18.11.12

Nahost-Konflikt im Ticker

Israelische Luftwaffe greift weiterhin den Gazastreifen an

Die israelischen Angriffe im Gazastreifen gehen weiter. Nach palästinensischen Angaben sind zwei Frauen und ein Mädchen getötet worden.

Foto: REUTERS
A Palestinian inspects a destroyed house after an Israeli air strike in Gaza City
Ein Palästinenser auf den Trümmern seines Hauses. Auch in der Nacht zu Sonntag hat die israelische Armee erneut Gaza bombardiert

Gaza/Tel Aviv/ Jerusalem. Die israelische Armee hat in der Nacht zu Sonntag die Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Die militanten Palästinenser haben nach Mitternacht zunächst keine Raketen mehr auf Israel abgefeuert. Am Morgen heulten allerdings in mehreren Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens wieder die Sirenen. Bemühungen um eine Waffenruhe hätten bislang keinen Erfolg gehabt, berichteten israelische Medien.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums und Augenzeugen wurden bei den Angriffen in der Nacht zwei Kleinkinder getötet und etwa 25 Menschen verletzt. Im nördlichen Gazastreifen seien mehrere Häuser getroffen worden. Insgesamt sind den Angaben zufolge seit Beginn des Militäreinsatzes am Mittwoch 48 Palästinenser getötet und mehr als 500 Menschen verletzt worden.

Der israelische Rundfunk meldete, seit Mittwoch seien 800 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will die Angriffe im Gazastreifen beenden, wenn zugleich die Raketenattacken auf Israel eingestellt werden.

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14.18 Uhr: Bei einem neuen israelischen Luftangriff in der Stadt Gaza sind nach palästinensischen Angaben zwei Frauen und ein Mädchen getötet worden. Das Gesundheitsministerium der im Gazastreifen herrschenden Hamas teilte am Sonntag mit, ein Gebäude sei von einer Rakete getroffen worden. Ein israelischer Armeesprecher sagte in Tel Aviv, man prüfe den Bericht.

12.54 Uhr: Ein israelischer Unterhändler ist nach ägyptischen Behördenangaben zu Gesprächen über einen Waffenstillstand Israels mit der Hamas in Kairo eingetroffen. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Flughafenkreisen erfuhr, landete ein hochrangiger israelischer Gesandter am Sonntag mit einem Privatflugzeug aus Tel Aviv in der Hauptstadt. Er wolle in den kommenden Stunden Gespräche über die jüngste Eskalation der Gewalt im Gazastreifen führen. Ägypten wird Einfluss auf die Hamas nachgesagt.

12.44 Uhr: Der britische Premierminister David Cameron hat in einem Telefonat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dazu aufgerufen, "alles nur Mögliche zu tun", um die Krise in Gaza zu beenden. "Der Premierminister hat seine Anteilnahme ausgedrückt für die israelische Zivilbevölkerung, die unter den Raketenangriffen leidet. Zudem hat er Netanjahu gedrängt, alles nur Mögliche zu tun, um dem Konflikt ein Ende zu bereiten", sagte eine Sprecherin der Downing Street am Sonntag. Der Premier sei besorgt, dass der Konflikt weiter eskalieren könne.

10.40 Uhr: Israel ist nach den Worten seines Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf eine massive Ausweitung seiner Offensive gegen den Gazastreifen vorbereitet. Die radikal-islamische Hamas und andere extremistische Organisationen müssten einen hohen Preis für die Raketenangriffe auf Israel bezahlen, sagte Netanjahu am Sonntag im Kabinett. Die israelischen Streitkräfte träfen die dazu erforderlichen Schritte. Die Möglichkeit einer Bodenoffensive gegen das Palästinenser-Gebiet erwähnte er nicht.

09.49 Uhr: Die radikal-islamische Hamas hat am Sonntag Augenzeugen zufolge erneut zwei Raketen auf die israelische Metropole Tel Aviv abgefeuert. Sie seien aber vom Flugabwehrsystem "Eiserner Dom" abgefangen worden, hieß es weiter. Die Hamas bestätigte, zwei Raketen vom Typ Fadschr-5 auf Israel gefeuert zu haben. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

09.00 Uhr: In Ortschaften, die bis zu 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernt liegen, blieben Schulen und Kindergärten auch am Sonntag – dem Beginn der israelischen Arbeitswoche – geschlossen. Im Großraum Tel Aviv gab es normalen Unterricht, obwohl es dort in den vergangenen drei Tagen Luftalarm gegeben hatte.

08.15 Uhr: Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete hat am Sonntagmorgen ein Wohnhaus in der israelischen Küstenstadt Aschkelon direkt getroffen. Ein Polizeisprecher bestätigte, das Geschoss habe mehrere Wohnungen durchschlagen. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden. Der israelische Rundfunk meldete, die Rakete sei im vierten Stock in das Gebäude eingeschlagen und bis zum zweiten Stock vorgedrungen. Polizeisprecher Mickey Rosenfeld sagte, insgesamt hätten militante Palästinenser am Sonntag vier Raketen auf Aschkelon abgefeuert. Zwei seien von der Raketenabwehr abgefangen worden. Eine Rakete habe einen Parkplatz getroffen, ein Auto sei in Flammen aufgegangen.

