26.11.12

Aluminiumhersteller

Trimet baut Standort aus - Neue Jobs in Hamburg

Die Essener Trimet-Gruppe will bis zu 15 Millionen Euro in das Hamburger Aluminiumwerk investieren und neue Jobs schaffen.

Von Rolf Zamponi
Foto: HA / A.Laible
Trimit Aluminiumwerk
In dem Hamburger Trimet-Werk werden jährlich rund 130 000 Tonnen Aluminium hergestellt. Die Produktion verschlingt so viel Strom wie die rund 200 000 Einwohner der Stadt Lübeck

Hamburg. Unter dem Dach der Halle F 23 laufen zwei Kräne auf ihren Schienen - direkt über einem riesigen Backofen. Dort unten, in den knapp 300 rechteckigen Schächten, werden 1,2 Tonnen schwere Quader aus Kohlenstoff gebrannt. Jetzt fährt einer der Kranführer einen Greifer aus und zieht wie mit einer übergroßen Pinzette sieben schwarze Blöcke nach oben. Für ihre Herstellung nutzt der gerade eingerichtete Anoden-Brennofen im Hamburger Aluminiumwerk auch die während des Backens entstehende Abgase. "Für die Anlage haben wir 25 Millionen Euro investiert", sagt Jörg Prepeneit, der Leiter des Hamburger Werks der Essener Trimet-Gruppe. "Sie ist die modernste der Welt."

Die Kohlenstoffblöcke sind für das Werk in Hamburg eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Produktion von 130 000 Tonnen Aluminium im Jahr. Denn das weltweit am meisten verbreitete Metall lässt sich nur verbunden mit Sauerstoff als Oxid fördern. Die Industrie braucht daher ein Elektrolyseverfahren, um die Elemente zu trennen. Dafür lässt Produktionsleiter Andreas Lützerath Starkstrom durch die 270 Öfen in den drei Hallen des Werks fließen und lädt die in den Öfen eingesetzten Kohlenstoffblöcke positiv auf. Sie ziehen die Sauerstoffteilchen an und verbrennen mit ihnen bei mehr als 900 Grad. Das flüssige Aluminium sammelt sich dagegen, angezogen von den negativ geladenen Kathoden, rot glühend am Boden in den Ofenwannen.

Mit dem neuen Ofen kann das Hamburger Werk, das jährlich 72 000 Anoden pro Jahr verbraucht, komplett versorgt werden. Weitere 50 000 sind für die zweite Aluhütte der Trimet-Gruppe in Essen bestimmt. "Wir könnten die Produktion noch erweitern." Erste Planungen für die Expansion gibt es bereits. Sie würde noch einmal zehn bis 15 Millionen Euro kosten und Hamburg als Standort weiter stärken. "Bisher haben wir in diesem Jahr 50 neue Jobs geschaffen", freut sich Trimet-Vorstandschef Martin Iffert. Mit der neuen Investition kämen weitere zu den derzeit gut 300 Arbeitsplätzen hinzu. Der Kurs ist klar. Der Manager will den Essener Familienkonzern in diesem Geschäftsjahr wieder in die schwarzen Zahlen steuern. Noch 2011/2012 (zum 30. Juni) rutschte das von Heinz-Peter Schlüter 1985 gegründete Unternehmen bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro erstmals mit 44 Millionen Euro in die Verlustzone. Der Hauptgrund dafür waren die nach der Fukushima-Katastrophe und dem Abschalten von Atomkraftwerken gestiegenen Strompreise. "Die roten Zahlen sollen ein einmaliger Ausrutscher bleiben", sagt Iffert.

