16.01.13

Fussball-Bundesliga

Pep Guardiola wird im Sommer Bayern-Trainer

Sensations-Coup des Rekordmeisters. Einigung mit dem spanischen Erfolgstrainer bereits vor Weihnachten. Vertrag bis Sommer 2016.

Foto: dpa/DPA
Pep Guardiola soll auf der Wunschliste des FC Bayern München stehen
Bayern bestätigen: Pep Guardiola wird ab Sommer neuer Trainer des Rekordmeisters

München. Am Mittwoch wurde der Super-Deal mit Pep Guardiola offiziell: Der langjährige Erfolgstrainer des FC Barcelona wird ab Sommer als Nachfolger von Jupp Heynckes den deutschen Rekordmeister Bayern München übernehmen - Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm statt Lionel Messi und Andres Iniesta heißt es ab 1. Juli für den Spanier.

Es ist eine der größten Transfer-Sensationen in der fast 50-Jährigen Bundesliga-Historie, der den Bayern drei Tage vor dem Rückrunden-Auftakt gegen die SpVgg Greuther Fürth geglückt ist. Die Münchner Führungsriege hatte am Mittwochnachmittag getagt und dabei auch Heynckes über den Beschluss informiert. Der 67-Jährige hatte die Sitzung zunächst wortlos verlassen. Guardiola hat beim FC Bayern einen Dreijahresvertrag bis 2016 unterschrieben. "Pep Guardiola ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt und wir sind sicher, dass er nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. "Als adäquater Nachfolger für Jupp Heynckes kam nur ein Trainer vom Kaliber eines Pep Guardiola infrage", ergänzte Präsident Uli Hoeneß.

Guardiola-Berater: "Die Unterschrift erfolgte um Weihnachten herum."

Der ehemalige spanische Nationalspieler hat sich mit seiner Unterschrift beim deutschen Rekordmeister gegen das Geld und für die sportliche Perspektive entschieden. Dies bestätigte Guardiolas Berater Jose Maria Orobitg der spanischen Nachrichtenagentur EFE. "Er hat sich für Bayern München entschieden, weil der Klub unter allen interessierten Vereinen das beste Projekt war", sagte Orobitg und ergänzte: "Die Bayern waren nicht der Klub, der das meiste Geld geboten hat." Die Entscheidung war aber offenbar bereits vor Weihnachten gefallen. Orobitg: "Die Unterschrift erfolgte um Weihnachten herum. Ich kann mich nicht mehr an das genaue Datum erinnern, es war so etwa am 20. Dezember." Vor Weihnachten hatte Heynckes den Bayern mitgeteilt, dass er seinen am 30. Juni endenden Vertrag nicht mehr verlängern werde. Pep Guardiola ist offenbar vom seinem neuen Arbeitgeber insgesamt sehr angetan. Orobitg: "Guardiola hat sich für diesen Verein entschieden wegen seiner Organisation, seiner Möglichkeiten und seiner Spieler."

Bis Sommer 2012 hatte der 41-Jährige den FC Barcelona trainiert und seitdem in New York eine Auszeit vom Fußball genommen. Vor zwei Wochen hatte er aber seine Rückkehr angekündigt. Mit Barca gewann Guardiola, der auch von den englischen Spitzenklubs Manchester City und United sowie dem FC Chelsea heftig umworben wurde, 14 Titel, darunter zweimal die Champions League und den Weltpokal. Der FC Chelsea hatte auch deswegen angeblich sogar 22 Millionen Euro Jahresgehalt für den Erfolgstrainer geboten.

Der 47-malige Nationalspieler begann seine Trainerkarriere 2007 bei der zweiten Mannschaft von Barca. Ab 2008 bis 2012 war er dann für die Stars verantwortlich. Der offensiv ausgerichtete Fußball von Barca gilt seitdem weltweit als das Nonplusultra. Unter der Leitung von Guardiola entwickelten sich Spieler wie Lionel Messi, Xavi oder Andres Iniesta zu Weltstars.

Guardiola-Entscheidung für die Bundesliga und gegen die Premier League

Der zweimalige Weltklubtrainer ist in der Bundesliga-Geschichte der neunte ausländische Coach der Münchner. Zuletzt waren die Niederländer Louis van Gaal und Andries Joncker bei den Bayern in verantwortlicher Position gewesen. In den vergangenen Tagen hatte es bereits verstärkt Spekulationen gegeben, dass der Erfolgscoach bei den Bayern anheuert. So hatte Sky Italia schon am Dienstag von einer Einigung berichtet. Zwischenzeitlich hieß es aber, dass Guardiola nun doch ein Engagement auf der Insel dem Job beim FC Bayern vorziehen würde. Die Vorlage hatte er selbst geliefert, als er am Dienstag die englische Premier League in den höchsten Tönen lobte. Er hoffe, "dass ich in der Zukunft die Chance bekomme, da Trainer zu sein", sagte er dem englischen Verband FA anlässlich dessen 150-jährigen Bestehens. Es war aber offenbar nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver.

