Die anhaltende Gewalt in Syrien hat am Wochenende weitere Todesopfer gefordert. Die Uno forderte erneut, Beobachter ins Land zu lassen.

Washington/Damaskus/Beirut. Die gewalt in Syrien eskaliert zunehmend. Am Sonntag hat eine Gruppe von Syrern die Botschaft des eigenen Landes in der jordanischen Hauptstadt Amman angegriffen. Zwei Diplomaten und vier weitere Personen seien verletzt worden, teilte die Botschaft mit. Neun Angreifer seien festgenommen worden. Eine Bestätigung der jordanischen Polizei zu den Festnahmen lag zunächst nicht vor. Rund ein Dutzend Syrer hatten am Sonntagmorgen die Botschaft betreten und dort unter anderem einen Wachmann, den Konsul und einen weiteren Diplomaten zusammengeschlagen. Der Angriff stand im Zusammenhang mit der Protestbewegung gegen den syrischen Präsidenten Baschar Assad.

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Doch schon zuvor prallten Regimegegner auf Pro-Assad-Aktivisten. Die anhaltende Gewalt forderte am Wochenende weitere Todesopfer. Bei Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und Anhängern der Opposition kamen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Sonnabend und Sonntag mindestens 14 Menschen ums Leben. Angesichts der zahlreichen Berichte über Menschenrechtsverstöße forderten die Uno erneut, Beobachter ins Land zu lassen. Frankreich rief unterdessen die internationale Gemeinschaft zum Schutz des syrischen Volkes auf.

Am Sonntag wurden bei Gefechten zwischen den syrischen Streitkräften und abtrünnigen Soldaten mindestens zwei Menschen getötet. In der Ortschaft Kfar Tacharim im Nordwesten des Landes seien zudem zwei gepanzerte Militärfahrzeuge in Brand gesteckt worden, meldete die in London ansässige Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights. Die Örtlichen Koordinationskomitees berichteten von Gefechten in mindestens zwei Gebieten in der Provinz Daraa im Süden des Landes. Für Sonntag hatte die syrische Opposition aus Protest gegen die anhaltende Gewalt zu einem Generalstreik aufgerufen.

Am Sonnabend erschossen Angehörige der Regierungstruppen mindestens zwölf Menschen. Zum einen hätten die Soldaten Trauerzüge unter Beschuss genommen, zum anderen sei es zu Zusammenstößen zwischen Streitkräften und Deserteuren gekommen, berichteten Menschenrechtsaktivisten. Viele Tote habe es in der Stadt Homs gegeben, die zu den Hochburgen des Aufstands gegen die Regierung von Präsident Baschar Assad zählt. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, forderte Syrien unterdessen erneut auf, internationale Beobachter ins Land zu lassen. Zudem bekräftigte sie am Freitag die Sorge, dass der Konflikt in einen Bürgerkrieg ausarten könnte. Es sei wichtig, dass sich internationale Beobachter im Land selbst ein Bild über die Menschenrechtslage machen können, sagte sie.

Pillay bestätigte am Freitag auch eine Schätzung der syrischen Regierung, wonach bei den Unruhen im Land fast 1.000 Sicherheitskräfte ums Leben gekommen seien. Insgesamt rechne sie mit mehr als 4.000 Toten seit Beginn der Proteste vor neun Monaten. Nach Angaben von Aktivisten wurden am Freitag mindestens 24 Menschen von Sicherheitskräften getötet.

Aus Sorge vor einem Großangriff auf die Protesthochburg Homs rief Frankreich die internationale Gemeinschaft zum „Schutz des syrischen Volkes“ auf. Paris sei „tief besorgt“ angesichts von Informationen, nach denen eine größere Offensive der Streitkräfte gegen Homs geplant sei, teilte das Außenministerium am Samstag in einer Erklärung mit. Woher die Informationen stammten, war zunächst unklar.

(abendblatt.de/dapd)