17.01.13

FC Bayern München

Die Fußball-Szene gratuliert zum Guardiola-Transfer

Die Bundesliga freut sich sowieso, aber auch Guardiolas Ex-Kollegen aus Barcelona fühlen mit. Englands Presse ist dagegen enttäuscht.

Foto: dapd

Josep "Pep" Guardiola flog in Barcelona auf einer Welle des Erfolges und der Sympathie. 14 Titel gewann er in vier Jahren als Trainer der Katalanen

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München/Köln. Einen Tag nach der Bekanntgabe der Verpflichtung Josep "Pep" Guardiolas zur nächsten Saison kann sich der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München kaum vor Lobeshymnen auf den Transfer-Coup retten. Zahlreiche Funktionäre und Verantwortliche in der Fußball-Szene gratulierten den Münchnern zum spektakulären Coup, darunter auch Guardiolas Nachfolger beim FC Barcelona.

Dessen aktueller Trainer Tito Vilanova sprach auch der Bundesliga seinen Glückwunsch aus. "Ich freue mich, dass er in den Fußball zurückkehrt, noch dazu zu einem der ganz Großen des europäischen Fußballs. Ich denke, dass das auch gut für den deutschen Fußball ist", sagte der 44-Jährige. Vilanova war vier Jahre lang Assistent von Guardiola bei Barca, den er im vergangenen Sommer beerbte.

"Ich weiß nicht, welche Optionen er hatte, aber ich bin sicher, dass er sich nicht falsch entschieden hat. Er konnte sich ja nicht falsch entscheiden, es waren ja sicher alles gute Möglichkeiten", sagte Vilanova weiter: "Die Bayern haben vier Mal die Champions League gewonnen und verfügen über eine spektakuläre Infrastruktur und Mannschaft. Nein, er hat sich nicht falsch entschieden."

Neben Vilanova äußerten sich weitere Vertreter des katalanischen Renommierklubs positiv über Guardiolas Entscheidung, seine Karriere in Deutschland fortzusetzen. Mittelfeldspieler Andres Iniesta findet es schlicht "gut", sein Kollege Javier Mascherano meinte: "Das ist eine gute Nachricht für den Fußball. Ich weiß, dass für ihn das Sportliche stets über dem Finanziellen steht. Ich war sicher, dass er einen großen Klub übernehmen würde - und die Bayern sind das." Barca-Kapitän Carles Puyol sagte dagegen: "Mich kümmert nur, was hier passiert."

Auch Bach gratuliert den Bayern

Auch DOSB-Präsident Thomas Bach gratulierte den Bayern zur Verpflichtung Guardiolas. "Respekt FC Bayern. Die Verpflichtung ist eine Bestätigung für die erstklassige Arbeit des Vereins und zeigt, welchen Stellenwert sich Bayern München sportlich und wirtschaftlich mittlerweile erarbeitet hat", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. "Mit der Entscheidung von Pep Guardiola für die Bayern wird deutlich, dass der Verein zu den besten Klubs der Welt zählt."

+++ Kommentar: Ritterschlag für die Bundesliga +++

Für die Deutsche Fußball Liga hat der Guardiola-Coup internationale Auswirkungen. "Dass Pep Guardiola nach München kommt, spricht in erster Linie für das internationale Renommee des FC Bayern und die Perspektiven, die dieser Club einem Weltklasse-Trainer bieten kann", sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, am Donnerstag. "Zweifelsohne wirkt sich dies auch positiv auf die Wahrnehmung der Bundesliga in der Welt des Fußballs aus." Der deutsche Rekordmeister wird von der kommenden Saison an vom ehemaligen Starcoach des FC Barcelona trainiert.