06.29 Uhr: Israelischen Medienberichten zufolge feuerten militante Palästinenser nach Mitternacht zunächst keine Raketen mehr auf Israel ab. Am frühen Sonntagmorgen aber heulten in mehreren Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens erneut die Sirenen. Die israelische Armee hat erneut Ziele in Gaza angegriffen. Dabei sollen zwei Kleinkinder getötet und etwa 25 Menschen verletzt worden sein. Auch das Büro des Al-Kuds-Fernsehens, das der im Gazastreifen herrschenden Hamas nahesteht, sei beschädigt worden. Dabei hätten sechs Journalisten Verletzungen erlitten.

02.51 Uhr: Israelische Kampfflugzeuge haben am Sonntagmorgen den fünften Tag in Folge Ziele im Gazastreifen angegriffen. Augenzeugen zufolge bombardierten sie in Gaza-Stadt unter anderem einen arabischen Fernsehsender, der von Israel als Hamas-freundlich eingestuft wurde. Dabei seien drei Journalisten verletzt worden. Bei zwei weiteren Angriffen auf Häuser in einem Flüchtlingslager vor dem Morgengrauen starb Sanitätern zufolge ein Kind und zwölf Menschen seien verletzt worden. Im Süden Israels sollten am Sonntag als Vorsichtsmaßnahme gegen Raketenangriffe die Schulen geschlossen bleiben.

01.57 Uhr: An der Grenze zwischen Israel und Syrien ist es erneut zu einem Zwischenfall gekommen. Eine israelische Militärpatrouille sei von Bewaffneten im Gebiet der Golanhöhen von syrischem Territorium aus beschossen worden, berichtete der israelische Onlinedienst "Ynet" am frühen Sonntagmorgen. Eine syrische Mörsergranate sei abgefeuert worden, aber nicht auf israelischem Gebiet niedergangen. Es sei zu einem Schusswechsel gekommen. Berichte über Verletzte lagen nicht vor.

01.31 Uhr: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat mit der Führung der radikalislamischen Hamas sowie den Verbündeten Katar und Türkei über Wege beraten, die eskalierende Gewalt zwischen Israel und palästinensischen Extremisten zu beenden. Es gebe Diskussionen über Möglichkeiten, eine baldige Waffenruhe herbeizuführen, sagte Mursi bei einer Pressekonferenz am Samstag in Kairo. "Aber es gibt bis jetzt keine Garantien." Er arbeite mit der Türkei, arabischen Ländern, den USA, Russland und westeuropäischen Staaten zusammen, um die Kämpfe zu beenden.

00.27 Uhr: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will die Angriffe im Gazastreifen beenden, wenn zugleich die Raketenattacken auf Israel eingestellt werden. Dies habe er in Telefongesprächen US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, berichtete die Zeitung "Haaretz" am Sonnabend. Israel hat seit Mittwoch fast 1.000 Ziele im Gazastreifen mit dem erklärten Ziel angegriffen, Raketen, Waffenlager und andere Hamas-Einrichtungen zu zerstören. Die Hamas und andere militante Gruppen in der Enklave am Mittelmeer feuerten zugleich fast 750 Raketen und Granaten Richtung Israel ab. Bisher gab es dabei insgesamt 48 Tote.

Twitternachrichten zur Offensive in Echtzeit

Israel und die Hamas begleiten die Kämpfe im Gazastreifen mit einer bisher ungekannten Offensive im Internet. Über soziale Netzwerke berichten sie praktisch in Echtzeit über Raketenangriffe und Opferzahlen und ringen so um die öffentliche Meinung.

Die israelischen Streitkräfte verkündeten die Offensive gar über das eigene Profil auf dem Netzwerk Twitter. Man werde "eine groß angelegte Offensive" im Gazastreifen starten, hieß es dort. Eine weitere Twitternachricht empfahl allen Hamas-Führern "ihre Gesichter in den nächsten Tagen nicht bei Tageslicht zu zeigen".

Die direkte Antwort der Hamas folgte prompt. "Unsere gesegneten Hände werden eure Anführer und Soldaten greifen, egal wo sie sind. Ihr habt die Tore der Hölle selbst aufgestoßen", hieß es von einem Profil unter dem Namen "AlQassam Brigade", das als offizielle Twitterpräsenz des militärischen Flügels der Hamas gilt.

Twitter habe sich seit dem letzten Krieg vor vier Jahren zu "einer zusätzlichen Kriegszone" entwickelt, sagte eine Sprecherin des israelischen Militärs. Über die sozialen Netzwerke könne Israel Informationen an den Medien vorbei direkt ins Netz geben. Seit zwei Monaten unterhält die Armee eine eigene Abteilung für interaktive Medien mit 30 Soldaten.

