22.01.13

Vergewaltigte Frau abgewiesen

Bistum drang auf "Null Toleranz" bei "Pille danach"

Laut einem Medienbericht habe das Kölner Erzbistum den Kliniken das Verbot des Medikaments eingeschärft. Streitum Behandlung von Vergewaltigungsopfern

Foto: dpa
Heilig Geist-Krankenhaus
Das Gebäude des Heilig- Geist-Krankenhauses, es soll ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben

Köln. Das Erzbistum Köln hat katholischen Krankenhäusern einem Bericht zufolge bereits vor einem Jahr das strikte Verbot der "Pille danach" eingeschärft. Es gehe dabei um eine "Null-Toleranz-Grenze" für Schwangerschaftsabbrüche und "damit verbundene Tötungsdelikte", heißt es in einem Brief der Diözesanarbeitsgemeinschaft der katholischen Kliniken, aus dem der "Kölner Stadt-Anzeiger" zitiert. Alle Mitarbeiter müssten sich "so gemäß der Lehre der Kirche verhalten, dass das Zeugnis der Kirche für den Schutz des ungeborenen Lebens immer deutlich wird".

Hintergrund ist dem Bericht zufolge der "Test" einer Scheinpatientin, die im Oktober 2011 versucht habe, die "Pille danach" in mindestens vier katholischen Kliniken zu bekommen. Die Frau habe das Präparat, das nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne eine Schwangerschaft verhindern soll, zwar nirgends direkt erhalten. Notfallpraxen, die auf dem Gelände der Kliniken liegen und mit Kassenärzten besetzt sind, hätten es aber verschrieben.

Ein rechtsgerichteter Internet-Sender soll der Zeitung zufolge "in triumphierendem Gestus" darüber berichtet und eine mangelnde Identifikation von Klinikärzten mit der katholischen Morallehre angeprangert haben. Ein Informant aus dem Umfeld des inzwischen abgeschalteten extremistischen Internetportals "kreuz.net" habe laut einem Rundbrief des Kliniken-Dachverbands vom Februar 2012 die Kölner Bistumsleitung informiert, berichtet die Zeitung.

Eine vergewaltigte Frau war in zwei katholischen Kölner Kliniken abgewiesen worden, weil die Ärzte fürchteten, gegen kirchliche Normen zu verstoßen, wenn sie über die "Pille danach" aufklären. Richtlinien des Trägers erlauben zwar eine "Information" über das Präparat, aber keine empfehlende oder hinweisende "Beratung" oder gar die Abgabe oder Verschreibung. Der Fall hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Am Mittwoch befasst sich der Düsseldorfer Landtag mit den Vorgängen.

Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) hat Drohungen von Politikern zurückgewiesen. Im konkreten Kölner Fall seien Fehler gemacht worden, sagte KKVD-Geschäftsführer Thomas Vortkamp. Dennoch sei es lächerlich, dass "jetzt manche Gesundheitspolitiker meinen, katholische Kliniken in Gänze in Frage stellen zu müssen". Kirchliche Krankenhäuser hätten "das verfassungsrechtlich geschützte Recht, bestimmte medizinische Leistungen wie Abtreibungen nicht anbieten zu müssen".

Vortkamp reagierte auf Äußerungen von Gesundheitspolitikern von CDU, SPD und Grünen, die nach der Abweisung eines Vergewaltigungsopfers an zwei Kölner Kliniken gefordert hatten, dass katholische Krankenhäuser "vom Netz genommen werden" sollten. Der Geschäftsführer räumte ein, dass das Nein zu Abtreibungen negative Konsequenzen für die kirchlichen Häuser haben könne. In Potsdam sei beispielsweise vor Jahren die Übernahme einer kommunalen Klinik durch eine katholische Einrichtung gescheitert, weil sich das Land Brandenburg mit Blick auf Abtreibungen verpflichtet gesehen habe, den Versorgungsauftrag sicherzustellen.

Laut Vortkamp stehen die katholischen Kliniken in Deutschland in einem "enormen Spannungsfeld" zwischen kirchlichen Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Das zeige sich etwa bei Themen wie der "Pille danach", der Pille oder Fragen der Empfängnisverhütung. Die kirchlichen Häuser wollten deshalb auch das Gespräch mit den Bischöfen suchen, kündigte der Geschäftsführer an. Dabei müsse geklärt werden: "Kann man sich völlig abschotten, kann man alles mitmachen? Das sind schwierige ethische Fragen, die aber die einzelnen Krankenhäuser nicht allein lösen können."

An die Leitungen der katholischen Kliniken in Deutschland appellierte Vortkamp, bei ihren Mitarbeitern und insbesondere bei den Jüngeren "immer wieder ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was in den Einrichtungen zu leisten ist und was aus ethischen Gründen nicht gemacht wird."

Der KKVD vertritt bundesweit etwa 435 Kliniken in katholischer Trägerschaft mit etwa 98.000 Betten und an die 165.000 Beschäftigten. Bei den rund 2.000 Kliniken bundesweit ist jedes vierte Krankenhaus in katholischer Trägerschaft.

(epd/kna)
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