11.11.12

China

Zensur zu Parteitag: China unterbricht Google

Blockaden im Internet erreichen während des Parteitags der Kommunisten neue Dimension. Nie zuvor waren so viele Nutzer betroffen.

Von Andreas Landwehr
Foto: dpa
Google-Dienste in China geblockt
Blick durch ein Brillenglas auf einen Computermonitor mit der Darstellung der chinesischen Google-Internetseite

Peking. Mit der massiven Zensur während des Parteitags der Kommunistischen Partei in Peking ist erstmals der Zugang zu einer ganzen Reihe von Google-Diensten gesperrt worden. Nie zuvor waren nach Angaben von Experten so viele Menschen von der Blockade eines Webdienstes betroffen. Auch Tunnelverbindungen, die den ungefilterten Zugang zu Informationen aus dem Ausland ermöglichen, werden attackiert und lahmgelegt.

Die Unterbrechung bei Google dauerte etwa zwölf Stunden bis Sonnabendmorgen. Außer der Suchmaschine waren auch Gmail, Maps und Dokumente nicht erreichbar. "Wir haben es überprüft, aber auf unserer Seite gab es keine Probleme", teilte Google in Peking mit. Nach Angaben des Beobachtungsdienstes greatfire.org handelte sich sich um "DNS-Poisoning". Bei diesem Angriff wird die Zuordnung zwischen "Hostnamen" und der zugehörigen IP-Adresse gefälscht.

Die Attacke war nach Ansicht der Experten kein Versehen, sondern wohl überlegt. Der Zeitpunkt am Freitagabend könnte darauf schließen lassen, dass eine komplette "Google-Blockade" getestet werden sollte. Aus Angst vor empörten Reaktionen der vielen Gmail-Nutzer in China hätten die Behörden bisher von einer Sperre abgesehen. "Vielleicht wollten sie jetzt testen, wie wichtig den Leuten der Zugang zu Google ist, um zu einer Entscheidung zu kommen, ob sie es künftig permanent sperren", analysierte greatfire.org.

Die Angriffe demonstrieren laut Experten eine neue technische Versiertheit der "Great Firewall" in China. Im Widerspruch zu den Cyber-Angriffen titelte die Propaganda am Sonnabend: "Parteitag reagiert positiv auf das Zeitalter des Internets."

Der nur alle fünf Jahre stattfindende Parteikongress ist der erste im Zeitalter sozialer Netze. Im Vorfeld hatten schwere Korruptionsskandale und Machtkämpfe die Partei erschüttert. Ein aufgestocktes Heer von Zensoren durchkämmt die twitterähnlichen, "Weibo" genannten Mikroblogs nach unliebsamen Inhalten. Die rund 2300 Delegierten werden einen Führungswechsel einleiten.

Der 69 Jahre alte Parteichef Hu Jintao wird vom zehn Jahre jüngeren Vizepräsidenten Xi Jinping abgelöst. Am Donnerstag soll seine neue Führungsmannschaft vorgestellt werden, um die heftig gerungen wurde. Seit den Berichten über das Vermögen der Familien von Xi Jinping und Regierungschef Wen Jiabao sind die Webseiten der "New York Times" und der Nachrichtenagentur Bloomberg gesperrt. Die Filter zum Parteitag haben die ohnehin langsame Geschwindigkeit des Internets in China noch weiter gebremst.

Auch die Angriffe auf Tunneldienste haben ein bislang ungekanntes Ausmaß erreicht. Mit diesen VPN-Verbindungen (Virtual Private Network) können Nutzer in China die Sperren umgehen. So können die in China gesperrten sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter oder das Videoportal YouTube benutzt werden. Es gibt einen Boom bei diesen Diensten, die umgerechnet 50 bis 80 Euro im Jahr kosten.

Aber auch internationale Firmen in China nutzen solche VPN-Tunnel für ihre internen Netzwerke und leiden unter den Störungen. "Es ist schlimm", sagte ein Manager eines großen deutschen Autoherstellers in Peking. "Nach kurzer Zeit unterbricht es immer wieder."

Nach Baidu ist Google in China nur die zweitgrößte Suchmaschine, zählt aber zu den fünf wichtigsten Webseiten im Land. Bei mehr als 500 Millionen Internetnutzern in China hat Google viele Millionen chinesische Nutzer. Das Unternehmen hatte seine Server 2010 von China noch Hongkong verlegt, um seine Suchergebnisse nicht mehr selber zensieren zu müssen. Wer von China aus politisch heikle Suchwörter eingibt, endet meist vor einem blanken Schirm. Danach sind häufig auch andere Dienste wie Gmail vorübergehend gesperrt.

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