15.10.12

Strompreise

Merkel mahnt bei Energiewende zur Geschlossenheit

Die Bundeskanzlerin fordert angesichts steigender Strompreise Zusammenarbeit von Union und FDP. Regionalkonferenz in Potsdam.

Foto: DPA
CDU Regionalkonferenz
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht in Potsdam auf der CDU-Regionalkonferenz. Die CDU-Landesverbände von Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen Anhalts berieten in Vorbereitung des CDU-Bundesparteitages

Potsdam. Kanzlerin Angela Merkel hat mit einem Machtwort in den koalitionsinternen Streit über die Energiewende eingegriffen. Die anstehende Erhöhung der Strompreise gebe Anlass zum Handeln, sagte die CDU-Vorsitzende am Montag auf der dritten CDU-Regionalkonferenz in Potsdam. Dabei nütze aber gar nichts, "wenn wir uns in der Regierung gegeneinanderstellen, sondern da müssen wir gemeinsam eine Lösung finden".

Merkel reagierte damit vor allem auf Forderungen des Koalitionspartners FDP, der radikale und rasche Änderungen der Ökostromförderung anmahnt und eine schnelle Überarbeitung des Gesetzes zur Förderung der erneuerbaren Energien fordert. Aber auch in den eigenen Reihen gibt es Kritik, unter anderem vom Wirtschaftsrat der CDU. Merkel sagte, es müsse überlegt werden, wie die erneuerbaren Energien in Zukunft so ausgebaut werden könnten, "dass der Strompreis trotzdem so bleibt, dass Menschen ihn bezahlen können und dass Produktion weiter in Deutschland stattfindet und nicht abwandert".

Die deutschen Verbraucher müssen im Zuge der Energiewende auch 2013 mit kräftigen Preiserhöhungen beim Strom rechnen. Die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird für das kommende Jahr um fast 50 Prozent auf den Rekordwert von rund 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigen, wie die Betreiber der deutschen Stromübertragungsnetze in Berlin mitteilten. Für 2012 hatte die Abgabe für Ökostrom bei knapp 3,6 Cent gelegen. Die FDP macht die Umlage für die Steigerung mitverantwortlich und fordert einen Kurswechsel.

Die CDU-Chefin bekräftigte ihre Forderung nach einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Union. Es müsse wieder Wachstum geschaffen werden, sagte sie. Das gehe aber nicht per Gesetz, "sondern Wachstum muss erarbeitet werden". Die einzelnen Mitgliedstaaten müssten ihre Hausaufgaben erst einmal alleine machen, "damit es Europa als Ganzes morgen wieder gut geht."

Merkel widersprach Einschätzungen, Deutschland würde im Alleingang besser vorankommen. 60 Prozent der deutschen Exporte gingen in die EU, Deutschland habe von der Gemeinschaftswährung gewaltig profitiert, sagte sie. Der Euro sei mehr als eine Währung. Er sei auch ein Versprechen, in Europa etwas zustande zu bringen und näher zusammenzurücken.

Die Kanzlerin brach erneut eine Lanze für das Betreuungsgeld. Familien müsse der Spielraum gelassen werden, "sich zu entscheiden, wie sie leben wollen". Deshalb werde es zur Verabschiedung des Betreuungsgeldes kommen.

Merkel sprach auf der dritten von sechs Regionalkonferenzen, die die CDU vor ihrem Bundesparteitag Anfang Dezember abhält. Die Parteivorsitzende sprach den Angaben zufolge vor rund 800 Teilnehmer. Angemeldet hatten sich vor allem Vertreter der CDU-Landesverbände Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Weitere Regionalkonferenzen sind in Schwerin (29. Oktober), Bad Fallingbostel (5. November) und Ludwigshafen (13. November) geplant.

Hintergrund: Windenergie in Deutschland

In Deutschland drehen sich bisher rund 22 660 Windräder – die meisten davon in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg.

Die installierte Gesamtleistung liegt bereits bei 30.000 Megawatt, das entspricht der Leistung von mehr als 20 Atomkraftwerken, aber Windstrom ist nicht ständig verfügbar.

Wind steuerte im ersten Halbjahr bereits rund neun Prozent des deutschen Stroms bei.

In Nord- und Ostsee sollen bis zum Jahr 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt entstehen, aber die Pläne hinken mangels Anschlüssen dem Zeitplan stark hinterher. Bisher sind hier erst rund 200 Megawatt an Leistung installiert.

Trotzdem warnt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) vor einem zu schnellen und starken Ausbau gerade an Land, da heute schon Netze fehlen und Windparks zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Auch nicht produzierter Strom muss über den Strompreis vergütet werden.

Nach Angaben von Altmaier liegen die Länderplanungen 60 Prozent über dem Bedarf. Beim Wind gibt es an Land und auf See bis zum Jahr 2022 Vorhaben für 87 400 Megawatt, die Regierung plant aber nur mit 52 000 bis 55 000 Megawatt – sie hofft mittelfristig auf Speicher für überschüssigen Windstrom, damit die Ausbaukosten nicht aus dem Ruder laufen.

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