Die Bayern wollten angesichts der sich häufenden Spekulationen noch vor dem ersten Pflichtspiel des Jahres für Klarheit sorgen, Heynckes soll im Sommer schließlich möglichst mit dem Triple abtreten. Ohne die frühe Bekanntgabe hätte die Trainerdebatte durchaus für Unruhe sorgen können, auch wenn sich die Münchner bis zuletzt locker gezeigt hatten. "Wir haben einen super Trainer. Die Entscheidung wird so sein, dass diese Superlösung bleibt oder wir eine neue Superlösung präsentieren werden. Das ist die Aussage", sagte Sammer unlängst. Der Sport-Vorstand sah bis Mittwoch ohnehin wichtigere Themen - und die betrafen ausschließlich die Mannschaft. Diese dürfe sich auf der beeindruckenden Hinrunde nicht ausruhen. "Die Botschaft kann nicht sein: Es ist alles gut. Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Wir müssen zu dem, was wir in der ersten Halbserie gespielt haben, in aller Konsequenz zurückkehren. Das muss die Orientierung sein", forderte Sammer.

Auch Heynckes hat die Mannschaft noch einmal eindringlich in die Pflicht genommen. "Unsere Körpersprache passt nicht", sagte der Bayern-Coach am Dienstag in einer Teamsitzung: "Das Umschalten von Offensive zu Defensive gefällt mir gar nicht." Was Heynckes von seinem Nachfolger hält, bleibt indes bis auf Weiteres offen.

Stimmen zu Guardiola

Franz Beckenbauer (Ehrenpräsident Bayern München), bei Sky Sports News HD: "Da muss ich dem FC Bayern gratulieren, dass sie den Pep Guardiola bekommen haben. Ich kann mir vorstellen, dass er überschüttet wurde von Angeboten. Er ist in den letzten Jahren einer der besten und erfolgreichsten Trainer geworden. Ihn zu bekommen, da muss ich sagen: Herzlichen Glückwunsch."

Ottmar Hitzfeld (ehemaliger Bayern-Meistertrainer) bei Sky Sports News HD: "Er ist einer der besten Trainer der Welt, hat erfolgreich gearbeitet und passt zur Mentalität der Bayern. Er ist ein Trainer, der auch Zurückhaltung zeigt. Er ist sehr kommunikativ innerhalb des Vereins, was ja auch wichtig ist bei Bayern München. Er ist jung und hat jetzt ein halbes Jahr Zeit, die deutsche Sprache zu lernen. Das passt optimal."

Berti Vogts (Ex-Bundestrainer): "Mich überrascht nichts mehr bei den Bayern. Das ist natürlich eine tolle Sache für die Bundesliga. Ich glaube, dass Pep Guardiola dem deutschen Fußball mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, viele Impulse geben wird. Er wird mit seinem modernen Fußball die Bayern-Spielweise noch weiter perfektionieren. Meinem alten Gladbacher Freund Jupp Heynckes wünsche ich, dass er alle drei Titel, Meisterschaft, Pokal und Champions League, in dieser Saison gewinnt. Er hat tolle Arbeit in München geleistet."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer von Borussia Dortmund): "Da kann ich nur vollen Herzens und ohne Neid gratulieren. Man muss auch die Größe haben und sagen können: Chapeau! Das ist eine Riesengeschichte für die Liga, gibt ihr international noch mehr Reputation. Als ich davon gehört habe, war ich schon erstaunt. Denn ich weiß, wie schwer es ist, so einen Trainer zu bekommen. Wir müssen auf dieser Position aber nun nicht kontern, denn wir haben mit Jürgen Klopp den für Borussia Dortmund besten Trainer der Welt."

Andreas Rettig (DFL-Geschäftsführer) zu Bild: "Man kann dem FC Bayern zu der Verpflichtung von Pep Guardiola nur gratulieren. Das zeigt einmal mehr den großen internationalen Stellenwert der Fußball-Bundesliga. Und mit Guardiola wird das internationale Interesse an der Bundesliga sicher weiter steigen."

Martin Kind (Präsident Hannover 96) bei Sky Sports News HD: "Bayern München hat schon mit dem Transfer von Martinez ein deutliches Zeichen gesetzt, finanziell und sportlich. Dieses Zeichen haben sie nun noch einmal getoppt. Bayern will in Deutschland sowieso die Nummer eins sein, sie wollen sich auch international erfolgreich weiterentwickeln. Und deshalb ordne ich diese Entscheidung in eine strategische Überlegung ein."

(sid/HA)
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