17.11.12

Nahost-Konflikt im Ticker Arabische Liga kündigt Solidaritätsbesuch in Gaza an

Palestinians search for victims under the rubble of the destroyed house of a Hamas official after an Israeli air strike in Jabalya in the northern Gaza Strip

Foto: REUTERS

Palestinians search for victims under the rubble of the destroyed house of a Hamas official after an Israeli air strike in Jabalya in the northern Gaza Strip Foto: REUTERS

Der Gaza-Konflikt spitzt sich weiter zu. Den dritten Tag in Folge haben palästinensische Extremisten Tel Aviv beschossen.

Gaza/Tel Aviv/ Kairo/Jerusalem. Situation im Nahen Osten verschärft sich . Raketen fliegen aus dem Gaza-Streifen in Richtung Tel Aviv, die Palästinenser befürchten eine Bodenoffensive der Israelis. Zugleich zeigt sich ein deutlicher Riss in der internationalen Gemeinschaft.

Auch am Sonnabend feuerten militante Palästinenser feuerten Raketen auf Tel Aviv und Aschdot ab, wobei fünf Menschen verletzt wurden. Die israelische Luftwaffe bombardierte zahlreiche Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen und legte den Amtssitz von Ministerpräsident Ismail Hanijeh in Schutt und Asche. Zugleich traf der jüdische Staat Vorkehrungen für eine Bodenoffensive und beschloss die Einberufung von bis zu 75.000 Reservisten. Die Luftwaffe habe seit Mitternacht 180 Ziele im Gazastreifen bombardiert, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Darunter seien neben dem Amtssitz Hanijehs das Innenministerium, ein Polizeihauptquartier, weitere Regierungsgebäude, Raketenstellungen und ein Ausbildungszentrum der Hamas gewesen.

Angesichts der Zuspitzung des Gaza-Konflikts wachsen die Sorgen vor einem neuen Krieg zwischen Israel und den Palästinensern.

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23:25 Uhr: Im Gazastreifen hat es keine Hinweise auf den Beginn eines möglichen Waffenstillstandes gegeben. Die israelische Luftwaffe setzte ihre heftigen Angriffe auch am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) fort, berichtete ein Reporter in Gaza-Stadt. Militante Palästinenser schossen zugleich weiter Raketen Richtung Israel.

22:58 Uhr: Nach Angaben des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi gibt es "Anzeichen für eine Feuerpause" im Gaza-Streifen. Konkreter äußerte er sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Sonnabendabend in Kairo jedoch nicht. Israelische Medien hatten zuvor schon von Gerüchten eines möglicherweise ab Mitternacht (Ortszeit, Sonnabend 2300 MEZ) geltenden Waffenstillstands berichtet. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht.

21:27 Uhr: Die Arabische Liga hat einen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen angekündigt. Bei einem Treffen der Organisation in Kairo erklärten die arabischen Staaten, dass Generalsekretär Nabil al-Arabi mit einer Delegation bald in die Krisenregion reisen werde. Die Liga kritisierte die israelischen Angriffe auf Gaza scharf und bezeichneten sie als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

20:58 Uhr: Israel hat nach palästinensischen Angaben gezielt fünf weitere Mitglieder militanter Gruppen im Gazastreifen getötet. Zwei Männer seien auf einem Motorrad östlich von dem Ort Deir al-Ballah von einer Rakete getroffen worden, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Enklave, Aschram al-Kedra, am Sonnabend mit. Zwei weitere Männer seien im Zentrum und einer im Süden des Gazastreifens getötet worden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Mittwoch auf 45, darunter 14 Zivilisten. 445 Menschen seien verletzt worden. Bei 70 Prozent der Verletzten habe es sich um Zivilisten gehandelt, fügte Al-Kedra hinzu. Israel hat nach eigenen Angaben seit Mittwoch fast 1000 Ziele im Gazastreifen angegriffen

19:01 Uhr: Die US-Regierung hat das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegen Angriffe unterstrichen. Über ihre militärische Taktik und ihre Operationen entschieden die Israelis selbst, erklärte der stellvertretende nationale US-Sicherheitsberater Ben Rhodes am Samstag. US-Präsident Barack Obama und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stimmten darin überein, dass eine Deeskalation vorzuziehen sei, sagte Rhodes. Bedingung sei aber, dass die radikalislamische Hamas im Gazastreifen den Beschuss Israels einstelle.

