22.11.12

Energiewende Grüne kritisieren Entlastung der Unternehmen

Christian Unger
Grüne kritisieren Erhöhung der Ökostrom-Umlage

Foto: dpa

Grüne kritisieren Erhöhung der Ökostrom-Umlage

Insgesamt zehn Großunternehmen in Hamburg werden bisher vom Netzentgelt befreit. Auch bei Dienstleistern Befreiung bewilligt.

Hamburg. Auf den Tischen der Bundesnetzagentur liegen mehr als 3000 Anträge: Unternehmen, die sich befreien lassen wollen vom Netzentgelt, energieintensive Konzerne, die sich Rabatte sichern wollen bei der Gebühr für den Ausbau der Stromnetze. 1000 Anträge sind bereits bewilligt - darunter auch Hamburger Firmen.

Insgesamt 33 Millionen Euro sparen Großunternehmen jährlich in der Hansestadt, zehn Firmen wurde die Befreiung vom Netzentgelt genehmigt, darunter die Metallriesen Trimet Aluminium und Aurubis. Der Elektronikhersteller NXP Semiconductors wird um 1,3 Millionen Euro entlastet, Linde Gas auf Finkenwerder um 1,1 Millionen Euro. Auch das Deutsche Klimazentrum, die H&R Ölwerke Schindler, die Sasol Wax und Delfi Cocoa sparen künftig mehrere Hunderttausend Euro im Jahr.

2011 hatte die Regierung von Union und FDP die Netzentgeltbefreiung als Subvention für die deutsche Schwerindustrie beschlossen. Das stärke die Wirtschaft und sichere Arbeitsplätze. Energieintensive Unternehmen seien unter anderem der Grund für die Ansiedlung weiterer Unternehmen, so das Bundeswirtschaftsministerium.

Wer nicht profitiert, sind die Verbraucher und Kleinbetriebe. Für die Entlastung stromintensiver Betriebe vom Netzentgelt müsse ein Musterhaushalt im kommenden Jahr etwa sechs Euro mehr zahlen als im laufenden Jahr, sagte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur.

Die Grünen kritisieren die Entlastung der Unternehmen durch die Bundesregierung. "1500 weitere Firmen haben bereits Anträge gestellt und warten darauf, dass die privaten Haushalte für sie mitbezahlen", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, dem Hamburger Abendblatt. Doch darunter fallen nicht nur Firmen im Bereich der Schwerindustrie - sondern auch Dienstleister: Golfplätze, die Deutsche Börse in Frankfurt oder mehr als 100 industrielle Mastbetriebe seien darunter. Die Einzelhandelskette Aldi, Allianz Versicherung, der Internetanbieter 1&1 oder Pharmaunternehmen seien bereits vom Netzentgelt befreit.

In Hamburg haben auch Firmen wie die Modekette Hennes & Mauritz einen Rabatt auf die Gebühr beantragt - da sie Strom auch außerhalb der Stoßzeiten verbrauchen. Der Bund fördert dies zum Ausgleich der Netzspannung.

Die Befreiung von den Netzentgelten müsse schleunigst wieder rückgängig gemacht werden, hob Höhn hervor.

Schon jetzt kommt auf die deutschen Haushalte eine deutliche Erhöhung der Strompreise zum Jahreswechsel zu - vor allem durch Vattenfall. In Hamburg erhöht das Unternehmen seine Tarife um rund 13 Prozent, E.on in Thüringen ebenfalls um 13 Prozent. EnBW verlangt in Baden-Württemberg knapp elf Prozent mehr. Die Strompreise steigen in ganz Deutschland so stark wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten.