Pinneberg
27.12.12

Kreis Pinneberg

Zwölf Monate regionale Dauervorstellung

Das Kulturjahr 2012 glänzte im Kreis mit berühmten Namen, zahlreichen Konzerten, Open-Air-Veranstaltungen und kreativen Festivals.

Von Eike Pawelko
Foto: Claudia Eicke-Diekmann
Anonymous Brothers
Das Duo Anonymous Brothers begeisterte das Publikum beim Festival Comedy & Arts in Pinneberg

Neue Gesichter, berühmte Namen, jede Menge kreativer Festivals und nicht zuletzt der Streit ums liebe Geld für die regionale Kunst prägten das Kulturjahr 2012 im Kreis Pinneberg.

Gleich zum Start, bereits im Februar, präsentierte die Stiftung Landdrostei die diplomierte Flötistin und Musikpädagogin Stefanie Fricke als neue Künstlerische Leiterin des Kreiskulturzentrums und zog damit nach der fristlosen Entlassung von Fricke-Vorgänger Stefan Dupke im Juli 2011 vorerst einen Schlussstrich unter die Dauerdebatte um die zukünftige Struktur des Hauses. Der Streit darüber, wie die Drostei künftig finanziell und personell ausgestattet werden sollte, hatte monatelang die Gemüter vieler Kulturschaffender aus der Region erhitzt.

Mit der jetzigen Lösung spart der notorisch klamme Kreis Pinneberg als Hauptgeldgeber der Stiftung eine Vollzeitstelle ein. Gleichzeitig hat die Stiftung, wie von politischer Seite gefordert, die künstlerische und finanzielle Leitung des Hauses voneinander entkoppelt, indem sie Siegfried Bruno Retzke, im Hauptberuf Beamter der Kreisverwaltung, zum nebenamtlichen Geschäftsführer berief.

Nach den ersten Monaten steht fest: Es läuft besser, als die Skeptiker dieser Sparlösung befürchtet hatten. Mit der neuen, jurierten Nachwuchsausstellung "frühWerk", einer Abo-Konzertreihe für Kinder, Literaturveranstaltungen und einem hochkarätig besetzten Barockfestival hat die neue Programmchefin erste Akzente gesetzt. Und mit der Aufregung um die zurzeit laufende Ausstellung mit Lithografien und Ölbildern des wegen seiner antisemitischen Haltung in und zwischen den beiden Weltkriegen sehr umstrittenen Grafikers Andreas Paul Weber auch ihren ersten kleinen Skandal. Aber das garantiert gleichzeitig eine Menge öffentlicher Aufmerksamkeit - und davon kann das Kulturzentrum durchaus etwas brauchen.

Verletzte Eitelkeiten, Kurzsichtigkeit, eine gehörige Portion Ignoranz und das Kompetenzgerangel zwischen dem ehrenamtlich arbeitenden Kulturverein, Kommunalpolitikern, Stadtverwaltung und den Theatermanagern der Hamburger Stäitsch GmbH sorgte für ein besonders unruhiges Kulturjahr im ansonsten so beschaulichen Schenefeld. Im Januar war zunächst unerwartet der Vorstand des Schenefelder Kulturvereins zurückgetreten. Hinter der heilen Fassade hatte die Chemie zwischen den Vorstandsmitgliedern schon länger nicht mehr gestimmt.

Kaum hatte die örtliche Szene sich von der Überraschung erholt, folgte der nächste Paukenschlag: Im März ließ der Kulturausschuss mit denkbar knapper Mehrheit die "Theaterehe" zwischen Stadt und der Hamburger Stäitsch GmbH platzen - zum verblüfften Entsetzen der Theatermanager, die das Schenefelder Bühnenleben jahrelang mit hochkarätig besetzten Gastspielen der Kammerspiele und des Altonaer Theaters bereichert hatten und die Saison 2012/13 bereits fertig geplant hatten. Nach den Vorstellungen der Kulturpolitiker sollten nun die ehrenamtlichen Funktionäre des Schenefelder Kulturvereins die Bespielungslücke mit Klassikprofis, Kabarettisten und Bühnenensembles füllen.

Doch auch mit ihnen fanden die Volksvertreter keine finanzielle Einigung - und kündigten diesen Vertrag und die damit verbundenen Zuschüsse im Juni ebenfalls. Im Dezember warf schließlich auch noch der Vizechef des Kulturvereins entnervt das Handtuch. Ob die Schenefelder in der dafür eigens mit einer kostspieliger, hochmoderner Licht- und Tontechnik ausgebauten Gymnasialaula, dem Forum, nach dem Ende der Saison im Mai 2013 überhaupt ein Programm erwarten dürfen und wenn ja, welches, steht zum Jahresende 2012 in den Sternen.

