16.01.13

Porträt Josep Guardiola i Sala: Ein Philosoph des Erfolgs

Von Patrick Storzer
Bild-Zeitung: Guardiola neuer Trainer des FC Bayern Muenchen

Foto: dapd

Bild-Zeitung: Guardiola neuer Trainer des FC Bayern Muenchen Foto: dapd

Der Katalane ist ein Mann der leisen Töne. Seine Arbeit prägt den Fußball der Neuzeit. Titelsammlung soll beim FC Bayern erweitert werden.

München. Josep Guardiola genoss seine Auszeit in vollen Zügen und schaute sich aus dem fernen New York in Ruhe an, wie Europas Spitzenvereine sich im Wettlauf um sein "Ja" gegenseitig überboten. Der begehrteste Fußball-Trainer des Planeten hatte seinen Marktwert durch sein Sabbat-Jahr in exorbitante Höhen getrieben. Letztlich aber entschied sich der 41-Jährige gegen das Geld in England oder Italien und entschied sich für den FC Bayern.

Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic nannte Guardiola einst einen "Philosophen" - und meinte es als Beleidigung. In seinen vier Jahren auf der Trainerbank des FC Barcelona prägte Guardiola nicht nur die Mannschaft und den Verein maßgeblich, sondern auch ein neues Trainerbild. Als totaler Gegenentwurf zu seinem großen Konkurrenten Jose Mourinho beim Erzrivalen Real Madrid gab sich Guardiola ruhig, gelassen, versöhnend, setzte auf die leisen Töne. Der Erfolg gab ihm dabei immer recht.

Guardiola, als Spieler 1992 unter Johan Cruyff selbst Sieger im Europapokal der Landesmeister mit Barca, räumte gleich in seinem ersten Jahr alle Trophäen ab. Meister: Pokalsieger, Champions-League-Sieger, anschließend auch spanischer Supercup-Gewinner, europäischer Supercup-Gewinner und Weltpokal-Gewinner. Unter Guardiola reiften Stars wie Lionel Messi, Xavi und Andres Iniesta zu absoluten Weltstars, der Fußball der Katalanen war stilgebend für ganz Europa.

Barca spielte schön, erfolgreich - und trug die Handschrift Guardiolas. So ungewöhnlich Guardiolas Arbeit als Trainer war, so ungewöhnlich war auch sein Schritt in die Auszeit. Nach vier Jahren mit 14 Titel trat er im Sommer 2012 als Trainer zurück und zog mit seiner Familie nach New York. Der Philosoph wollte seinen Horizont erweitern und neue Energie tanken. Ohne finanzielle Sorgen gönnte er sich ein Apartment für 30.000 Dollar Monatsmiete und besuchte Kurse an der Columbia-Universität. Nun kehrt auf die große Fußball-Bühne zurück. In der Bundesliga.

((sid))