Verschwundener Junge Streit um Jeremie: Behörde einigt sich mit Großeltern

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Bezirksamt Mitte bestätigt nach Gerichtstermin: "Verabredungen über Jeremies Betreuung getroffen". Sein Aufenthaltsort ist weiter unbekannt.

Hamburg. Für Mittwochnachmittag war er angesetzt, überraschend fand der Familiengerichtstermin der Großeltern A. des verschwundenen Jeremie aus Billstedt gegen das Jugendamt Mitte bereits am Dienstag um 10 Uhr statt. Hintergrund der Verlegung sei das zu erwartende Medienaufkommen bei dem nicht öffentlichen Verfahren gewesen, sagte eine Sprecherin des zuständigen Bezirksamts Hamburg-Mitte. "Es sind aber Verabredungen getroffen worden, wie es mit der Betreuung weitergehen soll." Der Termin, der für Mittwoch geplant war, sei vorgezogen worden.

Wo sich Jeremie derzeit aufhält, wisse das Bezirksamt nicht konkret, sagte die Sprecherin. Aber sie rechneten damit, dass es dem Jungen gut gehe: "Man kann davon ausgehen, dass er nicht durch kalte Winternächte irrt."

Die Eltern hatten bei Gericht ein erweitertes Besuchsrecht und die Genehmigung regelmäßiger Telefonate erstreiten wollten. Die Rechte waren eingeschränkt worden, nachdem ein Gutachter feststellte, dass Jeremie nach Kontakten mit der leiblichen Familie Rückschritte in seiner Entwicklung machte. Großvater Bruno A. sagte am Dienstag, dass er zunächst keine Angaben zum Ausgang des Verfahrens machen könne. Nur so viel: Man habe sich außergerichtlich geeinigt, und zwar über alle strittigen Punkte. Wie diese Einigung aussieht, wollte A. nicht sagen.

Bevor sich am Dienstagabend der Familienausschuss der Hamburger Bürgerschaft mit dem Fall beschäftigen wollte, hatte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) eine Überprüfung vergleichbarer Fälle angeordnet. Er sehe mit Sorge, dass Jugendämter immer wieder auf besondere Betreuungsarrangements bei auswärtigen Trägern zurückgriffen. Daher appellierte Scheele an Hamburger Einrichtungen, geeignete Angebote für Kinder wie Jeremie zu schaffen, "damit wir künftig auf Lösungen wie die Unterbringung im einem Zirkus nicht mehr angewiesen sind".

Nach Angaben des zuständigen Neukirchener Erziehungsvereins wurden zwölf weitere Kinder und Jugendliche aus der Hansestadt an ähnlichen Orten untergebracht. Der Verein aus Nordrhein-Westfalen – in Hamburg hatten laut Scheele sechs Träger die Aufnahme des Kindes abgelehnt - verteidigte Jeremies Unterbringung in dem Wanderzirkus. Der Junge habe in den knapp zwei Jahren im Zirkus sehr gute Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Unterstützung erhielt der Verein vom Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik, der eine "Versachlichung" der Debatte forderte.