Doch die Energiekosten werden auch künftig für die gesamte Gruppe über Gewinn und Verlust entscheiden. So fließen beim größten Verbraucher Hamburgs zwei Milliarden Kilowattstunden im Jahr durch armdicke Leitungen - so viel wie in Lübeck mit seinen mehr als 200 000 Einwohnern oder ein Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs. "Bei diesen Mengen sind wir auf Ausnahmeregelungen der Bundesregierung beim Strompreis angewiesen", sagt Iffert. Denn im internationalen Wettbewerb mit Hütten in den USA oder in den Staaten des Mittleren Ostens können die höheren deutschen Kosten nicht an die Kunden weitergegeben werden. Schon ein Cent pro Kilowattstunde mehr bedeutet für Trimet zusätzliche Ausgaben von 50 Millionen Euro. Das entspricht dem Gewinn der Gruppe in guten Jahren.

Jetzt setzt der Trimet-Vorstandschef darauf, dass die Bundesregierung der energieintensiven Industrie vom kommenden Jahr an einen großen Teil der Kosten erstattet, die die Energieriesen für den Kauf von CO2-Zertifikaten berechnen. Dazu wird das Werk auch künftig fast gänzlich von den Abgaben für erneuerbare Energien befreit. Iffert zahlt nur 0,05 Cent pro Kilowattstunde statt mehr als fünf Cent, die von 2013 an auf jeden Verbraucher zukommen. "Ohne diese Erleichterung würden allein auf Hamburg zusätzliche Kosten von 125 Millionen Euro entfallen. Dann müsste ich sofort schließen."

Anlass zu solchen Befürchtungen bestehen derzeit zwar nicht. "Die Unsicherheit über die politische Entwicklung ist aber in der Belegschaft zu spüren", sagt Betriebsratschef Bernd Siemon. Immerhin machte das Werk schon 2005 einmal Schlagzeilen, weil es als Erstes in Deutschland wegen der hohen Energiekosten geschlossen wurde. Erst im letzten Moment rettete Trimet-Eigner Schlüter die Arbeitsplätze und ließ die Öfen vom 5. März 2007 wieder anfachen. "Es geht weiter. Danke", heißt es noch immer auf einem gelben Plakat an einem zum Werk führenden Förderband auf dem Weg zum Standort.

Die Beschäftigten hoffen nun auf bessere Zeiten. Immerhin erhalten sie nun vom 1. Januar an die Mitte 2012 von der Gewerkschaft BCE ausgehandelte Lohnerhöhung von 4,5 Prozent. "Auf zwei Prozent davon und einen Teil der Jahresleistung haben wir in diesem Jahr verzichtet", sagt Siemon. Als Gegenleistung soll nun das 13. Gehalt wieder auf bis zu 125 Prozent eines Monatsentgelts steigen. Verhandelt wird zudem über flexible Arbeitszeiten und zusätzliche freie Tage für Überstunden.

"Die Perspektiven für die Aluminiumproduktion in Deutschland sind, politische Unterstützung vorausgesetzt, gut", ist Iffert überzeugt. Das Metall wird nicht nur für leichtere Automobilkarosserien, sondern auch im Maschinenbau, für Elektrotechnik wie Laptops oder Computer, Verpackungen wie Kaffeepads oder Hochspannungsleitungen gebraucht. Allein für den Bedarf der Energiewende rechnet er bis 2020 mit zusätzlich einer Million Tonnen. Zum Vergleich: Die Jahresproduktion in Deutschland beträgt derzeit rund 400 000 Tonnen.

Auch direkt will sich Trimet auf die Wende einstellen. Ziel: Der derzeit kontinuierliche Produktionsprozess soll an das schwankende Aufkommen von Strom aus Wind und Sonne angepasst werden. "Mit dem Wind tanzen", nennt das Iffert. Schon in zwei Jahren hofft er, ein erstes Pilotprojekt starten zu können, bei dem Stromüberschüsse wie in einer Batterie in die Leitungen der Werke fließen sollen. Für einen ersten Versuch wären etwa 3,5 Millionen Euro nötig. Iffert verhandelt an mehreren Stellen um Zuschüsse. "Wir setzen vor allem auf eine Förderung von der EU."

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