25.01.13

Krise in Nordafrika

Westliche Regierungen rufen zum Verlassen von Bengasi auf

Nach Geiseldrama mit zahlreichen Toten in Algerien warnen mehrere westliche Staaten vor "unmittelbar drohender Gefahr" im libyschen Bengasi.

Foto: dpa
US-Konsulat in Bengasi
Beim Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September 2012 gab es zahlreiche Tote

London/Berlin/Sydeny. Nach mehreren europäischen Regierungen haben auch Kanada und Australien ihre Staatsbürger aufgefordert, die ostlibysche Hafenstadt Bengasi umgehend zu verlassen. Als Grund wurde eine dort bestehende Bedrohung für Bürger westlicher Staaten genannt. "Terroranschläge können jederzeit passieren und auf Orte mit vielen Ausländern und ausländischen Reisenden zielen", hießt es weiter in einer am Donnerstagabend (Ortszeit) vom kanadischen Außenministerium verbreiteten Mitteilung. Auch vor Reisen nach Bani Walid und die Gegend von Sabha im Südwesten sowie in die Wüstenstadt AL-Kufra wurde gewarnt.

Das Auswärtige Amt forderte am Donnerstag in einem aktuellen Hinweis auf seiner Internetseite alle Deutschen auf, die Region sofort zu verlassen. Auch Großbritannien, die Niederlande und Kanada veröffentlichten entsprechende Warnungen. Die US-Botschaft in Tripolis hingegen erklärte, ihr lägen "keine spezifischen Informationen vor, die auf eine unmittelbare Bedrohung von US-Bürgern hindeuten".

Zu den potenziellen Anschlagszielen im Osten Libyens gehörten Schulen, Niederlassungen von Unternehmen und Büros von Nichtregierungsorganisationen, sagten europäische Gewährspersonen der Nachrichtenagentur AP. Wie viele Europäer sich derzeit in Bengasi aufhalten, war zunächst unklar. Das Außenministerium in London sprach von Dutzenden Briten in der Region. Der Sprecher des niederländischen Außenministeriums, Thijs van Son, sagte, es seien vier Staatsbürger in der Stadt registriert und möglicherweise hielten sich zwei weitere dort auf. Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, der namentlich nicht genannt werden wollte, erklärte, es seien nur wenige Deutsche in Bengasi.

In den vergangenen Monaten war es in Bengasi immer wieder zu Angriffen auf Ausländer und Vertreter des libyschen Staates gekommen. Im vergangenen September hatten Terroristen das US-Konsulat gestürmt und den Botschafter sowie drei weitere US-Bürger getötet. Am Mittwoch hatte die scheidende Außenministerin Hillary Clinton vor einem Senatsausschuss die Verantwortung für Fehler ihres Ministeriums im Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff übernommen.

(dapd/dpa)
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