08.01.13

Syrien-Konflikt

Bundeswehr beginnt mit Patriot-Einsatz

Bundeswehr soll Türkei mit Raketen vor potenziellen Angriffen aus Syrien schützen. Verschiffung hat begonnen. Ersten Soldaten fliegen mit.

Von Annette Birschel und Eva-Maria Mester
Foto: dapd

Soldaten des deutschen Patriot-Vorkommandos steigen am Dienstag, 8. Januar, auf dem Militärflughafen Eindhoven (Niederlande) in eine niederländische Transportmaschine. Deutsche und niederländische Soldaten brachen am Dienstag zum Einsatz "Active Fence Turkey" von Eindhoven aus nach Adana in der Türkei auf. Verabschiedet wurde das rund zwei Dutzend Soldaten große Kontingent vom Befehlshaber des Einsatzfuehrungskommandos der Bundeswehr

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Lübeck-Travemünde. Die ersten Bundeswehrsoldaten sind zur Stationierung von "Patriot"-Abwehrraketen in die Türkei aufgebrochen. Ein Vorauskommando mit 20 deutschen und rund 30 niederländischen Kräften flog am Dienstag von Eindhoven in die südtürkische Stadt Adana ab. Gleichzeitig begann im Hafen von Lübeck-Travemünde die Verschiffung von rund 300 Fahrzeugen und 130 Containern mit militärischer Ausrüstung.

Zum Schutz des Nato-Partners Türkei vor Angriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien entsenden die Niederlande, Deutschland und die USA jeweils zwei Raketenabwehrstaffeln. Insgesamt werden bis zu 350 deutsche Soldaten rund 100 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt stationiert.

"Der Einsatz ist ein deutliches Signal für die Solidarität innerhalb der Nato", sagte der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, bei der Verabschiedung des Vorauskommandos in Eindhoven. "Wir haben die Solidarität der Nato im Kalten Krieg erfahren, und jetzt können wir diese auch der Türkei geben." Der niederländische General Leo Beulen betonte, dass es um einen rein defensiven Einsatz gehe. "Wir gehen dorthin, um die türkische Bevölkerung zu schützen und eine Eskalation des Konflikts zu verhindern."

Für die deutschen "Patriot"-Staffeln ist es nach zahlreichen Übungsmanövern der erste Einsatz. Die Ausrüstung, die mit einem dänischen Schiff ins Einsatzgebiet gebracht wird, soll am 21. Februar in der Türkei ankommen. In der kommenden Woche soll auch der größte Teil der deutschen Soldaten in die Türkei aufbrechen.

Der Bundestag hatte Mitte Dezember die Entsendung der Waffensysteme mit großer Mehrheit beschlossen. Das Mandat ist zunächst bis Februar 2014 begrenzt. Die Kosten beziffert die Bundesregierung auf etwa 25 Millionen Euro.

Die rein defensive Ausrichtung des Einsatzes war die Voraussetzung für eine deutsche Beteiligung. Die Reichweite der Raketen liegt bei 68 Kilometern. Damit können sie von ihrem künftigen Standort Kahramanmaras im Süden der Türkei das etwa 100 Kilometer entfernte Syrien nicht erreichen.

Bislang gab es aus Syrien noch keinen einzigen Raketen-Angriff auf die Türkei. Durch syrische Granaten wurden allerdings mehrere Menschen getötet. Die Türkei hatte daraufhin die Nato um Hilfe gebeten. Das Bundestagsmandat umfasst auch den Einsatz von deutschen Soldaten, die bei der Überwachung des türkischen Luftraums mit Awacs-Aufklärungsflugzeugen helfen.

"Patriot": Symbolische Hilfe für die Türkei

 Der Einsatz von "Patriot"-Raketen ist ein wichtiges Zeichen im Syrien-Konflikt. Türkisches Gebiet schützen können die deutschen Luftwaffensoldaten aber kaum. Denn der Bundeswehreinsatz findet auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Kahramanmaras gut 100 Kilometer im türkischen Hinterland statt. Angesichts der Bedrohungen und der Fähigkeiten, welche die deutschen und niederländischen Militärs nach Ost-Anatolien schicken, bleibt der Beitrag eher symbolisch.

Bei einer effektiven Kampfreichweite von maximal 45 Kilometern ist in Abfangen von Raketen oder Flugzeugen für die deutschen Soldaten erst lange nach Verletzung des türkischen Luftraums möglich. Auch die Radar-Systeme reichen vom Boden aus kaum bis an die Grenze heran. Die Hauptaufgabe wird damit den AWACS-Flugzeugen zur Luftraumüberwachungsflugzeugen zufallen.

 Die AWACS-Beteiligung ist vorsorglich Teil des neuen Mandats. Denn an Bord der im pfälzischen Spangdahlem startenden NATO-Flugzeuge sind auch deutsche Soldaten, und diese Flugzeuge tragen wesentlich zum Luftlagebild der Raketenstaffeln bei. Schließlich können sie – anders als die "Patriots" – tief in syrisches Gebiet blicken. Dies geschieht zum Teil aber auch schon jetzt im Rahmen der Mittelmeerflüge unter dem NATO-Mandat "Active Endevour", das erst Mitte der Woche durch das Parlament verlängert wurde.

Das Luftabwehrsystem "Patriot" gilt als eines der modernsten der Welt. Beim Einsatz gegen Kampfflugzeuge in mittleren und großen Höhen erzielen die Lenkflugkörper gute Abschussergebnisse. In den Golfkriegen mit dem Irak schossen amerikanische "Patriot"-Verbände auch die verhältnismäßig langsamen "Scud"-Mittelstreckenraketen von Saddam Hussein ab. Mit solchen Raketen hatte zuletzt auch das Assad-Regime vermutete Rebellenstellungen im Grenzgebiet beschossen.

 In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Dörfer entlang der Grenze Ziel von Granaten aus Mörsern oder Artilleriegeschützen. Diese erfolgreich abzufangen, ist mit einem Raketensystem eigentlich unmöglich. Die Artilleriegeschosse bewegen sich schnell, sie sind sehr klein und haben eine verhältnismäßig steile Flugbahn.

Für den Schutz gegen Artilleriebeschuss ist "Patriot" also nicht geeignet. Zwischen dem Granat-Abschuss und dem Auffassen durch die Radarsysteme liegen meist einige Sekunden, die gleiche Zeit verstreicht, bis das Lagebild am Radarschirm erkannt und ausgewertet wird. Bis eine Entscheidung getroffen wird, die Rakete zu starten, können noch einmal 20 bis 30 Sekunden verstreichen. Bei einem anfliegenden Flugzeug oder einer ballistischen Rakete mit gleichmäßiger Flugbahn reicht dies aus. In der gleichen Zeit aber sind Mörser oder Artilleriegranaten längst eingeschlagen.

 Zwar verfügt die Luftwaffe inzwischen mit dem hochmodernen Waffensystem "Mantis" über die Technik, auch diese Geschosse abzuwehren. Jedoch gibt es bislang nur fünf solcher Geschütztürme - also gerade mal genug für ein einziges Feldlager. Der Schutz der gut 900 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenze ist mit dieser Waffe weder möglich noch bezahlbar.  (dapd)

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