Impfaktion gegen Virus in Hamburgs Praxen

Schweinegrippe: Das kommt alles auf uns zu

Warum sollte man sich schützen? Wer ist besonders gefährdet? Darüber sprach das Abendblatt mit einem Hamburger Experten.

Gestern ist in Hamburg die Impfaktion für alle Bürger gegen die Schweinegrippe gestartet worden. Aber noch sind viele unsicher, ob sie sich schützen lassen sollen. Über Nutzen und Risiken der Impfung sprach das Abendblatt mit dem Spezialisten Prof. Andreas Plettenberg, dem Leiter des ifi-Instituts für Infektionskrankheiten, einer der 15 Schwerpunktpraxen in Hamburg, in denen man sich impfen lassen kann.



Hamburger Abendblatt: Warum sollte man sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen?


Prof. Andreas Plettenberg: Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen, um zu verhindern, dass man selber erkrankt. Zweitens sollten möglichst viele Menschen dazu beitragen, dass der Erreger sich nicht weiter ausbreitet.


Hamburger Abendblatt: Mit welchem Impfstoff würden Sie sich impfen lassen?


Prof. Plettenberg: Ich bin bereits mit dem Impfstoff Pandemrix geimpft, der auch für die breite Bevölkerung vorgesehen ist. Der enthaltene Impfverstärker soll dazu beitragen, dass der Impfstoff auch dann noch eine ausreichende Wirksamkeit hat, wenn das Virus sich verändert. Ein weiteres Argument für die Beschaffung eines Impfstoffes mit einem Verstärker ist, dass geringe Impfdosen erforderlich sind und somit die erforderliche Impfstoffmenge schneller zur Verfügung gestellt werden kann.


Hamburger Abendblatt: Welche Nebenwirkungen können auftreten?


Prof. Plettenberg: Die Nebenwirkungen sind die gleichen wie bei der jährlichen Grippeschutzimpfung. Das heißt, an der Injektionsstelle können Schmerzen, Schwellung und Rötung auftreten. Allgemeine Nebenwirkungen sind Müdigkeit, leicht erhöhte Temperatur und Abgeschlagenheit. Diese Nebenwirkungen bilden sich in der Regel nach ein bis zwei Tagen zurück. Wenn Nebenwirkungen bedrohlich erscheinen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Durch den Impfstoffverstärker treten Nebenwirkungen wohl häufiger auf als bei Impfstoffen ohne diese Zusatzstoffe. Aber dieses Risiko ist bei dem Nutzen der Impfung vertretbar.


Hamburger Abendblatt: Es wird empfohlen, dass chronisch Kranke zuerst geimpft werden. Welche Krankheiten sind damit gemeint?


Prof. Plettenberg: Das sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege wie zum Beispiel Asthma, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, aber auch Schwächen des Immunsystems wie bei HIV-Infektion.


Hamburger Abendblatt: Was empfehlen Sie für Schwangere und Kinder?

Prof. Plettenberg: Der Impfstoff, der jetzt verwendet wird, ist für Schwangere nicht untersucht. Deswegen hat die Ständige Impfkommission (Stiko) für Schwangere eine andere Impfstoffart, einen Spaltimpfstoff ohne Wirkstoffverstärker empfohlen. In den USA wurden dafür ausreichende Erfahrungen gesammelt. Solch ein Impfstoff ist in Europa bisher noch nicht zugelassen. Die Bundesregierung bemüht sich aktuell darum, diesen Impfstoff in den USA zu beschaffen. Also: bei Schwangeren im Regelfall zunächst abwarten. Bei sehr dringlicher Notwendigkeit kann auch Pandemrix angewendet werden, das auch dafür zugelassen ist. Dies ist dann im Einzelfall zu entscheiden. Auch wenn der Impfstoff für Kinder ab dem 7. Lebensmonat zugelassen ist, liegen bisher nur wenige Studiendaten für Kinder vor. Deshalb empfiehlt die Stiko, bei Kindern ohne Grunderkrankungen zunächst abzuwarten, bis mehr Daten vorliegen. Bei Kindern mit chronischen Erkrankungen muss ebenfalls im Einzelfall entschieden werden.


Hamburger Abendblatt: Warum ist die Impfung nicht beim Hausarzt möglich?


Prof. Plettenberg: Wie geimpft wird, hat jedes Bundesland entsprechend der jeweiligen Rahmenbedingungen für sich entschieden. Für Hamburg wurde dies durch die Gesundheitsbehörde festgelegt. Wie immer gibt es für jede Vorgehensart Argumente pro und kontra. Für das Impfen durch ausgewählte Einrichtungen spricht u. a. der Umstand, dass immer zehn Impfdosen gemeinsam angemischt werden müssen, die dann innerhalb von 24 Stunden zu verbrauchen sind. Das Impfen durch wenige Einrichtungen soll dazu beitragen, dass weniger Impfstoff verfällt, also möglichst keine Ressourcen verschwendet werden.

Für weitere Informationen zu der Schweinegrippe-Impfung hat die Stadt eine Bürgerhotline unter der Rufnummer 040/4283-73795 eingerichtet.