29.10.12

Hurrikan "Sandy"

Sorge an US-Ostküste: Millionen fürchten "Sandy"

Städte wie New York und Washington rüsten sich für ein Jahrhundertunwetter. Der Betrieb von Firmen, Schulen und im Verkehr ist gestoppt.

Foto: DPA
Supersturm "Sandy"
Hurrikan "Sandy" nähert sich der US-Ostküste uns bedroht die Metropole New York

Washington/New York. Bereits vor seinem Eintreffen an der dicht besiedelten US-Ostküste hat Hurrikan "Sandy" das Leben von Millionen Amerikanern durcheinandergewirbelt. Mit beispiellosen Maßnahmen wappneten sich Bürger, Behörden und Unternehmen gegen das erwartete Jahrhundert-Unwetter: Aus Angst vor dem Monstersturm sollten allein in New York fast 400.000 Bewohner ihre Häuser verlassen, insgesamt bedrohte der Sturm fast 50 Millionen Menschen. Tausende Flüge wurden gestrichen, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. Auch der einzige Direktflug von Hamburg in die USA ist am Montag wegen Hurrikan "Sandy" gestrichen worden. Das bestätigte ein Sprecher des Flughafens. Auch der Abflug von Hamburg nach New York für Dienstag wurde wegen des Monstersturms gecancelt.

Auch haben die Kreuzfahrtschiffe "Queen Mary 2" und die deutsche "Aida Luna" den New Yorker Hafen verlassen, um den Sturm auf hoher See auszusitzen. Dort ist es für die Schiffe sicherer.

Die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf mehr als drei Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) belaufen.

Wetterexperten befürchten, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stoßen könnte. Diese Kombination könnte zum schwersten Unwetter seit August 1991 führen. Damals tötete Hurrikan "Bob" an der Ostküste vier Menschen und verursachte von South Carolina im Süden bis Maine im Norden hohe Schäden.

Vor der Präsidentenwahl am 6. November gefährdet "Sandy" auch Terminpläne im Endspurt des Wahlkampfs. Präsident Barack Obama rief für die Millionenmetropolen Washington und New York sowie die Bundesstaaten Maryland und Massachusetts den Notstand aus. Er sprach von einem gefährlichen Sturm. Bewohner sollten den Warnungen der Behörden folgen. Der Amtsinhaber will vor der Wahl unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan "Katrina" vor sieben Jahren vermeiden. Der damalige Präsident George W. Bush geriet 2005 heftig wegen der unkoordinierten Hilfe der Regierung in die Kritik.

Die Menschen in den betroffenen Bundesstaaten deckten sich mit Vorräten ein. Knapp wurden Wasserflaschen, Lebensmittel in Dosen, Taschenlampen und Batterien. In New York, Washington und Philadelphia wurden die öffentlichen Verkehrsnetze stillgelegt. Schulen, Unis, Büros, Läden, Lokale oder auch Theater blieben bis auf Weiteres geschlossen. Die Börsen in New York setzten den Handel aus, auch die Vereinten Nationen sagten ihren Betrieb für Montag ab.

Hurrikan "Sandy" soll am Montagabend (Ortszeit) irgendwo zwischen Washington und Boston auf Land treffen. Am frühen Montagmorgen (Ortszeit) befand sich "Sandy" mit Spitzengeschwindigkeiten von fast 140 Stundenkilometern im Innern (86 Meilen pro Stunde) noch etwa 600 Kilometer südöstlich von New York. Er bewegte sich mit etwa 24 Stundenkilometern, gewann aber an Fahrt.

Sowohl Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten Auftritte ab. Es gibt düstere Prognosen, nach denen der Sturm zu weit verbreiteten Stromausfällen führen wird, die bis zum Wahltag auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten. Andererseits bietet die Katastrophe den Wahlkämpfern auf der Zielgeraden eine neue Bühne.

Wetterkamera auf der Freiheitsstatue in New York dokumentiert Sturm "Sandy"

Um die Sicherheit der Händler und Angestellten nicht zu gefährden, ordnete die US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC in New York an, dass die bekanntesten Börsen der Welt, die New York Stock Exchange (NYSE) und die elektronische Börse Nasdaq, mindestens am Montag geschlossen blieben.

Die Schiffe der Navy, die im Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg forderte am Sonntag 375.000 Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen – vor allem in den niedriger gelegenen Stadtteilen im Süden Manhattans, darunter das bekannte Viertel Tribeca.

Auch für Inseln vor New York sowie für die Bewohner von Inseln vor New Jerseys Küste wie Long Beach Island gab es Evakuierungsbefehle. Vielerorts wurden Klassenräume zu Notunterkünften.

In der Karibik hatte "Sandy" nach jüngsten Angaben 67 Menschen in den Tod gerissen.

Hurrikan Sandy legt US-Ostküste lahmStepMap Hurrikan Sandy legt US-Ostküste lahm


Verheerende Wirbelstürme in den USA

Hurrikane wie "Sandy" treffen neben Mittelamerika und der Karibik auch immer wieder die USA. Beispiele aus den vergangenen Jahren:

August 2011: Hurrikan "Irene" bedroht die Ostküste. Mehrere Bundesstaaten erklären vorsorglich den Notstand. New York stoppt U-Bahnen sowie Schiffs- und Flugverkehr. Der Sturm, der in North Carolina mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern auf Land trifft, ist weniger verheerend als erwartet.

Dennoch gibt es große Schäden. Millionen sind zeitweilig ohne Strom. Mindestens 45 Menschen sterben. Die Stadt New York bleibt weitgehend verschont.

September 2010: Hurrikan "Earl" tobt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern vor der nordamerikanischen Ostküste. In mehreren US-Staaten wird der Notstand ausgerufen, für North Carolina sogar Katastrophenalarm.

Der Sturm schwächt sich aber ab und richtet keine größeren Schäden an. In Kanada kommt ein Mensch ums Leben.

September 2008: Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 170 Stundenkilometern und Überschwemmungen tobt der Hurrikan "Ike" über der texanischen Golfküste.

Mindestens 92 Menschen kommen ums Leben. 4,5 Millionen Menschen im Großraum Houston sind ohne Strom.

September 2005: Hurrikan "Rita" löst an der US-Golfküste in den Bundesstaaten Texas und Louisiana schwere Überschwemmungen aus. Der Sturm erreicht bis zu 200 Stundenkilometer.

Zwischenzeitlich müssen mehr als eine Million Menschen die Küstenregion verlassen. Mindestens 119 Menschen sterben.

August 2005: "Katrina" wütet in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötet mehr als 1800 Menschen.

New Orleans wird weitgehend zerstört. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verlieren ihr Hab und Gut.

Mit Material von dpa
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