28.01.13

Krieg

Vormarsch in Mali: Timbuktu unter alliierter Kontrolle

Den Truppen aus Frankreich und Mali gelingt in Afrika ein schneller Vormarsch. Nach Gao ist wohl auch Timbuktu unter ihrer Kontrolle.

Foto: AFP
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Französische und malische Soldaten haben beim Mali-Einsatz die Wüstenstadt Timbuktu eingenommen

Bamako/Kapstadt. Militärischer Erfolg und zerstörtes Kulturgut: Französische und malische Soldaten haben beim Mali-Einsatz die Wüstenstadt Timbuktu eingenommen. Dort fiel eine Bibliothek mit wertvollen historischen Manuskripten der Zerstörungswut von Islamisten zum Opfer. Während des Vormarschs der Alliierten hätten die Rebellen das Gebäude des Instituts Ahmed Baba angezündet, sagte Bürgermeister Hallé Ousmane Cissé der Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf einen Stadtvertreter. "Das ist eine Katastrophe für Timbuktu und die ganze Menschheit."

Nach der strategisch wichtigen Stadt Gao ist Timbuktu ein weiterer Erfolg für die Streitkräfte. Die Regierungen Frankreichs und Malis teilten mit, Timbuktu sei seit der Nacht zum Montag unter der Kontrolle ihrer Soldaten. Sie stießen dabei nach eigenen Angaben auf keinen nennenswerten Widerstand der Islamisten. Es sei beim Einmarsch lediglich zu einen Schusswechsel mit Rebellen gekommen, sagte der malische Militärsprecher, Oberstleutnant Souleymane Dembele, am Montag. Malische Militärs durchkämmten die Stadt, weil Rebellen in Häusern von Zivilisten vermutet würden.

Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) war am Montag die Lage in Mali ein Hauptthema. Mit Spannung wird die für Dienstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geplante Geberkonferenz für Mali erwartet. Dabei wollen die afrikanischen Länder und rund 60 Partner die Mittel für den geplanten afrikanisch geführten Militäreinsatz (Afisma) in dem Krisenland aufbringen.

Westerwelle fordert politische Lösung

Die Europäische Union werde sich mit 50 Millionen Euro an der Mission beteiligen, sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs der Nachrichtenagentur dpa am Rande des Gipfels. Mit dem Geld würden jedoch keine Waffen gekauft, sondern Nebenkosten zum Beispiel für Transport und medizinische Hilfe bezahlt. Die Afrikanische Union selbst will 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) beisteuern, hieß es in einer Mitteilung. Welche Summe insgesamt für die Finanzierung der Afisma gebraucht wird, ist unklar. "Die bisher genannte Summe von rund 400 Millionen Dollar (297 Millionen Euro) scheint aber realistisch", sagte Piebalgs.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Ban forderte die Truppen in Mali auf, die Menschenrechte der Zivilbevölkerung unbedingt zu respektieren. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen seitens der malischen Armee gegeben. Die Offensive nannte er aber "unvermeidlich". Menschenleben seien akut bedroht gewesen. "Wenn Menschenrechte verletzt werden, dann müssen die Vereinten Nationen manchmal Partei ergreifen."

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte für Mali erneut eine politische Lösung. "Langfristig kann es nur eine politische Lösung geben." Zugleich kündigte er deutsche Finanzhilfe für die geplante afrikanische Schutztruppe an.

Kein Widerstand in Gao

Der schnelle Vormarsch der Alliierten im Norden Malis ist auch dem Zurückweichen der Islamisten zu verdanken. "Wir sind in Gao auf keinen Widerstand gestoßen; die bewaffneten Gruppen hatten die Stadt bereits verlassen", sagte der malische Oberst Didier Dakouo am Montag im Radio.

Timbuktu liegt rund 700 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako. Neben drei großen Moscheen gibt es in der historischen Wüstenstadt mit 55 000 Einwohnern jahrhundertealte Friedhöfe und Mausoleen. Seit 1988 zählen sie zum Weltkulturerbe der Unesco. 2012 zerstörten die Islamisten jedoch mehrere geschützte Heiligengräber in der Altstadt.

(dpa/abendblatt.de)
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