17.01.13

Mali und Algerien

Flächenbrand in der Sahara - Transall-Maschinen unterwegs

Malische Streitkräfte und ausländische Interventionstruppen rücken gegen Islamisten vor. Geiseldrama in Algerien wird zum Blutbad.

Foto: dapd
Algeria Kidnapping
In Algerien (Foto) und Mali drohen weiter Unruhen

Bamako/Algier. Der Nordwesten Afrikas wird zu einem internationalen Schlachtfeld. In Mali liefern sich die Streitkräfte unterstützt von französischen Truppen heftige Gefechte mit den islamistischen Rebellen im Zentrum des Landes. Auch die afrikanischen Nachbarstaaten wollen zugunsten der bedrängten Regierung in Bamako in den Konflikt eingreifen und die Europäische Union hat die Entsendung von Militärausbildern zugesagt.

Unterdessen mündete ein Geiseldrama auf einem Erdgasfeld in Algerien offenbar in ein Blutbad. 35 Geiseln sowie 15 Entführer seien bei einem Hubschrauberangriff der algerischen Streitkräfte getötet worden, berichtete die mauretanische Nachrichtenagentur NIA am Donnerstag unter Berufung auf einen Sprecher der Extremisten. Sieben Geiseln hätten den Befreiungsversuch überlebt.

In Mali eroberten die Streitkräfte nach eigenen Angaben die Stadt Konna im Zentrum des Landes. Die Kämpfer der Extremistengruppe Ansar Dine seien am Donnerstag aus Konna vertrieben worden, sagte ein Vertreter der malischen Streitkräfte. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden. Die Regierung in Bamako hatte allerdings bereits am Wochenende erklärt, Konna befinde sich wieder unter der Kontrolle der Streitkräfte.

Die französischen Truppen setzten unterdessen ihre Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen in der Stadt Diabaly fort. Laut geflohenen Bewohnern konnten die Islamisten ihre Stützpunkte allerdings vorerst halten. Die Kämpfer würden Privathäuser besetzen und Zivilisten an der Flucht hindern.

Unterdessen griffen immer mehr Staaten der Region in den Konflikt in Mali ein. Zwei Transall-Transportmaschinen der Bundeswehr sind unterwegs zum Einsatz. Die beiden Flugzeuge starteten am Donnerstagabend vom Flugplatz Hohn (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Jede Maschine hat nach Angaben des Lufttransportgeschwaders 63 sieben Besatzungsmitglieder an Bord. Eine weitere Maschine sollte am Freitagmorgen vom bayerischen Fliegerhorst Landsberg aus starten. Heftiger Schneefall hatte einen Start am Donnerstag verhindert.

Die drei Transall werden zunächst ins französische Évreux fliegen. Dort sollen zwei von ihnen mit Sanitätsmaterial beladen werden. Anschließend sollen sie ins malische Bamako weiterfliegen. Die dritte Maschine ist nach Angaben der Luftwaffe nur Ersatz und soll nach Deutschland zurückkehren.

Die Maschinen sollen Soldaten der Westafrikanischen Wirtschaftsunion Ecowas ins Einsatzgebiet bringen. Jedes Flugzeug kann rund 90 Soldaten transportieren und wird mit zwei Crews besetzt. Die 3300 Soldaten der Ecowas für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen im Norden Malis sollen unter anderen von den Nachbarländern Nigeria und Niger gestellt werden.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch nach einer Anfrage der französischen Regierung entschieden, den Kampf gegen die Rebellen mit zwei Transall-Maschinen zu unterstützen. Französischen Truppen sollen damit aber nicht transportiert werden.

Auch Truppen aus Nigeria sollten noch am Donnerstag in Mali eintreffen, wie ein Sprecher der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) erklärte. Zudem würden Soldaten aus dem Niger an der Grenze zu Mali Stellung beziehen. Burkina Faso und Togo wollten am Wochenende oder Anfang kommender Woche ebenfalls ihre Soldaten entsenden.

Frankreich verfügt derzeit über 1.400 Soldaten in Mali, nach und nach sollen nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums 2.500 Soldaten in die Region entsandt werden, darunter auch Fremdenlegionäre. Die Europäische Union will den malischen Regierungstruppen mit rund 200 Militärausbildern zur Hilfe eilen. Die EU-Außenminister gaben am Donnerstag grünes Licht für die EU-Trainingsmission (EUTM). "Das Wichtigste ist, die Stabilisierung Malis in eigener Verantwortung voranzubringen", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) auf der Dringlichkeitssitzung in Brüssel. Eine Beteiligung an Kampfeinsätzen werde es nicht geben, hieß es ein einer gemeinsamen Erklärung.

Westerwelle zeigte sich bestürzt über das blutige Geiseldrama in Algerien: "Terroristen sind keine Freiheitskämpfer, sondern brutale Kriminelle, die vor der Ermordung Unschuldiger keinen Halt machen." Zuvor hatten die islamistischen Entführer erklärt, bei einem Befreiungsversuch der algerischen Streitkräfte auf einem Gasfeld im Südosten des Landes seien 35 Geiseln sowie 15 Extremisten getötet worden. Sieben Geiseln hätten den Hubschrauberangriff überlebt.

Bei den Überlebenden soll es sich demnach um drei Belgier, zwei Amerikaner, einen Briten und einen Japaner handeln. Die algerische Nachrichtenagentur APS berichtete unter Berufung auf die Polizei, bei dem Einsatz seien vier ausländische Geiseln befreit worden.

Islamisten hatten am Mittwochabend nach eigenen Angaben 41 Ausländer auf dem Erdgasfeld in der Sahara in ihre Gewalt gebracht. Nach algerischen Regierungsangaben hatten 20 schwer bewaffnete Angreifer in drei gepanzerten Fahrzeugen zunächst einen Bus mit Mitarbeitern der Gasanlage attackiert, der auf dem Weg zum nahegelegenen Flughafen war. Mindestens zwei Menschen wurden getötet. Unter den Geiseln waren unter anderem Amerikaner, Norweger, Briten und Japaner.

Zu dem Angriff bekannte sich laut einem Bericht von NIA die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende "Maskierte Brigade" des einäugigen Extremistenführers Moktar Belmoktar. Zuvor hatte Algerien der französischen Luftwaffe für ihren Kampf gegen die Rebellen im benachbarten Mali Überflugrechte gewährt und sich damit den Zorn der Islamisten zugezogen.

"Die Vereinten Nationen haben grünes Licht für diese Intervention gegeben, und alle westlichen Länder werden den Preis dafür zahlen", sagte ein Vertrauter Belmoktars der Nachrichtenagentur AP. "Jetzt tragen wir unseren Konflikt in die Welt hinaus."

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