TV-Meteorologe Jörg Kachelmann

Vom Hoch ins Tief für Wetterfrosch Kachelmann

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Die Popularität des Fernseh-Meteorologen Jörg Kachelmann ist groß. Über sein Privatleben war jedoch bisher wenig bekannt.

Hamburg. Der 26. Februar 2002 war für viele Deutsche ein schlimmer Tag. Der Orkan „Anna“ wütete in Norddeutschland und hinterließ große Schäden. Das meteorologische Tief münzte Jörg Kachelmann in ein persönliches Hoch um. Weil der Deutsche Wetterdienst (DWD) nicht rechtzeitig auf die verheerende Wetterlage hinwies, entschloss sich die ARD, künftig auf Kachelmanns Firma Meteomedia und ihre Voraussagen zu setzen - ein Glückstag für den TV-Meteorologen, dessen Firma inzwischen 120 Mitarbeiter hat. „Mir ist wirklich egal, wie das Wetter wird. Hauptsache, es wird so, wie wir es vorausgesagt haben.“ Dieser Spruch wird Wetterfrosch Kachelmann zugeschrieben.

Seine Popularität ist groß, aber sein Ruf zwiespältig: Wetterexperten haben das Problem, dass sie gehasst werden, wenn es regnet, und geliebt, wenn die Sonne scheint. Das ist so ähnlich wie beim Fußballreporter. Wenn die deutsche Nationalmannschaft gewinnt, schwimmt auch Reinhold Beckmann auf der Euphoriewelle mit. Wenn das Team verliert, ist auch er daran schuld. Zu Kachelmanns durchwachsenem Image tragen freilich auch andere Faktoren bei: Nicht jeder mag sich für das flaumartige Gekräusel zwischen Nase und Kehlkopf erwärmen. Nicht jeder mag diese Anzüge, die an sich nicht schlecht sind, aber bei einem Mann mit so schlaksiger Figur einfach nie richtig sitzen können. Und sein Humor? Ist auch nicht gerade jedermanns Sache. „Trotz Viagra - da ist auch bei Opa noch ein bisschen Platz in der Badehose“, sagte Kachelmann einmal über die Ostseetemperatur. Zum Gesprächsstoff taugen diese kleinen Merkwürdigkeiten jedenfalls allemal. Und über wen geredet wird, der rückt in der bunten, gierigen TV-Welt schnell in Richtung Kult. Aber: „Selten hat sich jemand schneller zur Kultfigur gemacht und dieses Image nervtötender ausgeschlachtet als Kachelmann“, schrieb die Jugendbeilage „jetzt“ der „Süddeutschen Zeitung“.

Doch trotzdem hat seine Direktheit Charme: Nett ist es, wenn er statt „Niederschlag“ sagt: „Es schifft“. Unglaubliche viele Abrufe hat der Wetterbericht beim Videoportal YouTube, als Studiokater Lupin durchs Bild läuft, Kachelmann ihn an sich schmiegt und weiterplaudert. „Supersüß“, schwärmt eine Kommentatorin. Seine Karriere spiegelt die Ecken und Kanten wider, die sein Auftreten schon vermuten lassen. Der gebürtige Lörracher studierte in Zürich Geografie, Mathematik und Physik. Er brach kurz vor dem Examen ab und begann ein Volontariat bei der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“. Dort machte Kachelmann rasch Karriere und brachte es zum stellvertretenden Chefredakteur. Schon damals muss er mächtig gebohrt haben. Einige Quellen berichten davon, dass er dem damaligen Südwestfunk über Jahre Wettervorhersagen gefaxt haben soll, bis der Sender nachgab und mit ihm zusammenarbeitete. „Jahrelang war es nicht, aber monatelang“, räumte Kachelmann vor rund zwei Jahren in einem Interview ein. „Das war Anfang der 90er Jahre. Ich hatte gerade zusammen mit Christian Häckl, der heute bei RTL das Wetter präsentiert, in St. Gallen in einem Bauernhaus eine Wetterstation eingerichtet. Und wie sollen ein Schweizer und ein Österreicher von einem derart abgelegenen Ort öffentlich deutlich machen, dass sie was können? Da haben wir eben gezeigt, was wir konnten.“

Mit Unterbrechungen moderierte er die MDR-Talkshow „Riverboat“. Sein Griff nach der ARD-Show-Krone schlug fehl, die Neuauflage von Joachim Kulenkampffs Quiz „Einer wird gewinnen“ wurde 1998 nach drei Folgen eingestellt. Auch in der Werbung tauchte Kachelmann auf und warb jahrelang für einen Joghurt-Drink. Sein persönlicher Einsatz gegen häusliche Gewalt hat angesichts der Vergewaltigungsvorwürfe einen schalen Beigeschmack bekommen. Wie geht es weiter mit dem Hansdampf, der sich - ob schuldig oder nicht - sicher nicht ohne Blessuren aus den aktuellen Ereignissen retten wird? Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Die Beziehung zu der Frau, die ihn anzeigte, soll nach Auskünften ihres Anwalts bereits fast zwölf Jahre andauern. Der oft bei solchen Anlässen herangezogene Medienexperte Jo Groebel sagte dem Radiosender 104,6 RTL, es gebe „einen schweren Imageschaden“ für Kachelmann. Auch bei Roman Polanski werde nach 30 Jahren immer noch darüber geredet. Ist die Medienkarriere am Ende? Während Kachelmann noch hinter Gittern schmort, geht das Leben in der Meteorologenwelt weiter: Zum 60. Mal jährte sich am Dienstag der Welttag der Meteorologie.