Hamburg. Das Verfahren und die notwendigen Gründe für die Anordnung von Untersuchungshaft (U-Haft) sind in Deutschland in der Strafprozessordung festgelegt. Paragraf 112 schreibt vor, dass ein Ermittlungsrichter dann einen Haftbefehl ausstellen kann, wenn der Beschuldigte dringend tatverdächtig ist und zudem ein Haftgrund vorliegt, also zum Bespiel eine konkrete Flucht- oder Verdunkelungsgefahr besteht. Letztere bedeutet, dass der Tatverdächtige in Freiheit Beweismittel vernichten oder Zeugen beeinflussen könnte. Bei Jörg Kachelmann wurde die U-Haft allerdings angeordnet, da der Moderator in der Schweiz wohnt und somit Fluchtgefahr bestand. Der Begriff "dringender Tatverdacht" ist aber ebenso entscheidend.

Gäbe es keine Beweise, mit denen dem Beschuldigten mit hoher Wahrscheinlichkeit die Tat nachzuweisen ist, würde auch die Fluchtgefahr als Haftgrund allein nicht reichen. Zudem hätte der Richter den Haftbefehl aussetzen und stattdessen anordnen können, dass Jörg Kachelmann sich regelmäßig bei den Behörden melden muss. Auch Hausarrest wäre denkbar gewesen, um eine Flucht zu verhindern. Allerdings sind die Vorwürfe gegen den Moderator offenbar schwerwiegend. Sollte er wegen Vergewaltigung verurteilt werden, droht ihm mehr als ein Jahr Haft. Der Beschuldigte kann nun eine Haftprüfung beantragen, um eine Aufhebung des Haftbefehls zu erreichen. Bis dahin wird er allerdings im Gefängnis bleiben müssen, da keine Kaution festgelegt wurde.