17:41 Uhr: Angesichts der Zuspitzung des Gaza-Konflikts hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonnabend mit Israels Premier Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi telefoniert. Im Gespräch mit Netanjahu betonte die Kanzlerin das Recht Israels auf Selbstverteidigung und die Pflicht zum Schutz der israelischen Bevölkerung, wie der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter mitteilte. "Sie war sich mit dem Premierminister einig, dass schnellstmöglich ein vollständiger Waffenstillstand erreicht werden müsse, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", hieß es weiter.Den Ägypter Mursi ermunterte die Kanzlerin (CDU) den Angaben zufolge, "seine wichtige Vermittlerrolle weiter auszuüben und die palästinensischen Gruppen zu einer umgehenden Einstellung der Angriffe auf Israel zu bewegen". Eine Eskalation der Gewalt müsse verhindert werden.

16:05 Uhr: Die israelische Raketenabwehr hat am Sonnabend eine Rakete aus dem Gazastreifen kurz vor der Stadtgrenze von Tel Aviv vom Himmel geholt. Das teilte das Militär mit. Zu dem Angriff bekannte sich der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden. Es war der dritte Tag in Folge, dass der Großraum Tel Aviv mit Raketen angegriffen wurde. Über Opfer wurde nichts bekannt. Noch während die Luftschutzsirenen heulten, war ein lauter Knall zu hören. Ein Radioreporter berichtete, er habe gesehen, wie die Abfangrakete das nahende Geschoss in der Luft traf. Augenzeugen sprachen von einer großen Rauchwolke.

14:28 Uhr: Die USA haben Israel grünes Licht für einen Angriff auf Gaza gegeben. Das erklärte Israels Botschafter in Washington am Freitag (Ortszeit) amerikanischen Medien. "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", sagte Botschafter Michael Oren nach einem Bericht der Zeitung "New York Daily News". "Israel hat von den Vereinigten Staaten überragende und unmissverständliche Unterstützung bekommen", sagte Oren dem Bericht zufolge. Dies betreffe das Weiße Haus ebenso wie den Kongress, in dem Israel Zustimmung von allen Parteien erfahren habe.

13:52 Uhr: Die radikal-islamische Hamas hat 22 ausländischen Journalisten und Mitgliedern von Hilfsorganisationen die Ausreise aus dem Gazastreifen verweigert. Das sagte einer der in der Enklave festsitzenden Journalisten am Sonnabend. Das Hamas-Innenministerium habe zur Begründung angegeben, Israel schließe den Erez-Kontrollpunkt im Norden des Gazastreifens am Schabbat. Israel betonte jedoch, der Übergang sei wegen des Konflikts für Personen auch am Sonnabend geöffnet. Die Ausländer berichteten, sie hätten dies der Hamas mitgeteilt, dennoch hätten sie nicht passieren dürfen. In der Gruppe seien keine Deutschen.

13:30 Uhr: Das israelische Militär hat angesichts der überraschenden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf den Großraum Tel Aviv ein Raketenabwehrsystem bei der Stadt stationiert. Es handele sich um eine Abwehrtechnik des Typs "Iron Dome" (Eisenkuppel) gegen Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis 70 Kilometer. Es sei die fünfte Einheit, deren Aufbau eigentlich erst für kommenden Januar geplant gewesen sei, teilte die Armee am Sonnabend mit. Angesichts der Angriffe auf Tel Aviv sei der Termin vorgezogen worden. Die anderen vier Systeme sind um den Gazastreifen herum stationiert. Dort hätten sie in den vergangenen Tagen 211 Raketen aus dem Gaza-Streifen noch in der Luft zerstört.

