16.01.13

Bundeshaushalt

Schäuble präsentiert volle Staatskassen in der Krise

2012 gab es 2,2 Milliarden Euro Überschüsse im Gesamthaushalt. Aber in diesem Jahr wächst die Wirtschaft voraussichtlich kaum noch.

Foto: dapd
Schaeuble: Arbeiten an EU-Reform sollten 2014 beginnen
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden in "greifbarer Nähe"

Berlin. Der Bundesfinanzminister hätte einfach nur zufrieden, vielleicht sogar ein bisschen stolz sein können, denn die Zahlen klingen erfreulich: Der Bund hat im vergangenen Jahr nur 22,5 Milliarden Euro neue Schulden machen müssen - das waren fast zehn Milliarden Euro weniger als noch Mitte 2012 erwartet. Und erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 verzeichnet der gesamte Staatshaushalt sogar wieder ein leichtes Plus. Bund, Länder, Kommunen und die Sozialkassen nahmen 2,2 Milliarden Euro (0,1 Prozent) mehr ein, als sie ausgaben. Einen solchen Staatsüberschuss hatte es zuletzt vor fünf Jahren gegeben.

Doch Wolfgang Schäuble beließ es bei der Aussage, er sei "hocherfreut" - und konzentrierte sich darauf, alle Begehrlichkeiten, die solche Nachrichten in einem Wahljahr wecken könnten, im Keim zu ersticken: Das Ziel, möglichst schon 2014 einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden zu erreichen, sei in "greifbare Nähe gerückt", betonte Schäuble am Dienstag bei der Vorstellung des vorläufigen Haushaltsabschlusses 2012.

Hochrangige Vertreter seines Ministeriums warnten davor, den bisherigen Kurs zu lockern. Trotz der guten Zahlen für 2012 gebe es keinen Spielraum für neue Ausgabenprogramme. An der konservativen Ausgabenlinie und der wachstumsfreundlichen Konsolidierung müsse festgehalten werden, die Zügel dürften nicht gelockert werden. "Kurs halten, das ist das Gebot der Stunde", hieß es. Eine klare Absage an jede Form von Wahlgeschenken.

Der Fiskus profitierte von der robusten Konjunktur, steigenden Löhnen und Rekordbeschäftigung. Während andere Euro-Länder unter Rezession und Sparprogrammen ächzen, ist Deutschland somit weit entfernt von der Marke von 3,0 Prozent, die der Maastricht-Vertrag höchstens als Staatsdefizit erlaubt. 2011 hatte Deutschland noch mit einem gesamtstaatlichen Defizit von 0,8 Prozent abgeschlossen.

Rückendeckung erhielt Schäuble vom haushaltspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle. Die Koalition müsse weiter diszipliniert bei den Ausgaben sein und Mehreinnahmen oder geringere Ausgaben zum Abbau der Neuverschuldung nutzen, sagte der CDU-Politiker. Das Ergebnis des Etats 2012 sei "ein Ansporn, für 2014 einen Bundeshaushalt ohne strukturelles Defizit aufzustellen".

Und aus der Ferne sekundierte der künftige Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Der Oxforder Finanzwissenschafter Clemens Fuest warnte angesichts des Milliarden-Überschusses vor Selbstzufriedenheit. "So ein Überschuss kann auch sehr schnell wieder verschwinden." Volle Kassen hätten die Politik bislang immer dazu verführt, neue Ausgaben zu beschließen. Nun müsse sie die Chance zur Haushaltssanierung nutzen. "Sonst muss in zehn Jahren umso radikaler gespart werden", sagte der Ökonom.

Das Bundesfinanzministerium stimmte bereits auf ein Ende des Steuerbooms ein: Die Zeiten monatlich kräftig steigender Einnahmen neigten sich im Zuge der Konjunkturabkühlung dem Ende entgegen, das Dezember-Ergebnis zeige "schon leichte Bremsspuren gegenüber dem Vorjahr", hieß es.

