Energie

Hamburgs Fernwärme soll billiger werden

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Das Kartellamt zwingt nach einer Anzeige der Verbraucherzentrale Hamburg den Konzern Vattenfall zur Öffnung der Netze.

Hamburg. Der Hamburger Energieversorger Vattenfall muss seine Fernwärmenetze für alle Wettbewerber öffnen. Das hat das Bundeskartellamt entschieden. Anlass war eine Anzeige der Verbraucherzentrale Hamburg wegen Wettbewerbs- und Kartellrechtsverstößen. Der Vattenfall Europe Wärme AG wurde vorgeworfen, ihr Fernwärmenetz gegen Konkurrenten unrechtmäßig abzuschotten.

Nach der Kartellamtsentscheidung hat ab sofort jedes wärmeerzeugende Unternehmen das Recht, diese Wärme in das bestehende Fernwärmenetz einzuleiten. Bei Strom und Gas ist dies schon längst gang und gäbe. Laut Bundesnetzagentur kann die Konkurrenz zu günstigeren Preisen für den Verbraucher führen.

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In der Antwort des Bundeskartellamts an die Hamburger Verbraucherzentrale heißt es: "Jedes wärmeerzeugende Unternehmen im Netzbereich hat gegenüber Vattenfall den Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zum Fernwärmenetz und Durchleitung der erzeugten Wärme an Abnehmer." Wie bei Strom und Gas sei "dafür ein angemessenes Entgelt" an den Netzbetreiber zu zahlen. Bisher hatte Vattenfall nur aus seinen eigenen Kraftwerken Wärme ins Hamburger Netz eingespeist. Zurzeit versorgt das schwedische Unternehmen rund 415.000 Wohneinheiten in Hamburg. Auch in Berlin besitzt der schwedische Staatskonzern eine Alleinstellung bei der Fernwärmeversorgung. In den meisten anderen deutschen Kommunen liegt das Monopol bei den örtlichen Stadtwerken.

Die Hamburger Verbraucherzentrale nannte den Beschluss des Kartellamts einen "Sprengsatz für den verkrusteten Fernwärmemarkt" und einen "großen Erfolg für die Verbraucher". Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, sagte, er erhoffe sich durch die Entscheidung vor allem günstigere Preise. "Mehr Wettbewerb drückt die Preise und sorgt für eine bessere Nutzung des Netzes als Wärmespeicher im Sinne der Energiewende." Auch Vattenfall-Konkurrent Lichtblick spricht von einer "richtigen und guten Entscheidung". Das Unternehmen will nun prüfen, ob es künftig in die Fernwärmeversorgung einsteigt. "Das ist eine klare Option für uns", sagte Sprecher Ralph Kampwirth. Bisher sei das Unternehmen nicht davon ausgegangen, Zugang zum Fernwärmenetz zu bekommen. "Wegen des Monopols stellte sich die Frage nicht. Jetzt könnte sich ein ganz neues Geschäftsfeld für uns eröffnen", so Kampwirth.

Vattenfall selbst äußerte sich gestern nicht zum Thema Netzöffnung. Der Konzern wehrte sich aber gegen Vorwürfe des Preismissbrauchs.

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