Hamburg Arztpraxen wegen besonderer "Fortbildung" geschlossen

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Streiks im klassischen Sinne sind Ärzten nicht erlaubt. Um im Streit um Honorare mit den Krankenkassen trotzdem Druck zu erzeugen, wurde ein Treffen aus den Abendstunden deutlich "vorgezogen".

Daniel Schäfer

Über 800 Ärzte sind an diesem Mittwoch im Audimax der Universität Hamburg zu einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema Notfallmedizin und Erstversorgung zusammengekommen. Mit der bewussten Terminierung während der regulären Praxisöffnungszeiten demonstrieren die Mediziner gegen die Honorarpolitik der gesetzlichen Krankenkassen. Rund 600 Praxen blieben aus diesem Grund am Mittwochvormittag geschlossen. Ein Streik also?

"Es ist kein Streik, Fortbildungen sind unsere vertragsärztliche Pflicht", sagt Jochen Kriens, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH). "Wir wollen ein bewusstes Signal setzen." Er ist empört: "Ein Drittel aller Leistungen werden ohne Honorar erbracht."

"Streiks sind immer ein heikles Thema", sagt der stellvertretende KVH-Vorsitzende Stephan Hofmeister und betont, dass die ärztliche Versorgung in Hamburg selbstverständlich gewahrt sei. Ein Streik sei das nicht. "Wir haben lediglich eine Fortbildung, die sonst in den Abendstunden nach Praxisschließung stattfinden würde, vorgezogen, um auf die laufenden Honorarverhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen aufmerksam zu machen." Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte klagen über gesunkene Honorare, während sie gleichzeitig immer mehr Patienten behandeln müssten.

"Wir fordern nicht mehr Einkommen, sondern Umsätze", sagt Hofmeister. "Die Krankenkassen sitzen auf ihren Geldsäcken." Das Praxissterben nehme immer mehr zu. Die Kassenärztliche Vereinigung fordert von den Krankenkassen, Kürzungen zurückzunehmen und einen Ausgleich für nicht honorierten Leistungen anzubieten.

Weil ein mobiler Notfalldienst unterwegs war, verlief die Schließung der Arztpraxen überwiegend ohne Beschwerden. Das soll auch so bleiben, mahnt Kerstin Hagemann von der Patienteninitiative. "Der Streit darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. Ärzte und Krankenkassen müssen das unter sich regeln, ohne die Versorgung der Patienten zu gefährden."