16.01.13

Iran

Atomstreit: Inspektoren wollen Militäranlage überprüfen

Atomenergiebehörde vermutet, dass in der Anlage Parchin an Atomsprengköpfen geforscht wurde. Teheran bestreitet das.

Foto: REUTERS
Herman Nackaerts, Kopf der Delegation der der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) bei der Ankunft an Flughafen Teheran
Herman Nackaerts, Kopf der Delegation der der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) bei der Ankunft an Flughafen Teheran

Teheran. Ein Inspektorenteam der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist am Mittwoch in Teheran eingetroffen. Die Experten wollen die iranische Führung dazu bewegen, ihnen Zugang zur Militäranlage Parchin zu gewähren. Iranische Medien berichteten, die Gespräche hätten am Vormittag begonnen.

In der Militäranlage soll der Iran nach Vermutung westlicher Geheimdienste Experimente zur Forschung an Atomsprengköpfen vorgenommen haben. Teheran bestreitet das. Vor einer Besichtigung der Anlage müsse die IAEA das Recht des Iran auf die Entwicklung eines zivilen Atomprogramms anerkennen, hatte Teheran am Dienstag gefordert.

Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung ein Atomwaffen-Programm zu betreiben. Die internationalen Sanktionen wegen des umstrittenen Atomprogramms und ein Ölembargo haben das Land in den letzten Monaten in eine Wirtschaftskrise geführt.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad erläuterte am Mittwoch Kritikern im Parlament, er wolle die Abhängigkeit des Landes von Öleinnahmen verringern und andere wirtschaftliche Optionen stärken. "Man sollte aus den Sanktionen neue Gelegenheiten schaffen", sagte Ahmadinedschad.

Wegen des seit dem vergangenen Jahr wirksamen Ölembargos der Europäischen Union hat das Land mindestens 30 Prozent weniger Einkommen. Auch andere Exportoptionen sind problematisch, weil dem Iran auch internationale Zahlungen erschwert wurden.

Die iranischen Atomanlagen
Natans: In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden...
...Nach dem jüngsten Bericht der Internationale Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.
Fordo: Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung...
...Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.
Buschehr: Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück...
...Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.
Isfahan: Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.
Arak: Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.
Teheran: Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.
Karadsch: Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.
Parchin: Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.
(dpa/abendblatt.de)
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