Prozess

Überlebender schildert Gräuel von Sobibor

München. Im Münchner Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk hat gestern ein Überlebender des NS-Vernichtungslagers Sobibor ausgesagt. Der Zeuge Thomas Blatt (82) beschrieb die in Sobibor als KZ-Wächter eingesetzten ukrainischen Kriegsgefangenen - die sogenannten Trawniki - als schlimmer als die SS, weil sie sich mit den Nazis gut stellen wollten. "Sie waren das wichtigste Personal in Sobibor." Ohne sie hätte "die Todesfabrik" nicht arbeiten können. Blatt sagte, in seinen Träumen sei er noch bis heute Gefangener in Sobibor. "Ich komme nicht weg. Das ist mein Preis, dass ich noch lebe." Eine Erinnerung an Demjanjuk als Wächter habe er aber nicht, räumte er ein.

Der heute in den USA lebende Blatt ist zusammen mit dem Sobibor-Überlebenden Philip Bialowitz für drei Tage als Zeuge geladen, um dem Gericht Auskunft über die Zustände in dem NS-Vernichtungslager zu geben. Dort soll der heute 89-jährige Demjanjuk 1943 für ein halbes Jahr als Kriegsgefangener Wächter gewesen und sich in der Zeit der Beihilfe zum Mord in 27 900 Fällen schuldig gemacht haben. Wie seit Prozessbeginn im November folgte Demjanjuk auch den Ausführungen des Zeugen regungslos; er lag auf einem Krankenbett im Gerichtssaal.

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