11.11.12

"Vatileaks"-Prozess

Urteil: Milde Bewährungsstrafe für Programmierer

Fünf Wochen nach Urteil über Kammerdiener des Papstes kommt zweiter Schuldspruch in "Vatileaks"-Affäre. Programmierer bleibt frei.

Foto: REUTERS
File photo of Pope Benedict's former butler Gabriele listening to the court at the Vatican
Eine Verhandlung im "Vatileaks"-Prozess

Rom. In der "Vatileaks"-Affäre ist der italienische Computertechniker Claudio Sciarpelletti (48) zu einer zweimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Tribunal des Vatikans befand ihn am Samstag nach nur zwei Verhandlungstagen der Begünstigung bei dem schweren Diebstahl von Vatikan-Dokumenten durch den inzwischen verurteilten päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele schuldig. Die juristische Aufarbeitung der Affäre um die Veröffentlichung teils brisanter Dokumente ist damit aber noch nicht abgeschlossen.

Die Strafe wird für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt, in denen sich der Programmierer keines weiteren Vergehens schuldig machen darf. Das eigentliche Strafmaß von vier Monaten wurde gemildert, unter anderem, weil der Programmierer unbescholten war. Der Computer-Techniker muss aber die Prozesskosten übernehmen. Er arbeitet weiter für den Vatikan und wird wohl auch nicht entlassen.

Fünf Wochen nach der Verurteilung des Kammerdieners verurteilte das Tribunal unter Präsident Giuseppe Dalla Torre einen Mann, den der Vatikan zwar als Helfer, aber nicht als Komplizen eingestuft hatte. Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwaltes Nicola Picardi. Verteidiger Gianluca Benedetti hatte auf umfassenden Freispruch plädiert und will in die Berufung gehen.

Der Programmierer des Staatssekretariats hatte sich während der Ermittlungen in Widersprüche verstrickt. In seinem Büroschreibtisch fanden die "Vatileaks"-Fahnder einen Umschlag mit der Aufschrift "P. Gabriele persönlich". Darin waren Schriften, die allerdings keine sensiblen Informationen enthielten. Sciarpelletti machte während der Verhöre jedoch widersprüchliche Aussagen dazu, wie eng sein Kontakt zu dem damaligen Kammerdiener gewesen ist. Er konnte sich auch nicht genau erinnern, wie der Umschlag in seinen Besitz gekommen war. Am Ende des Prozesses war noch kurz von einem zweiten Umschlag die Rede.

Nach einem anonymen Hinweis aus dem Staatssekretariat des Vatikans wegen "häufiger Kontakte zwischen Gabriele und Sciarpelletti" waren die Ermittlungen eingeleitet worden. Der Prozess gegen Sciarpelletti war von dem Verfahren gegen den früheren Kammerdiener abgetrennt worden. Gabriele wurde am 6. Oktober zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er hatte bekräftigt, oft mit dem Programmierer gesprochen zu haben.

Der Kammerdiener hat seine Haft angetreten. Offen ist, ob und wann Benedikt Gabriele nach dem Diebstahl von geheimen Dokumenten unter anderem über Korruption und Vetternwirtschaft im Vatikan begnadigt. Italienische Medien spekulierten, der Papst habe sein Reuebekenntnis akzeptiert, er könne möglicherweise bis Weihnachten begnadigt sein.

Trotz Spekulationen in den Medien waren die Richter im Verfahren gegen den Kammerdiener zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser allein handelte und es keine Verschwörung gegeben habe. Die Untersuchungen zu der "Vatileaks"-Affäre dauern allerdings an, wobei noch mehrere Personen im Fokus der vatikanischen Ermittler stehen könnten.

Kammerdiener des Papstes

Die "Kammerdiener seiner Heiligkeit" gehören zur päpstlichen Familie (Seguito Papale), dem aus rund 30 Personen bestehenden engsten Kreis um den Pontifex. Sie sind im Vatikanstaat mit protokollarischen Aufgaben betraut.

Die nach katholischer Tradition freiwilligen Laien des päpstlichen Gefolges sind in der Regel Angehörige des Adels oder angesehener römischer Familien.

Unter den Dienern hat der persönliche Kammerherr des Papstes als "Majordomus" eine besondere Vertrauensstellung. Er hilft dem Oberhaupt der katholischen Kirche beim Anziehen, bedient ihn beim Essen und bereitet sein Schlafzimmer vor.

Er hat freien Zugang zu den Privatgemächern des Papstes und verwahrt alle Schlüssel zu Türen, Treppenhäusern und Aufzügen. Der persönliche Kammerdiener folgt dem Heiligen Vater bei Audienzen und begleitet ihn auf Reisen.

dpa
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