Nach Rücktritt wegen Liebesbeziehung

Ex-Abgeordneter vermutet Intrige gegen Boetticher

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Nach Rücktritt Christian von Boettichers wegen einer Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen vermutet ein Ex-Abgeordneter eine Intrige.

Kiel. Schleswig-Holsteins CDU hat keine drei Tage nach dem Rücktritt Christian von Boettichers alle seine Posten neu vergeben. Zum neuen Fraktionschef soll heute der Wirtschaftspolitiker Johannes Callsen, 45, gewählt werden, ein Vertrauter des künftigen Parteichefs und Spitzenkandidaten Jost de Jager, 46. Derweil schießen Spekulationen über eine mögliche Intrige gegen von Boetticher ins Kraut.

"Möglicherweise sind die Motive derjenigen, die die Liebesaffäre mit der 16-Jährigen offengelegt haben oder haben offenlegen lassen, nicht ganz die wahren Motive", sagte der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Trutz Graf Kerssenbrock dem Deutschlandradio Kultur. In der Partei herrschte Unmut darüber, dass Ministerpräsident Peter Harry Carstensen von Boetticher zum Nachfolger auserkoren hatte, obwohl etliche CDU-Abgeordnete eine geringe Meinung von dessen Fähigkeiten hatten. Vermutet wird unter anderem, dass Christdemokraten aus Rendsburg-Eckernförde, der politischen Heimat von Nachfolger de Jager, hinter der Indiskretion stehen könnten.

Schleswig-Holstein, affärenumschlungen

Das Privatleben von Boettichers bleibt zudem rätselhaft. Er hält nach Angaben seines Beraters an der Darstellung fest, dass er während der Liaison mit der Jugendlichen keine Beziehung zu einer anderen Frau hatte. Mehrere Medien hatten über eine Heiratsurkunde aus den USA berichtet, wonach er im Oktober 2010 - nach Ende seiner Beziehung zu der 16-Jährigen - die Hamburger CDU-Referentin Anna Hinze, 34, heiratete. Mit Hinze war von Boetticher auch vor der Affäre mit der Jugendlichen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Sie galt als seine Lebensgefährtin.

Jost de Jager im Interview: "Ich sehe mich nicht als zweite Wahl"

Die Junge Union Schleswig-Holstein drückt in einer Pressemitteilung trotz allem ihre "tiefe Dankbarkeit" für Boetticher aus. Er habe "über Jahrzehnte hart für die Anliegen der CDU und nicht zuletzt der Jungen Union gearbeitet. Wir sind ihm für seine Leistungen dankbar und zeigen tiefen Respekt für seine Entscheidung, von den Spitzenämtern zurückzutreten."