklagte nicht. Er hatte angegeben, die Signale nicht wahrgenommen zu haben. Warum, ließ er offen. Die eingleisige Strecke lag im Januar 2011 bei Minusgraden im Nebel. Das Gericht versucht zu klären, was am Unglücksabend genau geschah.

Einige Nebenklagevertreter, die die Familien von Getöteten oder verletzte Überlebende vertreten, spekulieren darüber, ob sich der Lokführer in der zweiten statt in der vorderen ersten Lok befand. Der Güterzug wurde von zwei Loks gezogen. Es gibt zudem die Annahme, der Angeklagte könnte abgelenkt gewesen sein mit Telefonaten oder anderem. Er soll einen DVD-Player dabei gehabt haben.

Als Zeuge berichtete am Donnerstag ein Anwohner aus Hordorf, der einer der ersten am Unfallort war, dass in der zweiten Lok Licht brannte, Papiere hätten überall herumgelegen, er habe einen Dauerwarnton gehört. Ein weiterer Ersthelfer berichtete ebenfalls von eingeschalteten Instrumenten auf der zweiten Lok. Der Eisenbahn-Experte sah dies nicht als Hinweise darauf, dass der Zug von dort aus gesteuert worden war. Vieles könne sich während des Unfalls verstellt haben – etwa durch umherfliegende lose Teile.