01.12.12

Bundesliga

Mit letzter Kraft gegen Diego und den VfL

Im Sommer hatte der HSV großes Interesse am Wolfsburger, der am Sonntag mit einer Not-Elf gestoppt werden soll.

Von Kai Schiller
Foto: dapd
VfL Wolfsburg - FSV Frankfurt
Derart jubeln soll Wolfsburgs Diego de Cunha nach dem Willen von HSV-Trainer Thorsten Fink am Sonntag lieber nicht

Hamburg. Normalerweise kann man Thorsten Fink getrost als einen dieser Wir-müssen-uns-auf-unsere-eigenen-Stärken-konzentrieren-Trainer bezeichnen. Unabhängig vom Gegner fordert der HSV-Coach von seiner Mannschaft Dominanz, von Manndeckung hält er nicht viel, von Lobhudeleien einzelner Gegenspieler schon gar nichts. Doch natürlich erlaubt sich auch der 45-Jährige mal die Ausnahme von der eigenen Regel. "Diego ist ein ganz hervorragender Spieler", lobte Fink Wolfsburgs Superstar vor dem direkten Aufeinandertreffen an diesem Sonntag (17.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei abendblatt.de), "er hat in den letzen Wochen auch endlich seinen verlorengegangenen Willen wiedergefunden."

Tatsächlich ist Fink nicht erst in dieser Woche zum Fan des brasilianischen Ballzauberers geworden. Was kaum jemand weiß: Hinter verschlossenen Türen machte der HSV-Trainer bereits im Sommer keinen Hehl aus seiner Begeisterung für den VfL-Mittelfeldregisseur. Als die Verpflichtung Rafael van der Vaarts noch wie ein kaum zu realisierender Wunsch eines sehr vermögenden HSV-Fans mit Wohnsitz in der Schweiz schien, erlaubten sich Fink und Sportchef Frank Arnesen allen Ernstes von einer Verpflichtung des früheren Bremers zu träumen. Und zu ihrer Überraschung war auch der Begehrte gar nicht mal abgeneigt.

In mehreren Gesprächen versicherte Diego, dass er sich einen Wechsel zum HSV durchaus vorstellen könnte. Und obwohl der Südamerikaner, der beim VW-Klub neun Millionen Euro verdienen soll, zu Gehaltseinbußen bereit gewesen wäre, wurden weitere Überlegungen aus finanziellen Gründen verworfen. Als sich die Verpflichtung van der Vaarts dann abzeichnete, verschwand der Name Diego Ribas da Cunha endgültig aus Finks Fokus - zumindest bis zu diesem Wochenende.

"Diego bestimmt Wolfsburgs Spielrhythmus, ihn müssen wir ausschalten", sagt Fink, der bis zum Sonntag nur eine Frage zu beantworten hat: Wie?

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Ausgerechnet vor dem Duell mit dem einstigen Objekt der Begierde drohen Fink nach und nach die Optionen auszugehen. Petr Jiracek (Schambeinentzündung), Rafael van der Vaart (Muskelfaserriss) und Marcell Jansen, der sich am Donnerstag die Schulter ausgekugelt hat, fallen bis zum Ende der Hinrunde aus, zudem fehlt Mittelfeld-Allrounder Tolgay Arslan am Sonntag gesperrt. "Wie gegen Schalke wird unsere Mannschaft auch diesmal die Ausfälle kompensieren", sagt Fink, der im defensiven Mittelfeld auf Milan Badelj als inoffiziellen Diego-Bewacher setzt.

"Wir gewinnen das Spiel, wenn wir es schaffen, Diego auszuschalten", sagt Dennis Diekmeier, dessen Worte durch einen Blick in die Vergangenheit bestätigt werden. Insgesamt traf Diego mit Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg zehnmal auf den HSV, sechsmal ging der Brasilianer als Sieger vom Platz, einmal gab es ein Unentschieden und drei Vergleiche konnten die Hamburger für sich entscheiden. Lediglich David Jarolim trieb Diego gleich bei zwei Hamburger Erfolgen zur Verzweiflung, Nigel de Jong und Alex Silva hatten meistens große Probleme mit dem Superstar.

In dieser Saison ließ sich das Mittelfeldgenie bis zur Entlassung von Trainer Felix Magath Zeit, ehe er zu großer Form auflief. Während Diego unter Magath in sieben Spielen weder Tore noch Vorlagen gelangen, war er unter Nachfolger Lorenz-Günther Köstner kaum zu bremsen. In nur sechs Partien war er an vier Treffern direkt beteiligt, wobei er drei Tore selbst erzielte. "Er hat die Wärme gesucht und gefunden", beantwortet Köstner die Frage nach den Gründen für den Formanstieg des VfL-Spielmachers, der auch am Sonntag die zentrale Figur im Wolfsburger Angriffsspiel sein soll.

Selbstverständlich weiß aber auch Fink, dass die Wolfsburger sehr viel mehr als nur Diego zu bieten haben. Mit Ausnahme von Rekordmeister Bayern München hat keine Bundesligamannschaft einen derart großen finanziellen Spielraum wie der VW-Klub. Nach Abendblatt-Informationen leisten sich die Niedersachen einen Gehaltsetat von knapp 100 Millionen Euro, womit der VfL mehr als doppelt soviel wie der HSV zur Verfügung hat. Allein in den vergangenen zwei Jahren durfte der ehemalige Alleinherrscher Magath mehr als 65 Millionen Euro ausgeben.

"Es wäre ein Fehler, wenn wir uns nur auf Diego konzentrieren würden", sagt Fink, der sich für die eigene Aufstellung erst am Spieltag entscheiden will. Hinten links hat er die Qual der Wahl zwischen Jeffrey Bruma und Dennis Aogo, der aber eigentlich im Mittelfeld spielen soll. Im Mittelfeld sind die genesenen Heung Min Son und Tomas Rincon mögliche Optionen, als Diego-Pendant wird aller Voraussicht nach Ivo Ilicevic im Zentrum auflaufen. Doch ganz egal, für welche Profis sich Fink letztendlich am Sonntag entscheiden wird, am Ende zählt doch ohnehin nur eines: "Wir müssen uns auf unsere eigenen Stärken konzentrieren."

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