Schon am Mittwoch hatte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem Bundesliga-Konkurrenten gratuliert: "Großes Kompliment an die Bayern, dass ihnen dieser Coup gelungen ist. Das tut der gesamten Liga gut, weil die ganze Welt beobachtet, dass es gelingt, solch einen Trainer nach Deutschland zu holen", sagte Watzke dem Abendblatt

Englands Presse reagiert enttäuscht

Die spanische Zeitung El Pais schrieb: "Salto in die Bundesliga! Pep Guardiola geht zu den Kaisern des deutschen Fußballs." Die italienische Zeitung "Gazzetta dello Sport" schrieb: "Der bayerische Beschluss ist das Ereignis des Jahres. Bayern München hat sich gegen monströse Konkurrenz behauptet." Der "Corriere della Sera", ebenfalls aus Italien, befand: "Herr Pep! Jetzt werden wir wirklich feststellen können, ob Guardiola der beste Trainer der Welt ist. Wenn es eine Mannschaft gibt, die Barcelona ähnelt, ist es Bayern."

Enttäuschung herrschte derweil in England, dessen Liga sich ebenfalls Hoffnung auf eine Verpflichtung Guardiolas gemacht hatte. "Auf Wiedersehen, Pep! Guardiola lässt die Premier-League-Klubs abblitzen und geht zum deutschen Riesen Bayern", schrieb "The Sun".

Die "Daily Mail" meinte: "Guardiola ist der begehrteste Trainer der Welt - und er unterschreibt für drei Jahre bei Bayern. Ein krachender Schlag auch für andere Interessenten aus der Premier League. Der deutsche Gigant gewinnt." Und die "Independent" schrieb: "Chelsea ist bloßgestellt - Guardiola unterschreibt bei Bayern. Abramowitsch muss sich anderswo nach einem Trainer umsehen."

Verhandlungen zogen sich über Monate hin

Der Verpflichtung Guardiolas war ein gut sechs Monate langes Ratespiel vorausgegangen. Das erste Gerücht hatte es bereits am 18. Juni 2012 gegeben. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich Medienberichte, nach denen Bayerns damaliger Sportdirektor Christian Nerlinger sich bereits beim spanischen Pokalfinale am 25. Mai mit Guardiolas Bruder und Berater Pere getroffen hatte.

Am 21. Juni dementierte Pep Guardiola dann Berichte über Verhandlungen und erklärte: "Ich habe mit keinem Verein gesprochen und ich bin nicht bereit, mich jetzt zu binden." Am 10. Dezember folgten erneute Gerüchte über eine Verpflichtung Guardiolas. "Erst reden wir 2013 mit Heynckes", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge daraufhin.

Im Rahmen der Fifa-Gala in Zürich am 7. Januar reagierte Guardiola schließlich ausweichend auf die Frage nach einem Engagement in München: "Es wäre respektlos, wenn ich zu einem Verein, der aktuell einen Trainer beschäftigt, konkret etwas sagen würde." Allerdings bestätigt der Spanier auch seine Rückkehr auf die Trainerbank in Sommer.

Das letzte große Gerücht hatte dann "Sky Italie" verbreitet. Nach Informationen des TV-Senders vom 15. Januar sollte Guardiola eine Entscheidung zugunsten der Bayern getroffen haben. Rummenigge wollte die Meldung nicht kommentieren: "Ich kann dazu nur sagen, dass wir die gesamte Situation immer sehr souverän gehandhabt haben."

Die Auflösung folgte letztlich am 16. Januar: Exakt um 16.49 Uhr bestätigt der FC Bayern die Mediengerüchte, dass der 41 Jahre alte Guardiola einen Vertrag bis 2016 unterschrieben hat und die Nachfolge von Jupp Heynckes antreten wird.

Stimmen zu Guardiola

Franz Beckenbauer (Ehrenpräsident Bayern München), bei Sky Sports News HD: "Da muss ich dem FC Bayern gratulieren, dass sie den Pep Guardiola bekommen haben. Ich kann mir vorstellen, dass er überschüttet wurde von Angeboten. Er ist in den letzten Jahren einer der besten und erfolgreichsten Trainer geworden. Ihn zu bekommen, da muss ich sagen: Herzlichen Glückwunsch."

Ottmar Hitzfeld (ehemaliger Bayern-Meistertrainer) bei Sky Sports News HD: "Er ist einer der besten Trainer der Welt, hat erfolgreich gearbeitet und passt zur Mentalität der Bayern. Er ist ein Trainer, der auch Zurückhaltung zeigt. Er ist sehr kommunikativ innerhalb des Vereins, was ja auch wichtig ist bei Bayern München. Er ist jung und hat jetzt ein halbes Jahr Zeit, die deutsche Sprache zu lernen. Das passt optimal."