 Der erbitterte Streit im Internet beschränkt sich nicht auf Twitter. Die Hamas unterhält eine Facebook-Seite und eine mehrsprachige Website. Die israelische Armee verfügt über Profile auf Facebook, dem Fotodienst Flickr und der Videoplattform Youtube.

Die dortigen Einträge, wie Bilder oder Videos, sind darauf ausgelegt, dass andere Menschen sie aufgreifen und weiterverbreiten. Ein Bild des getöteten Hamas-Militärchefs Ahmed Dschabari mit dem aufgestempelten Wort "ausgeschaltet" auf der Facebook-Seite der Armee wurde fast 7.000 Mal weitergegeben, doch stieß auch auf Kritik.

 Beide Seiten betreiben im Internet eine fortwährende Bestandsaufnahme der Offensive, zählen Raketeneinschläge und Luftangriffe, verbreiten grausige Fotos verletzter oder getöteter Kinder.

 Ein Video des israelischen Militärs, das den tödlichen Angriff auf Dschabari zeigt, wurde von Googles Videoplattform Youtube am Donnerstag kurzzeitig entfernt. Das schwarz-weiße Video zeigte ein fahrendes Auto, das kurz darauf in einem Feuerball explodiert.

Mit der Präsenz auf allen Kanälen versuchen Israel und die Hamas, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen. Sie verstünden, "dass man solche Konflikte nicht mit einer Bodenoffensive gewinnt; man gewinnt sie über die öffentliche Meinung", sagte Tamir Sheafer, der an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrt.

 Gleichzeitig berge das aggressive Werben im sozialen Netz Stolperfallen, sagte Natan Sachs, ein Experte der Washingtoner Brookings Institution. Andere Nutzer könnten direkt auf die Nachrichten reagieren, teilweise mit sarkastischen Bemerkungen.

"Sie könnten sich in Bezug auf ihre PR in falscher Sicherheit wiegen", sagte Sachs mit Blick auf die israelische Armee. "Am Ende des Tages zählen ihre politischen Entscheidungen und nicht ihre Twitternachrichten."

Israels Offensiven im Gazastreifen

 Im Jahr 2005 zog sich Israels Armee aus dem seit 1967 besetzten Gazastreifen zurück. 2007 übernahm die radikal- islamische Hamas die Herrschaft über das Gebiet und vertrieb die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Israel erklärte den Streifen zum "feindlichen Gebiet". Auf Raketenangriffe aus Gaza und Terroranschläge reagierte Israel mehrfach mit Bodenoffensiven oder gezielten Attacken auf mutmaßliche Hintermänner.

23. Juli 2002: Bei einem israelischen Raketenangriff werden in Gaza der militante Palästinenserführer Scheich Salah Schehada und 14 weitere Menschen getötet, darunter neun Kinder. Nach israelischen Angaben war er Drahtzieher mehrerer Terroranschläge.

6. März 2003: Mit einem Panzervorstoß gegen das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen reagiert Israel auf einen Terroranschlag in Haifa.

28. August 2003: Israelische Kampfhubschrauber feuern in Chan Junis im südlichen Gazastreifen Raketen ab. Dabei wird Hamdi Kadach getötet, der für den Mörserbeschuss israelischer Siedlungen verantwortlich gewesen sein soll.

20. Oktober 2003: Bei israelischen Luftangriffen werden mindestens 13 Palästinenser getötet. Einer der Getöteten, Chaled Masri, wird als ein führender Waffenbeschaffer der Hamas bezeichnet.

22. März 2004: Scheich Ahmed Jassin, Gründer und geistlicher Führer der Hamas, wird in Gaza von einer israelischen Rakete getötet.

17. April 2004: Jassins Nachfolger Abdel Asis Rantisi stirbt in Gaza bei einem israelische Luftangriff.

21. Oktober 2004: Adnan el Rul, ranghoher Führer des bewaffneten Arms der Hamas, wird bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto in Gaza getötet.

28. Juni 2006: Die israelische Armee rückt zur Befreiung des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

1. November 2006: Die Armee tötet bei Kämpfen von Bodentruppen in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen mindestens 34 Palästinenser.

5. Juli 2007: Israels Armee stößt mit Panzern auf Flüchtlingslager im zentralen Gazastreifen vor, mindestens elf Palästinenser sterben.

1. März 2008: Israel startet die Operation "Heißer Winter". Bei den Kämpfen mit Bodentruppen sterben über 100 Menschen.

27. Dezember 2008: Israel beginnt mit Luftangriffen auf Hamas- Einrichtungen im Gazastreifen, wenige Tage später beginnt die Bodenoffensive "Gegossenes Blei".   Bis am 18. Januar eine Waffenruhe in Kraft tritt sterben nach palästinensischen Quellen mindestens 1310 Palästinenser, die Israelis melden 13 Tote.

9. April 2011: Drei Hamas-Kommandeure werden in Rafah bei einem israelischen Angriff von Raketen eines Kampfflugzeugs getötet.

9. März 2012: Das israelische Militär tötet bei zwei Luftangriffen im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser, darunter den Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi

Mit Material von dpa/dapd/rtr
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