Di, 13.11.12, 15.24

Nationalmannschaft Löw erwägt spanische Angriffsvariante

Thomas Niklaus und Alexander Sarter
Germany - Training & Press Conference

Foto: Bongarts/Getty Images

Germany - Training & Press Conference

Der Bundestrainer hat nach Kloses Ausfall keinen echten Stürmer mehr im Kader. So könnte Reus gegen die Niederlande den Fabregas geben.

Amsterdam. Deutschland macht es Spanien nach und schafft den Angriff ab. Zwei Torhüter, sechs Abwehrspieler und elf Akteure für das Mittelfeld weist die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) veröffentlichte Aufgebotsliste der Fußball-Nationalmannschaft für den Klassiker gegen die Niederlande auf. Aber ein Stürmer? Erstmals Fehlanzeige.

Nach der Absage von Miroslav Klose gibt es an vorderster Front eine bedenkliche Lücke - und das in einem Land, das für seine Torjäger wie Gerd Müller, Uwe Seeler, Klaus Fischer, Rudi Völler, Karl-Heinz Rummenigge oder Jürgen Klinsmann immer bewundert wurde. Er sei "hoffnungsfroh, dass Hansi Flick mich noch anruft", witzelte Teammanager Oliver Bierhoff, einst auch treffsicherer Stürmer in der DFB-Auswahl, angesichts des anhaltenden Sturm-Tiefs. "Ich habe zwei, drei Varianten die ich mir durch den Kopf gehen lasse", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Prestigeduell am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) in Amsterdam und nannte Lukas Podolski und Marco Reus als Kandidaten. Erste Wahl als Aushilfe dürfte aber der Dortmunder Reus sein, der besser ins Anforderungsprofil von Löw passt.

Stefan Kießling von Bayer Leverkusen, im Jahr 2012 bisher mit 19 Treffern immerhin erfolgreichster deutscher Angreifer, erfüllt diese Kriterien nicht. Trotz der Absagenflut verzichtete der Bundestrainer erneut auf den 28-Jährigen. "Ich registriere seine gute Leistungen absolut. Er ist nicht in Vergessenheit geraten. Ich will aber vorne einen anderen Spielertypen testen", betonte Löw. Einen, "der aufgrund seiner Spielweise besser zur Geltung kommt". Einen wie Reus eben.

Ein Versuch mit dem 23 Jahre alten Dortmunder schwebt Löw schon lange vor - analog zu Vorbild Spanien, das mit einer "falschen 9" agierte und weitgehend ohne Stürmer Europameister wurde. Bei der EURO hieß der "Reus" oft Cesc Fabregas. Auch Klose hatte diese Variante zuletzt schon ins Gespräch gebracht: "Im Notfall machen wir es eben so wie Spanien und spielen ohne Stürmer. Wir haben ohnehin ein Überangebot an Mittelfeldspielern." Aber eben nicht an Angreifern. In den bisherigen Spielen seit der EM hatte der 34 Jahre alte Klose deshalb den Alleinunterhalter spielen müssen, da Mario Gomez seit Monaten ausfällt. Der Münchner Stürmer sollte erst am Dienstagabend in einem Testspiel des FC Bayern gegen einen Sechsligisten sein Comeback feiern und steht Löw erst im kommenden Jahr wieder zur Verfügung.

Aber was kommt nach Klose und Gomez? Dieses Problem sei "nicht von heute auf morgen" zu lösen, sagte Löw unlängst. Der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt sei bereits angehalten, im Jugendbereich verstärkt diesen Spieler-Typus zu sichten und zu fördern. Löw hofft so wenigstens "langfristig" auf Besserung. Kurzfristig, das belegt ein Blick auf die Alternativen, ist kaum Unterstützung in Sicht. Schon vor Wochen hatte Löws Assistent Hansi Flick in der Bundesliga einen Mangel "an typischen Zentrumsstürmern", die auch für die DFB-Auswahl infrage kämen, festgestellt. So bleibt Löw derzeit nur die Hoffnung, dass Klose, den derzeit eine Erkältung matt setzt, und Gomez bald wieder zurückkommen. Ansonsten bleibt im Notfall aber immer noch das "spanische System".

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen

Niederlande: Krul/Newcastle United (24 Jahre/4 Länderspiele) - van Rhijn/Ajax Amsterdam (21/4), Heitinga/FC Everton (28/84), Vlaar/Aston Villa (27/13), Martins Indi/Feyenoord Rotterdam (20/5) - de Jong/AC Mailand (27/66), Emanuelson/AC Mailand (26/16) - van der Vaart/Hamburger SV (29/102) - Afellay/Schalke 04 (26/43), Huntelaar/Schalke 04 (29/59), Robben/Bayern München (28/62). - Trainer: van Gaal

Deutschland: Neuer/Bayern München (26/35) - Höwedes/Schalke 04 (24/9), Mertesacker/FC Arsenal (28/84), Hummels/Borussia Dortmund (23/22), Lahm/Bayern München (29/94) - Lars Bender/Bayer Leverkusen (23/10), Gündogan/Borussia Dortmund (22/3) - Müller/Bayern München (23/37), Götze/Borussia Dortmund (20/19), Podolski/FC Arsenal (27/105) - Reus/Borussia Dortmund (23/13). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Pedro Proenca (Portugal)