22.12.12

Niedersachsen

Wo die Metropole Hamburg nur Randgebiet ist

Wirtschaft im südlichen Umland fordert: Neue Regierung in Hannover muss sich mehr um Niedersachsens nördliche Region kümmern.

Von Alexander Sulanke
Foto: pa/dpa
Schiffshebewerk Scharnebeck wieder voll einsatzbereit
EIn Tankschiff liegt im zweiten Hebetrog des Schiffshebewerkes Scharnebeck. Mit dem 1974 errichteten Bau überwinden die Schiffe einen Höhenunterschied von 38 Metern. Die Forderung nach einem Ersatzbau ist quer durch die politischen Lager Konsens.

Hamburg. Wer in Buchholz in der Nordheide lebt, in Buxtehude, Lüneburg, Stade oder Winsen, der lebt gefühlt schon in Hamburg und richtet seinen Fokus häufig auf die Millionenmetropole an der Elbe. Aus dieser Perspektive gesehen ist Hannover, die Landeshauptstadt, weit entfernt. Von Hannover aus betrachtet aber scheint die Hansestadt am nördlichen Ende Niedersachsens noch ungleich weiter - zu weit - entfernt. Dieser Eindruck jedenfalls entsteht mitunter im südlichen Teil des Hamburger Speckgürtels. "Ich würde mir wünschen, dass eine neue Landesregierung ihren Blick stärker auch auf diese Region richtet", sagt etwa Wilfried Seyer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Harburg (WLH).

Mehr noch: Die Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinweg müsste enger sein, meint Seyer. Als ein kleines Beispiel führt er das gerade im Hamburger Hafengebiet in Betrieb genommene Verkehrsleitsystem Diva an. "Wir hätten uns so etwas länderübergreifend gewünscht." Die Verzahnung Schleswig-Holsteins mit Hamburg sei wesentlich besser als die mit Niedersachsen, meint der WLH-Chef.

Was seinen Grund darin haben dürfte, dass Hamburg für das verhältnismäßig kleine Schleswig-Holstein eine ganz andere Bedeutung hat als für Niedersachsen. Im nördlichsten Bundesland lebt mehr als jeder dritte Wahlberechtigte in einem der vier Kreise Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg, sodass Experten vor der letzten Wahl im vergangenen Mai festgestellt hatten, der politische Kurs werde maßgeblich im Hamburger Umland bestimmt. In den Landkreisen Harburg, Lüneburg und Stade im Süden der Hansestadt sind dagegen nach Angaben des Büros der Landeswahlleiterin in Hannover nur sieben Prozent der gut 6,1 Millionen in Niedersachsen Wahlberechtigten zu Hause.

Der Bedarf an millionenschweren Investitionen insbesondere in Infrastrukturprojekte ist in dieser Region gleichwohl enorm. Der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) hat sie unter dem Titel "Forderungen der Wirtschaft an die neue Landesregierung" jüngst in einem Thesenpapier zusammengefasst. Darin kommt die Autobahn 20 vor, die nach heutigen Planungen von Schleswig-Holstein kommend unter der Elbe hindurch bei Drochtersen im Landkreis Stade niedersächsischen Boden erreichen und von dort bis nach Bremerhaven gebaut werden soll. Die Fortführung der Autobahn 39 über Lüneburg hinaus bis nach Wolfsburg wird auch gefordert, ebenso der Bau der sogenannten Y-Trasse - eine neue Bahnstrecke, die Hamburg und Bremen mit Hannover verbinden und bestehende Gleise vom Güterverkehr entlasten soll.

Die amtierende schwarz-gelbe Landesregierung um Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat alle diese Projekte in der vergangenen Woche für den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2030 angemeldet, dazu noch den ebenfalls fürs Hamburger Umland bedeutsamen Weiterbau der Autobahn 26 von Stade in Richtung Osten und den Neubau einer Schleuse als Ersatz für das Schiffshebewerk bei Scharnebeck im Landkreis Lüneburg.

Ob, wann und in welchem Umfang all diese Projekte realisiert werden können, steht zurzeit noch nicht fest. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat mit Blick auf den niedersächsischen Wunschzettel darauf hingewiesen, dass der Verkehrsetat strukturell unterfinanziert sei. Die niedersächsische SPD will allem Anschein nach nicht an den Vorhaben rütteln.

Diese Einschätzung teilen derzeit auch Wirtschaftsvertreter. Jochen Winand etwa, Vorstand der Süderelbe AG, die Wirtschaftsprojekte in der Metropolregion voranzutreiben sucht, sagt: "Nach dem, was ich bisher gehört habe, ist momentan auch im Falle eines Regierungswechsels nichts zu befürchten." Was Olaf Lies, Wirtschaftsminister im Schattenkabinett des SPD-Spitzenkandidaten Stephan Weil, geäußert habe, klinge ganz vernünftig. Und WLH-Chef Seyer sagt: "Ich sehe keine großen Unterschiede in den Positionen der beiden großen Parteien."

Die SPD könnte einen Regierungswechsel aller Voraussicht nach aber nur mithilfe der Grünen schaffen. Und der potenzielle Juniorpartner in einer Koalition bewertet die Infrastrukturprojekte grundlegend anders. Die Vergeudung niedersächsischer Millionen für die Planung neuer Autobahnen solle schnellstmöglich beendet werden, heißt es im Wahlprogramm. Während einer Fährfahrt von Glückstadt nach Wischhafen haben sich Grünen-Politiker aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein vor wenigen Tagen für einen Ausbau der Linie und die Einrichtung einer weiteren Verbindung von Cuxhaven nach Brunsbüttel ausgesprochen - als "sinnvolle Alternative zur A 20".

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