Im Mai vergraulte die Stadt auch noch den zweiten einflussreichen Kulturzirkel, den etablierten Kunstkreis Schenefeld, indem sie nach Jahrzehnten erfolgreicher Ausstellungsarbeit den Ehrenamtlichen überraschend den Ratssaal nicht mehr als zeitweiligen Schauraum zur Verfügung stellen wollte. Daraufhin gründeten die Kulturschaffenden im August eine neue Interessenvertretung, um den Politikern erfolgreicher Paroli zu bieten. Dass Bürgermeisterin Christiane Küchenhof im Juli die an allen Spielorten übliche Bannerwerbung für das einzige Konzert des renommierten Schleswig-Holstein Musik Festivals in der Kleinstadt untersagte, passt ins wenig kulturfreundliche Gesamtbild der Kommune. Küchenhof hatte das Verbot dieser Werbung mit der Furcht vor einer unerwünschten Bannerflut von Sportvereinen und Parteien begründet.

Dafür ließ Wedel es im 800. Jahr des Ortsbestehens an der Kulturfront krachen. Trotz Millionenloch im Etat landete die Stadt mit dem außergewöhnlichen Multi-Klavier-Konzert Pianos an der Elbe einen ausverkauften Volltreffer, stemmte eine erlebnisreiche Festwoche im Juni und rührte anders als Schenefeld auch für das einzige Gastspiel des Schleswig-Holstein Musik Festivals mit Starposaunist Nils Landgren und der NDR-Bigband im August tatkräftig und erfolgreich die Werbetrommel. Die Crew des Theaterschiffs "Batavia" um Inhaber Hannes Grabau setzte mit einem ansprechenden Programm zum 40-jährigen Bestehen der im Kreis Pinneberg einzigartigen Einrichtung ebenfalls Akzente.

In Pinneberg lockten vor allem zwei Großveranstaltungen die Massen. Das vom Hamburger Abendblatt unterstützte Kleinkunstfestival Comedy & Arts Anfang Juni und natürlich das Festival SummerJazz im August.

Klassikfans nutzten beim Schleswig-Holstein Musik Festival die Gelegenheit, Weltstars wie die Klavierschwestern Labèque oder den Geiger Daniel Hope live in der Elmshorner Reithalle zu erleben. Höhepunkte in dieser Liga waren auch das Rellinger Maifestival, die beiden appen-classics-Konzerte und das Gastspiel des international etablierten Atos-Trio im Pinneberger Ratsaal. Rustikaler gingen die Fans es bei den Rockfestivals in Brande-Hörnerkirchen, Pinneberg, Uetersen, Kummerfeld, Heist und Langeln an.

Barmstedt lockte mit einer Open-Air-Aufführung der Mozart-Oper Die Zauberflöte im August an den See, in Elmshorn feierten Amateurensembles aus ganz Deutschland bei den Tagen der Chor- und Orchestermusik im März ihr Musikfest. In Halstenbek feierten ganze 11.000 Zuschauer im August bei der NDR-Sommertour und erlebten, wie Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann mutig in den Pool sprang - obwohl die Gemeinde Halstenbek die Wette gegen den Sender gewonnen hatte.

Und sonst? Der Kreis Pinneberg zeichnete die Malerin Birgit Bessler und den Musiker Peter Heidrich mit den Kulturpreisen 2012 aus, Heide Simonis, Ex-Ministerpräsidentin und heutige Vorsitzende des Sängerbundes Schleswig-Holstein, ehrte die 106 Jahre alte Heidgrabener Liedertafel mit der Zelterplakette des Bundespräsidenten für ihr langes Bestehen. Und im September erhalten das Quickborner Lichtspielhaus Beluga und das Barmstedter Saturn den Kinopreis des Landes für ihre Qualitätsprogramme.

Auf vielen Orgelbänken trat eine neue Kantorengeneration ihren Dienst an. Abschied nehmen hieß es nach jeweils mehr als vier Jahrzehnten für Monica Lundbeck aus Halstenbek, und Hans-Bernhard Gericke aus Wedel. Zum Jahreswechsel scheidet nach 33 Jahren auch Hartmut Deutsch aus dem Amt an den Registern der Elmshorner Nikolaikirche.

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