14.12.12

Studie

Schlechte Noten für Deutschland bei Geschlechtergleichheit

Rentengefälle zwischen Mann und Frau so hoch wie nirgendwo in der OECD. Auch bei Gehaltsgefälle liegt Deutschland weit hinten.

Foto: pa/dpa/Lehtikuva
Symbolfoto: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? In Deutschland verdienen Männer und Frauen für die gleiche Arbeit noch immer weniger

Paris. Deutschland hat in einer OECD-Studie zur Geschlechtergleichheit schlecht abgeschnitten. So ist Deutschland, was das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen angeht, unter allen 34 OECD-Ländern auf dem drittschlechtesten Platz. Für mittlere Einkommen liegt die Gehaltslücke bei 22 Prozent, wie aus der am Freitag veröffentlichten Studie "Gleichstellung der Geschlechter" hervorgeht. Im OECD-Durchschnitt beträgt das Lohngefälle nur 16 Prozent.

Mehr als die Hälfte des Unterschieds sei auf Teilzeitarbeit zurückzuführen, sagte die Leiterin der Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. In Deutschland arbeiten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren in Teilzeit, im Nachbarland Frankreich sind es nur 26 Prozent. Einen Ausweg aus der hohen Teilzeitquote sieht Queisser in "guter und bezahlbarer Kinderbetreuung".

Noch schlechter als bei den Gehaltsunterschieden schneidet Deutschland beim geschlechterbedingten Rentengefälle ab: dort belegt es unter allen OECD-Ländern den unrühmlichen Spitzenplatz mit dem größten Unterschied zwischen Männern und Frauen. Die Rentenlücke sei auch ein wesentlicher Grund dafür, dass zehn Prozent der Frauen in Altersarmut leben, bemerkt die in Paris ansässige Organisation.

Was Frauen in Spitzenpositionen angeht, liegt Deutschland auf dem letzten Platz noch hinter Japan. Weniger als sechs Prozent der Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder in börsennotierten Unternehmen sind Frauen. "Die gläserne Decke existiert auch in Deutschland", kommentierte Queisser die Zahlen. Spitzenreiter bei den weiblichen Führungskräften ist Norwegen, wo 2003 eine Frauenquote eingeführt wurde.

In ihren Schlussfolgerungen würdigte die OECD Maßnahmen wie Elterngeld und Vätermonate, die in Deutschland zur Gleichstellung beitragen. "Deutschland ist da auf dem richtigen Weg", sagte Queisser.

Frauenquoten in anderen Ländern
Gleichberechtigung in den Chefetagen
In Deutschland wird es nach dem deutlichen Nein von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorerst keine gesetzlich verpflichtende Frauenquote für die Chefetagen der Wirtschaft geben. Die Unternehmen sollen zunächst die Chance erhalten, ohne Zwang den Frauenanteil zu erhöhen. Ein späteres gesetzliches Handeln ist damit allerdings nicht ausgeschlossen. In einigen EU-Ländern existieren bereits solche Vorgaben für große Firmen. Ein Überblick.
Norwegen: Norwegen ist das erste Land in Europa, das mit einer Zwangsquote versucht hat, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen. Schon 2003 wurde eine Quote festgelegt. Das Gesetz dazu trat 2006 in Kraft. Die Schonfrist für die Firmen lief endgültig Ende 2007 aus. In Norwegen ist Pflicht, dass 40 Prozent der Aufsichtsratsmandate in einem Unternehmen von Frauen besetzt sind. Als Folge wuchs der Anteil weiblicher Mitglieder in diesen Gremien von 25 Prozent im Jahr 2004 auf 36 Prozent 2006 und auf 42 Prozent 2009. Laut Regierung schlug der Effekt auch auf kleinere Firmen über, für die die Quote eigentlich nicht gilt.
Frankreich: Das französische Parlament billigte Mitte Januar ein Gesetz, wonach Großunternehmen binnen sechs Jahren mindestens 40 Prozent der Posten in den Vorstandsetagen für Frauen frei halten müssen. Davor gilt für eine Übergangszeit von drei Jahren eine Mindestquote von 20 Prozent. Das Gesetz betrifft alle Firmen, die börsennotiert sind oder mehr als 500 Beschäftigte haben beziehungsweise mehr als 50 Millionen Euro Umsatz machen.
Spanien: In Spanien gilt seit 2007 eine Regelung, wonach börsennotierte Unternehmen und andere Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern in Vorstandsetagen denselben Anteil der Geschlechter anstreben müssen. Als Zielmarke gilt eine Quote von mindestens 40 Prozent innerhalb von acht Jahren – also bis 2015. Als Anreiz sollen Firmen, die die Kriterien erfüllen, bei der Vergabe staatlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden.
Island: Island verabschiedete im März vergangenen Jahres ein Gesetz, wonach bis September 2013 der Anteil beider Geschlechter in den Führungsgremien von Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern mindestens 40 Prozent betragen muss.
Planungen in anderen EU-Ländern: In anderen EU-Staaten werden gesetzliche Regelungen vorbereitet – so etwa in Italien, Schweden, Belgien und den Niederlanden. Italien erwägt, dass Frauen in börsennotierten oder staatlichen Unternehmen mindestens ein Drittel der Mitglieder der Führungsspitze ausmachen müssen.
EU: Auf der Ebene der EU-Kommission wird ein "Zwei-Phasen-Ansatz" diskutiert. Justizkommissarin Viviane Reding kündigte an, falls bis Ende 2011 keine glaubwürdige Selbstregulierung gelinge, solle in einem zweiten Schritt ein Rechtsinstrument zur Einführung von Frauenquoten in Aufsichtsräten auf den Weg gebracht werden. Bis 2015 sollten 15 Prozent und bis 2010 40 Prozent der Gremien börsennotierter Unternehmen im europäischen Binnenmarkt weiblich sein.
Quelle: rtr
(dapd/abendblatt.de)
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