08.11.12

Kosten im Haushalt

Kostenfalle Stromrechnung: Energieberater können helfen

Wer die Spartipps befolgt, kann mehrere Hundert Euro sparen. Nicht nur bei Energiefressern, auch bei Stromschulden können Berater helfen.

Foto: pa/chromorange
Die Stromrechnung wird in immer mehr deutschen Haushalten zur Kostenfalle
Die Stromrechnung wird in immer mehr deutschen Haushalten zur Kostenfalle

Nürnberg. Manchmal reicht es, ein paar Möbel zu verrücken, hin und wieder muss auch schon mal ein Handwerker ran - der Effekt ist in den meisten Fällen verblüffend. Wer Uwe Meißners Energie-Spartipps befolgt, der kann im Jahr schon mal mehrere hundert Euro sparen. Menschen, die der Nürnberger Architekt berät, können das Geld gut gebrauchen. Die von Meißner beratenen Haushalte müssen in der Regel von Hartz IV leben; steigende Strom- und Gaspreise werden für immer mehr von ihnen zur Kostenfalle. "Ich bin für Viele der letzte Abzweig vor dem Notaufprall", beschreibt der Energieberater seine Aufgabe, für die ihn das Sozialamt der Stadt Nürnberg regelmäßig engagiert.

"Notaufprall" – das ist für Meißner in der Regel eine Stromsperre des örtlichen Energieversorgers. Die Folgen sind für die Betroffenen fatal: keine Heizung, keine Warmwasser, kein warmes Essen. Um das künftig zu verhindern hat das städtische Sozialamt bereits im Jahre 2008 das "Energie-Spar-Projekt" (ESP) gestartet – und damit längst umgesetzt, was die Bundesregierung erst unlängst gefordert hatte. Inzwischen gehen auf das Konto der sechs Energieberater und zwei Fachdolmetscher gut 2700 Beratungen; 1500 Nürnberger Haushalte sparen seitdem im Schnitt pro Jahr 250 Euro Energiekosten – 120 Euro Strom- und 130 Euro Heizkosten, berichtet der stellvertretende Sozialamtsleiter Georg Hopfengärtner.

Seit 2004 sind nach Hopfengärtners Angaben in Nürnberg zwischen 7000 bis 9000 Haushalte von Stromsperren des örtlichen Energieversorgers N-Ergie betroffen – die meisten von ihnen Hartz-IV-Empfänger. Den stellvertretenden Behördenchef wundert die Entwicklung nicht: In den vergangenen fünf Jahren stiegen in Nürnberg allein die Erdgaspreise jährlich um 7,3 Prozent, die von Heizöl sogar um 9,1 Prozent, die von Fernwärme um 3,3 und die von Strom um 3,2 Prozent. "Bei weiterem Anstieg der Stromkosten sinkt der verbleibende Beitrag für die Lebenshaltungskosten weiter. Das verstärkt die Gefahr, das Menschen unter die Armutsgrenze rutschen", warnt Hopfengärtner.

Für die Stadt Nürnberg ist der Einsatz der Energieberater freilich mehr als eine karitative Aufgabe. Da die Kommune neben der Miete auch für die Heizkosten von Hartz-IV-Empfängern aufkommen muss, hat sie ein Interesse daran, dass die Heizkosten nicht ins Uferlose steigen. Von dem Energie-Spar-Projekt profitiert auch der Energieversorger N-Ergie: Ist damit doch eine Art Clearingstelle zwischen der N-Ergie und sozial schwachen Haushalten geschaffen worden. Die Energieberater handeln Ratenzahlungen aus, vereinbaren preisgünstigere Stromtarife und helfen bei der Anschaffung energieeffizienterer Haushaltsgeräte oder Heizungen. Die N-Ergie unterstützt das Projekt jährlich mit 50 000 Euro.

Längst sind die Energieberater auch zum Scharnier zwischen Hartz-IV-Empfängern und Jobcentern geworden. "Wenn wir feststellen, dass die Wohnung eines Klienten schlecht gedämpft ist oder ungünstig liegt, dann schlagen wir dem Jobcenter auch mal eine höhere Heizkostenpauschale vor". Bei extrem hohen Heizkosten bringen Meißner und seine Kollegen aber auch schon mal einen Umzug ins Gespräch. Ansonsten ist für sie Diskretion oberstes Gebot. Familien, so sagt Meißner, könnten sich darauf verlassen, dass sie deren Lebensverhältnisse absolut vertraulich behandelten.

Die Ursachen für die oftmals hohen Energiekosten ähneln sich nach Meißners Erfahrung. Meist geht es ihm wie bei der vierköpfigen Familie, die in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebt: "Denen musste ich erstmal die Heizungssteuerung ihrer Gasttherme erklären", berichtet Meißner. Seitdem die Familie auf seinen Rat hin die Raumtemperatur flexibler reguliert, Türen und Fenster abgedichtet hat, die Gastherme warten und die Heizkörper entlüften ließ, spart sie im Jahr 30 Prozent Energie. Zu den großen Energiefressern gehören nach Meißners Erfahrung auch Nachtspeicher-Öfen und Durchlauferhitzer. Und: "Durchlauferhitzer haben einen Verbrauch von rund 24 Kilowattstunden. Damit kann ich eine 600-Watt-Birne 400 Stunden lang brennen lassen."

Hintergrund: Windenergie in Deutschland

In Deutschland drehen sich bisher rund 22 660 Windräder – die meisten davon in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg.

Die installierte Gesamtleistung liegt bereits bei 30.000 Megawatt, das entspricht der Leistung von mehr als 20 Atomkraftwerken, aber Windstrom ist nicht ständig verfügbar.

Wind steuerte im ersten Halbjahr bereits rund neun Prozent des deutschen Stroms bei.

In Nord- und Ostsee sollen bis zum Jahr 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt entstehen, aber die Pläne hinken mangels Anschlüssen dem Zeitplan stark hinterher. Bisher sind hier erst rund 200 Megawatt an Leistung installiert.

Trotzdem warnt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) vor einem zu schnellen und starken Ausbau gerade an Land, da heute schon Netze fehlen und Windparks zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Auch nicht produzierter Strom muss über den Strompreis vergütet werden.

Nach Angaben von Altmaier liegen die Länderplanungen 60 Prozent über dem Bedarf. Beim Wind gibt es an Land und auf See bis zum Jahr 2022 Vorhaben für 87 400 Megawatt, die Regierung plant aber nur mit 52 000 bis 55 000 Megawatt – sie hofft mittelfristig auf Speicher für überschüssigen Windstrom, damit die Ausbaukosten nicht aus dem Ruder laufen.

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