28.01.13

Mali

Islamisten zerstören antike Bibliothek in Timbuktu

Malische und französische Truppen haben die historische Wüstenstadt eingenommen. Vor ihrer Flucht zündeten Islamisten die Bibliothek an.

Foto: picture alliance / abaca / Jean Marie Hosatte
Manuskripte von Timbuktu in Gefahr
Ein Mann aus Timbuktu mit antiken Manuskripten

Bamako/Kapstadt. Die Alliierten erringen erneut einen wichtigen Erfolg im Kampf gegen Islamisten in Mali: Nach der strategisch wichtigen Stadt Gao haben die Truppen Malis und Frankreichs nun auch die historische Wüstenstadt und das Unesco-Weltkulturerbe Timbuktu eingenommen. Seit der Nacht zum Montag befinde sich die Stadt unter der Kontrolle der alliierten Streitkräfte, meldeten die Regierungen Frankreichs und Malis.

Vor ihrer Flucht aus der antiken Stadt haben die Islamisten eine Bibliothek mit unschätzbaren alten Handschriften in Brand gesetzt. Die Aufständischen hätten das neu gebaute Ahmed-Baba-Institut vier Tage zuvor angezündet, berichtete der Bürgermeister der Stadt, Halle Usmane, am Montag. Wie viel von dem Gebäude, das mehr als 20.000 Manuskripte beherbergte, zerstört ist, konnte Usmane nicht sagen. Einige der Handschriften stammen aus dem 13. Jahrhundert.

Usmane hielt sich in der malischen Hauptstadt Bamako im Süden des Landes auf. Die Informationen erhielt er nach eigenen Angaben von seinem Pressechef, der einen Tag zuvor aus Timbuktu in den Süden gereist war. Auch seinen Amtssitz und das Haus eines Abgeordneten hätten die Islamisten angezündet, sagte der Bürgermeister.

Der schnelle Vormarsch der Verbände ist auch dem Zurückweichen der Islamisten zu verdanken. "Wir sind in Gao auf keinen Widerstand gestoßen; die bewaffneten Gruppen hatten die Stadt bereits verlassen", sagte der malische Oberst Didier Dakouo am Montag im Rundfunk.

Die französisch-malischen Truppen durchkämmten nach Angaben der Präsidentschaft Malis seit der Nacht zum Montag Timbuktu. Über Kämpfe wurde zunächst nichts bekannt. Es gehe jetzt darum, sicherzustellen, dass keine feindlichen Islamisten mehr in der Stadt seien, sagte ein Offizier der malischen Armee. In Gao kehrte am Montag bereits Normalität ein; Geschäfte und Behörden waren geöffnet.

Timbuktu, auch "Perle der Wüste" genannt, liegt rund 700 Kilometer nordöstlich von Bamako. Neben drei großen Moscheen gibt es in der historischen Wüstenstadt mit 55.000 Einwohnern jahrhundertealte Friedhöfe und Mausoleen. Seit 1988 zählen sie zum Weltkulturerbe der Unesco; 2012 hatten die Islamisten jedoch mehrere geschützte Heiligengräber in der Altstadt zerstört.

Berichte über die Bombardierung des Hauses des Ansar-Dine-Anführers Iyad Ag Ghali in Kidal an der Grenze zu Algerien wurden am Sonntagabend vom französischen Militär dementiert. "Das Haus steht noch, es hat in der Region von Kidal keine Luftangriffe gegeben", sagte ein Militärsprecher.

Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba begrüßten die anwesenden Staats- und Regierungschef der 54 Länder des Kontinents am Sonntag den Militäreinsatz Frankreichs. Der äthiopische Ministerpräsident Hailemariam Desalegn rief diejenigen Länder zur zügigen Entsendung von Truppen auf, die eine Beteiligung an der Mission Afisma (African-led International Support Mission in Mali) zugesagt haben.

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas hatte zuvor bei einem Treffen führender Militärs in Abidjan in der Elfenbeinküste beschlossen, das Afisma- Truppenkontingent zur Unterstützung der malischen Armee von ursprünglich 3300 Mann auf 7700 Soldaten aufzustocken. Bisher sind erst knapp 1750 Soldaten der westafrikanischen Nachbarn in Mali eingetroffen, um sich an der multinationalen Eingreiftruppe zu beteiligen.

Die Europäische Union beginnt Mitte Februar mit der Entsendung von Militärausbildern nach Mali, wie ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel sagte. Diplomaten nannten den 12. Februar als Starttermin. Die EU hatte Mitte Januar beschlossen, 200 bis 250 Militärausbilder nach Bamako zu schicken, um Malis Armee im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen. Doch will sich die EU nicht mit Kampftruppen am französisch-afrikanischen Militäreinsatz beteiligen.

(dpa/rtr/abendblatt.de)
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