11:17 Uhr: Der tunesische Außenminister Rafik Abdesslem hat bei einem Solidaritätsbesuch im Gazastreifen die israelischen Angriffe auf das Palästinenser-Gebiet als völkerrechtswidrig verurteilt. "Was Israel tut ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Abdesslam auf den Trümmern des bei einem nächtlichen Luftangriff zerstörten Amtssitzes von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanijeh am Samstag. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht. Abdesslam ist nach dem ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil der zweite arabische Spitzenpolitiker, der den Gazastreifen seit Beginn der israelischen Luftangriffe am Mittwoch besuchte. Die Israelis reagierten damit auf anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen.

10:56 Uhr: Der Nahostexperte und israelische Ex-Diplomat Avi Primor warnt vor einer militärischen Eskalation im Gaza-Konflikt. Die Mobilisierung von 75.000 israelischen Reservisten und die Stationierung von Panzern im Grenzgebiet zum Gazastreifen zeigten, dass die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive "sehr ernsthaft sind", sagte Primor am Sonnabend im Deutschlandradio Kultur. Dabei könne es sich zwar auch um ein psychologisches Druckmittel handeln, "weil man der Hamas zeigen will, dass man zu allem bereit ist". Die Geschichte habe aber gezeigt, dass eine solche Eskalation sehr oft einen Krieg bringe, "den keiner haben will". Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt sieht Primor "extremste fundamentalistische Gruppierungen" im Machtkampf innerhalb des Gazastreifens. Die radikalislamische Hamas habe die Gewalt "nicht entfesselt", sagte Primor. Für Israel gehe es darum, dass die Hamas diese Gruppierungen unter Kontrolle bringe.

10:18 Uhr: Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hat sich am vierten Tag israelischer Luftangriffe kämpferisch gegeben. "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen", hieß es in einer am Sonnabend verbreiteten schriftlichen Mitteilung des Hamas-Sprechers Sami Abu Suhri.

09.42 Uhr: Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben seit Sonnabendnacht mindestens zehn weitere Menschen getötet worden. Das teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Hamas-Regierung in der Enklave am Mittelmeer, Aschram al-Kedra, am Sonnabend in Gaza-Stadt mit. Ob es sich um Zivilisten oder Mitglieder militanter Gruppen handelte, ließ er offen. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit dem Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" am Mittwoch auf 39. Etwa 330 Menschen seien verletzt worden.

07.13 Uhr: Nach Angaben der Hamas wurden seit Beginn der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen bislang 30 Palästinenser getötet, 14 Soldaten und 16 Zivilisten, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. Auf israelischer Seite starben am Donnerstag drei Zivilisten durch eine Rakete. Laut israelischem Militär schlugen seit Freitag 133 Raketen auf israelischem Boden ein. 82 weitere wurden durch die Raketenabwehr abgefangen. Umgekehrt gab es mehrere Dutzend Luftangriffe Israels auf Ziele im Gazastreifen.

02.38 Uhr: Die israelischen Streitkräfte haben ihre Luftangriffe auf den Gazastreifen in der Nacht zu Sonnabend fortgesetzt. Eine gewaltige Explosion erschütterte das Hauptquartier der Polizei in Gaza-Stadt. Auch mehrere kleinere Stützpunkte der Sicherheitskräfte der radikalislamischen Hamas wurden von Raketen getroffen. Auch das Büro des Ministerpräsidenten Ismail Hanijeh wurde bombardiert. Zudem sei bei einem weiteren Luftangriff eine Moschee zerstört worden, teilten die Behörden im Gazastreifen mit. Ärzte erklärten, die Krankenhäuser seien überlastet.

01.05 Uhr: In einem Telefonat über die Lage in Nahost hat sich Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bei US-Präsident Barack Obama für die Hilfe beim Bau der Verteidigungstechnik bedankt. Das neue israelische Raketenabwehrsystem "Iron Dome" (Eiserne Kuppel), an dessen Entwicklung die USA beteiligt waren, habe Hunderte Raketen unschädlich gemacht, die aus dem Gazastreifen kamen, und das Leben unzähliger Israelis gerettet, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses in Washington vom Freitag.

(dpa/dapd/rtr)