07.01.13

Bildung

Gymnasium kündigt chinesischer Schule in Hamm

Kinder hinterließen nach Ansicht des Rektors zu viel Unordnung. Deshalb müssen die Lehrer in Hamm nun neue Räume suchen.

Von Geneviève Wood
Foto: Juergen Joost
Chinesische Schule
Xiaoping Sun, Vorstand der Hanhua Chinesisch-Schule, die am Gymnasium Hamm sieben Jahren lang die Klassenräume genutzt hat. Sie ist eine der ältesten chinesischen Schulen in Europa

Hamburg. Eigentlich hat die Hanhua Chinesisch-Schule in Hamburg in diesem Jahr allen Grund zum Feiern. Seit 20 Jahren schon vermitteln die Lehrer dort die chinesische Sprache in Wort und Schrift. Die Kinder im Alter von drei Jahren bis hin zu Abiturienten können Kurse in Kunst, Musik und Sport besuchen. Sie ist damit eine der ältesten chinesischen Schulen in Europa. Doch das neue Jahr beginnt nicht gut: Die Zukunft der Schule ist ungewiss. Die Schulleitung sucht dringend neue Räume, da ihre bisherigen Klassenräume am Gymnasium Hamm überraschend gekündigt wurden.

Jeden Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr nutzen mehr als 300 Kinder zwölf Klassenräume am Gymnasium Hamm. Die Kinder kommen aus der gesamten Metropolregion Hamburg, sie lernen die chinesische Kultur und Geschichte kennen. Es gibt Deutschkurse für die Eltern. Mehr als 30 Prozent der Schüler sind nicht chinesischstämmig sondern deutsch. Mit nur einer Handvoll Schülern vor 20 Jahren gestartet, sind im Laufe der Jahre immer mehr Kinder und Lehrer hinzugekommen.

Seit sieben Jahren nutzt die Sonntagsschule die Räume in Hamm. "Dieser Sonntag ist für viele Eltern und Schüler zu einem unverzichtbaren Integrationstreffpunkt in Hamburg geworden", schreibt Kaifen Zhou, Gründerin und Leiterin der Hanhua Chinesisch-Schule in einem Brief an Schulsenator Ties Rabe (SPD). Beigefügt waren 300 Unterschriften von Eltern, Lehrer und Schülern mit der Bitte um ein klärendes Gespräch und Hilfe. Denn: Sven Kertelhein, Schulleiter am Gymnasium Hamm, hatte den Chinesen die Räume Mitte November zum Jahresende gekündigt. Der Grund dafür: Die Schüler machten zu viel Unordnung, die Reinigung der Räume sei zu aufwendig.

In einem Brief an Kaifen Zhou schrieb Schulleiter Kertelhein im November: "So waren Räume unbeaufsichtigt und offen, es wurde direkt vor dem Schulgebäude geraucht, und mehrere Autos hatten den Fluchtweg und die Feuerwehrzufahrt dauerhaft versperrt. Da ich mich offensichtlich nicht darauf verlassen kann, dass Regeln eingehalten werden, werden wir die Zusammenarbeit beenden."

Weil die Vorkommnisse Kertelheins Meinung nach so schwerwiegend seien, müsste es zu einer sofortigen Stilllegung des Betriebes der chinesischen Schule kommen. "Ab dem 1.1.2013 wird die chinesische Schule nicht mehr an diesem Standort unterrichten können", heißt es weiter.

Mit der Kündigung war Schulleiter Sven Kertelhein ein wenig zu forsch. Jedenfalls hat ihn die Schulbehörde nach Potesten von Schulleitung und Eltern ausgebremst. Die vorgenommene Kündigung war nicht mit der Schulbehörde abgestimmt und musste zurückgezogen werden. Gleichzeitig wird die Schulbehörde bei der Suche nach einem neuen Standort behilflich sein, auch wenn die Aussichten vage seien.

Am 19. Dezember gab es in der Schulbehörde ein erstes Schlichtungstreffen. "Dort begründete Herr Kertelhein seine Kündigung nicht mehr mit der Unordnung, sondern vor allem mit finanziellen Gründen, da die Lebensdauer vom Gebäude und der Fenster wegen unserer Nutzung erheblich gekürzt wird", so Kaifen Zhou. Ärger mit Schulleiter Kertelhein gab es immer wieder. "Seit dem Amtswechsel in der Leitung des Gymnasiums vor etwa drei Jahren erhebt Herr Kertelhein ständig neue Forderungen. Gesprächsangebote wurden brüsk abgelehnt. So kann man mit uns nicht umgehen", sagt Schulgründerin Kaifen Zhou. Wie berichtet, ist Sven Kertelhein Leiter von Hamburgs wohl strengster Schule. Am Gymnasium Hamm hat er mit dem Kollegium, den Eltern und in Abstimmung mit der Schulbehörde vor zweieinhalb Jahren klare Regeln für all das eingeführt, was den Schulalltag stören kann. So müssen Handys auf dem gesamten Schulgelände ausgeschaltet bleiben, wer sich auf dem Pausenhof prügelt, bekommt ein Schreiben für die Eltern mit nach Hause. Nicht gemachte Hausaufgaben oder vergessenes Schulmaterial werden mit roten Punkten im Schülerbuch vermerkt.

PR-Managerin Alexandra von Rehlingen, deren jüngster Sohn seit vielen Jahren am Wochenende am Chinesisch-Unterricht teilnimmt, ist empört. "Ich bin ein großer Verfechter vom Lob der Disziplin, aber in diesem Fall richtet der Direktor mehr Schaden an als Nutzen." Es sei ein gravierender Fehler, diese für Hamburg so wichtige chinesische Institution derart vor den Kopf zu stoßen. "Es ist sicherlich im Sinne der Stadt Hamburg, dass so eine Förderung und Verbindung zur Partnerstadt Shanghai aufrecht erhalten bleibt und der damit verbundene wichtige kulturelle Austausch zwischen Europa und China einen Standort in Hamburg behält." Die Hanhua-Schule hat eine langjährige Partnerschaft mit einer Highschool in Shanghai.

"Die große Bedeutung solcher Schulen für unsere asiatischen Partner und ihre Familien wird offenbar immer noch unterschätzt", sagt Harald N. Clapham, Zweiter Vorsitzender des Schulvereins Hanhua Chinesisch-Schule. Hamburgs viel beschworene China-Kompetenz bröckele. "Statt alle zwei Jahre Alibi-China-Wochen zu veranstalten, sollten solche zukunftsweisenden Bildungsinitiativen der Migranten mit chinesischem Hintergrund in Hamburg endlich wahrgenommen werden", so Clapham.

Kaifen Zhou hofft nun auf einen alternativen Standort. Ihr Traum wäre ein leer stehendes Gebäude, so könnte an der Schule nicht nur sonntags, sondern auch wochentags unterrichtet werden. "Langsam könnten wir unsere Schule zu einem chinesischen Kulturzentrum ausbauen."

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