Berti Vogts (Ex-Bundestrainer): "Mich überrascht nichts mehr bei den Bayern. Das ist natürlich eine tolle Sache für die Bundesliga. Ich glaube, dass Pep Guardiola dem deutschen Fußball mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, viele Impulse geben wird. Er wird mit seinem modernen Fußball die Bayern-Spielweise noch weiter perfektionieren. Meinem alten Gladbacher Freund Jupp Heynckes wünsche ich, dass er alle drei Titel, Meisterschaft, Pokal und Champions League, in dieser Saison gewinnt. Er hat tolle Arbeit in München geleistet."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer von Borussia Dortmund): "Da kann ich nur vollen Herzens und ohne Neid gratulieren. Man muss auch die Größe haben und sagen können: Chapeau! Das ist eine Riesengeschichte für die Liga, gibt ihr international noch mehr Reputation. Als ich davon gehört habe, war ich schon erstaunt. Denn ich weiß, wie schwer es ist, so einen Trainer zu bekommen. Wir müssen auf dieser Position aber nun nicht kontern, denn wir haben mit Jürgen Klopp den für Borussia Dortmund besten Trainer der Welt."

Andreas Rettig (DFL-Geschäftsführer) zu Bild: "Man kann dem FC Bayern zu der Verpflichtung von Pep Guardiola nur gratulieren. Das zeigt einmal mehr den großen internationalen Stellenwert der Fußball-Bundesliga. Und mit Guardiola wird das internationale Interesse an der Bundesliga sicher weiter steigen."

Martin Kind (Präsident Hannover 96) bei Sky Sports News HD: "Bayern München hat schon mit dem Transfer von Martinez ein deutliches Zeichen gesetzt, finanziell und sportlich. Dieses Zeichen haben sie nun noch einmal getoppt. Bayern will in Deutschland sowieso die Nummer eins sein, sie wollen sich auch international erfolgreich weiterentwickeln. Und deshalb ordne ich diese Entscheidung in eine strategische Überlegung ein."

Das ist Pep Guardiola

Name: Josep "Pep" Guardiola i Sala

Geboren am 18. Januar 1971 in Santpedor/Spanien

Familienstand: Verheiratet mit Cristina (drei Kinder)

Stationen als Spieler (defensives Mittelfeld): Gimnastic de Manresa (bis 1984), FC Barcelona (1984-2001), Brescia Calcio (2001/02 und 2003), AS Rom (2002/03), Al-Ahli SC/Katar (2003-05), Dorados de Sinaloa/Mexiko (2006)

Stationen als Trainer: FC Barcelona B (2007/08), FC Barcelona (2008-2012), Bayern München (ab 1. Juli 2013)

Erfolge als Spieler: Olympiasieger 1992, Europapokal der Landesmeister 1992, Europapokal der Pokalsieger 1997, UEFA-Supercup 1992, 1997, Spanischer Meister 1991, 1992, 1993, 1994, 1998, 1999, Spanischer Pokalsieger 1997, 1998, Spanischer Supercup 1996

Erfolge als Trainer: Klub-Weltmeister 2009, 2011, Champions League 2009, 2011, UEFA-Supercup 2009, 2011, Spanischer Meister 2009, 2010, 2011, Spanischer Pokalsieger 2009, 2012, Spanischer Supercup 2009, 2010, 2011

Persönliche Auszeichnungen: Trofeo Bravo (bester Nachwuchsspieler Europas) 1992, Trofeo Miguel Munoz (Spanischer Trainer des Jahres) 2009, 2010, Weltklubtrainer 2009, 2011

Bilanz als Spieler: Spanische Nationalmannschaft 47 Spiele/5 Tore, Primera Division 263/6, Serie A 28/3, Katar Stars League 36/7, Primera Division Mexiko 10/1

Quelle: sid

(dpa/sid)
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