Dieser eher pessimistische Ausblick wurde schon wenige Stunden später durch neue Wirtschaftsdaten bestätigt: Demnach hat die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr der Krise in Europa zwar getrotzt, das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 0,7 Prozent, berechnete das Statistische Bundesamt. Allerdings bremsen die Turbulenzen die größte Volkswirtschaft Europas. Im vierten Quartal 2012 sank das BIP nach Schätzung der Statistiker um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und damit so stark wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Nun steht auch Deutschland an der Schwelle zur Rezession. Sie gilt als gegeben, wenn die Wirtschaftskraft zwei Quartale in Folge sinkt. "Die Lage ist deutlich schlechter als die Stimmung", sagte Finanzwissenschaftler Fuest. "Die Euro-Krise ist noch lange nicht vorbei."

+++ Kommentar: Der Staat kassiert genug +++

In ihrem Jahreswirtschaftsbericht, den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an diesem Mittwoch vorstellen wird, nimmt die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr denn auch um mehr als die Hälfte zurück. Ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Die Zahl 0,4 Prozent ist richtig." Bislang war die Regierung von einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechne die Regierung aber wieder mit einem Wachstum von 1,6 Prozent, sagte der Ministeriumsvertreter.

Die Arbeitsmarktentwicklung wird nach Einschätzung der Regierung positiv bleiben. Im Jahresdurchschnitt sei eine Steigerung der Erwerbstätigenzahl um 15.000 zu erwarten, sagte der Ministeriumsvertreter. Damit bestätigte er einen Vorabbericht der "Bild"-Zeitung. Die Arbeitslosigkeit werde nur geringfügig um etwa 60.000 Personen steigen. Das "Handelsblatt" berichtet, die Regierung gehe bei ihrer Prognose davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Start im zweiten Halbjahr wieder deutlich schneller wachsen wird. Die Prognose beruhe allerdings auf der Annahme, dass es keine weiteren negativen Entwicklungen in der Schuldenkrise gebe.

(HA)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Das Restaurant „Strumhaube“ am Roten Kliff auf Sylt. Hier eskalierte Am Pfingstwochenede eine Party mit rund 3000 Gästen
21.05.13Restaurant Sturmhaube
"Ich kenn Peter" - Nobelparty auf Sylt endet in Schlägereien

Die Polizei musste mit allen verfügbaren Kräften in das Restaurant "Sturmhaube" am Roten Kliff anrücken. Nach einem Facebook-Aufruf waren 3000 Gäste gekommen. Es blieb nicht lange friedlich. mehr...

epa03710276 A man looks through debris for belongings in a home the day after a killer tornado hit in Moore, Oklahoma, USA 21 May 2013. The storm, estimated to contain winds up to 200 miles per hour (322 Kph), flattened homes and schools, killed dozens of people and injured many others 20 May 2013. A previous storm on 04 May 1999 in Moore caused similar damage and loss of life. EPA/ED ZURGA +++(c) dpa - Bildfunk+++
21.05.13US-Bundesstaat Oklahoma
Tornado hinterlässt Trümmerfeld und tötet 24 Menschen

Mit gigantischer Wucht fegt ein Tornado über eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Oklahoma. Viele Menschen sterben, unter ihnen Grundschulkinder. Präsident Obama spricht von einer historischen Katastroph… mehr...


Im Hamburger Hafen gilt jetzt ein Tempolimit
21.05.13Neue Regelung
Im Hamburger Hafen gilt jetzt Tempolimit von zehn Knoten

Laut Hafenbehörde HPA gilt die neue Regelung ab sofort. Bislang gab es im Hafengebiet nur eine verbindliche Höchstgeschwindigkeit für Sportboote von zwölf Knoten. mehr...


Die neue Spielekonsole Xbox One von Microsoft
21.05.13Internet und Videospiele
Microsoft stellt neue Spielekonsole Xbox One vor

Mit der neuen Version seiner Spielekonsole Xbox will Microsoft Fernsehen, Internet und Videospiele in einem einzigen Gerät bündeln. Die Xbox One soll für "eine neue Generation im Wohnzimmer" stehen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
USA
Barack Obama verspricht Hilfe für Tornado-Opfer

Einen Tag nach der Tornado-Katastrophe gingen in Moore im US-Bundesstaat Oklahoma die Aufräumarbeiten weiter. Präsident Barack Obama rief…mehr »

Top Bildergalerien mehr

Monster-Tornado in Oklahoma

Handball

HSV Hamburg schlägt die Füchse Berlin

Rothenburgsort

Reh vor dem Ertrinken gerettet

Fußball

HSV-Neuzugang Hakan Calhanoglu

Hamburg Guide mehr
Weitere Dienste alle Dienste
Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr