29.10.12

Termine abgesagt

Hurrikan "Sandy" wirbelt US-Wahlkampf durcheinander

Stürmischer Wahlkampf in Washington: Hurrikan "Sandy" fegt auch die Terminpläne von Obama und Romney ordentlich durcheinander.

Foto: AFP
Präsident Obama sprach von einem „ernst zu nehmenden und starken Sturm“ und rief die Menschen dazu auf, die Warnungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen
Präsident Obama sprach von einem "ernst zu nehmenden und starken Sturm" und rief die Menschen dazu auf, die Warnungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen

Washington. Der Wirbelsturm "Sandy" bringt den Wahlkampf der US-Präsidentschaftskandidaten durcheinander. Eine Woche vor dem Wahltag arbeiten die Teams der beiden Kandidaten auf Hochtouren im Ringen um die Wähler in den neun bislang als unentschlossen geltenden Staaten. Doch der nahende Wirbelsturm zwingt sie zu zahlreichen Absagen und Programmänderungen. Amtsinhaber Barack Obama muss das Krisenmanagement organisieren, Herausforderer Mitt Romney sammelt derweil Spenden für die Menschen vor Ort.

Die US-Medien berichten von einem "Killersturm", der auf die Ostküste des Landes zurast. Experten zufolge könnte der befürchtete Megasturm in einem 1.300 Kilometer breiten Streifen von der Ostküste bis zu den Großen Seen Chaos anrichten. In dem dicht besiedelten Gebiet von Virginia bis Massachusetts sind rund 50 Millionen Menschen von dem Hurrikan bedroht. Meteorologen warnen vor Sturmfluten, Schneestürmen und großflächigen Stromausfällen. Mit Virginia, North Carolina, Ohio und New Hampshire liegen überdies vier der neun umkämpften Swing-States in der voraussichtlichen Schneise des Wirbelsturms.

Obamas Wahlkampfteam sagte vorsorglich zahlreiche Termine für Montag und Dienstag ab, auch der Terminplan von Vizepräsident Joe Biden ist betroffen. Drei für Montag geplante Auftritte mit Ex-Präsident Bill Clinton ließ Obama ausfallen. Am Morgen sollte er lediglich in Florida eine Wahlkampfveranstaltung besuchen, bevor er für die Überwachung des Krisenmanagements zurück in Washington erwartet wurde. "Ich werde in den kommenden Tagen nicht so viel Wahlkampf machen können", sagte er am Sonntagabend zu Freiwilligen in Florida.

Obama verspricht unbürokratisches Krisenmanagement

Für den Amtsinhaber ist der nahende Wirbelsturm Chance und Gefahr zugleich. Einerseits kann der Präsident in der Krise seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen. Eine effiziente Reaktion auf das Unwetter könnte ihm Wählerstimmen einbringen. Andererseits ist vor dem Eintreffen des Sturms kaum abzuschätzen, welches Ausmaß die Zerstörung haben wird.

"Alles Notwendige wird bereit stehen", versprach Obama nach einer Unterrichtung durch den nationalen Katastrophenschutz. "Wir werden uns nicht in einer Fülle von Regeln verzetteln" sagte er und kündigte ein vorausschauendes und unbürokratisches Krisenmanagement an. In einer von CNN übertragenen Rede sprach er am Sonntag von einem "ernst zu nehmenden und starken Sturm" und rief die Menschen dazu auf, die Warnungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich an die Anweisungen der örtlichen Sicherheitskräfte zu halten.

Republikaner sammeln Spenden

Herausforderer Romney hatte das Thema bereits im Vorwahlkampf aufgegriffen. Bei einer Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber hatte er vor einigen Monaten angeregt, den Katastrophenschutz entweder vollständig in die Hände der Staaten zu legen, oder ihn zu privatisieren. "Das wäre sogar noch besser", hatte Romney gesagt. Sein zweiter Mann, Paul Ryan, hatte überdies Anfang des Jahres vorgeschlagen, die Mittel für den Katastrophenschutz um zehn Milliarden Dollar zu kürzen. Der Vorschlag setzte sich allerdings nicht durch.

Auch Romneys Wahlkampfteam sagte als Reaktion auf den Wirbelsturm mehrere Veranstaltungen am Sonntag und Dienstag ab. Auftritte in Ohio, Iowa und Wisconsin am Montag sollten dennoch stattfinden. In Virginia planten die Republikaner nach Angaben eines Parteivertreters unterdessen, Spenden für die von dem Hurrikan Betroffenen zu sammeln. Auch Obamas Team rief zu Spenden für das Rote Kreuz auf und kündigte an, keine Aufrufe zur Wahlkampfunterstützung mehr an Menschen im Hurrikan-Gebiet zu schicken.

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