07.01.13

Syrienkonflikt

"Patriot"-Raketen auf dem Weg in die Türkei

Holländische Staffeln sollen am 22. Januar eintreffen. In Travemünde haben Vorbereitungen für Verschiffung deutscher Raketen begonnen.

Foto: dpa
Auf den Weg gebracht: Die Niederlande haben am Morgen damit begonnen, drei Patriot-Raketenabwehrstaffeln in die Türkei zu verlegen
Auf den Weg gebracht: Die Niederlande haben am Morgen damit begonnen, drei Patriot-Raketenabwehrstaffeln in die Türkei zu verlegen

Amsterdam. Die Niederlande haben am Montag mit der Verlegung von drei "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln in die Türkei begonnen. Gemeinsam mit Deutschland und den USA beteiligt sich das Land mit rund 300 Soldaten am Nato-Einsatz zum Schutz der Türkei vor möglichen Raketenangriffen aus Syrien.

Die "Patriots" werden von der Basis im südniederländischen Limburg nach Groningen im Norden transportiert und dort eingeschifft. Sie sollen am 22. Januar in der Türkei eintreffen. Es sei ein rein defensiver Einsatz, betonte der Kommandant der Streitkräfte, Tom Middendorp, an der Militärbasis Vredepeel. "Unser Beitrag bedeutet nicht, dass wir uns in den Konflikt in Syrien einmischen."

Auch die Bundeswehr hatte am Wochenende mit der Verlegung zweier Staffeln begonnen. Sie werden in Kahramanmaras stationiert, etwa 100 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt.

Am Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde haben am Montag die Vorbereitungen für die Verschiffung von "Patriot"-Flugabwehrraketen in die Türkei begonnen. Auf dem umzäunten Hafengelände überprüften Soldaten des Logistikbataillons 161 nach Angaben eines Bundeswehrsprechers noch einmal die rund 300 Fahrzeuge und 130 Container. Sie sollen am Dienstag auf die dänische Fähre "Suecia Seaways" verladen werden. Das Schiff werde am Dienstagmorgen in Travemünde erwartet, sagte der Sprecher. Die Raketensysteme aus den Standorten Sanitz und Warbelow in Mecklenburg-Vorpommern waren am Sonntag auf dem umzäunten Hafengelände eingetroffen

"Patriot": Symbolische Hilfe für die Türkei

 Der Einsatz von "Patriot"-Raketen ist ein wichtiges Zeichen im Syrien-Konflikt. Türkisches Gebiet schützen können die deutschen Luftwaffensoldaten aber kaum. Denn der Bundeswehreinsatz findet auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Kahramanmaras gut 100 Kilometer im türkischen Hinterland statt. Angesichts der Bedrohungen und der Fähigkeiten, welche die deutschen und niederländischen Militärs nach Ost-Anatolien schicken, bleibt der Beitrag eher symbolisch.

Bei einer effektiven Kampfreichweite von maximal 45 Kilometern ist in Abfangen von Raketen oder Flugzeugen für die deutschen Soldaten erst lange nach Verletzung des türkischen Luftraums möglich. Auch die Radar-Systeme reichen vom Boden aus kaum bis an die Grenze heran. Die Hauptaufgabe wird damit den AWACS-Flugzeugen zur Luftraumüberwachungsflugzeugen zufallen.

 Die AWACS-Beteiligung ist vorsorglich Teil des neuen Mandats. Denn an Bord der im pfälzischen Spangdahlem startenden NATO-Flugzeuge sind auch deutsche Soldaten, und diese Flugzeuge tragen wesentlich zum Luftlagebild der Raketenstaffeln bei. Schließlich können sie – anders als die "Patriots" – tief in syrisches Gebiet blicken. Dies geschieht zum Teil aber auch schon jetzt im Rahmen der Mittelmeerflüge unter dem NATO-Mandat "Active Endevour", das erst Mitte der Woche durch das Parlament verlängert wurde.

Das Luftabwehrsystem "Patriot" gilt als eines der modernsten der Welt. Beim Einsatz gegen Kampfflugzeuge in mittleren und großen Höhen erzielen die Lenkflugkörper gute Abschussergebnisse. In den Golfkriegen mit dem Irak schossen amerikanische "Patriot"-Verbände auch die verhältnismäßig langsamen "Scud"-Mittelstreckenraketen von Saddam Hussein ab. Mit solchen Raketen hatte zuletzt auch das Assad-Regime vermutete Rebellenstellungen im Grenzgebiet beschossen.

 In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Dörfer entlang der Grenze Ziel von Granaten aus Mörsern oder Artilleriegeschützen. Diese erfolgreich abzufangen, ist mit einem Raketensystem eigentlich unmöglich. Die Artilleriegeschosse bewegen sich schnell, sie sind sehr klein und haben eine verhältnismäßig steile Flugbahn.

Für den Schutz gegen Artilleriebeschuss ist "Patriot" also nicht geeignet. Zwischen dem Granat-Abschuss und dem Auffassen durch die Radarsysteme liegen meist einige Sekunden, die gleiche Zeit verstreicht, bis das Lagebild am Radarschirm erkannt und ausgewertet wird. Bis eine Entscheidung getroffen wird, die Rakete zu starten, können noch einmal 20 bis 30 Sekunden verstreichen. Bei einem anfliegenden Flugzeug oder einer ballistischen Rakete mit gleichmäßiger Flugbahn reicht dies aus. In der gleichen Zeit aber sind Mörser oder Artilleriegranaten längst eingeschlagen.

 Zwar verfügt die Luftwaffe inzwischen mit dem hochmodernen Waffensystem "Mantis" über die Technik, auch diese Geschosse abzuwehren. Jedoch gibt es bislang nur fünf solcher Geschütztürme - also gerade mal genug für ein einziges Feldlager. Der Schutz der gut 900 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenze ist mit dieser Waffe weder möglich noch bezahlbar.  (dapd)

(dpa/abendblatt.de)
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