Keine Zusatzmittel

Schweinegrippe-Impfung: Werden Soldaten bevorzugt?

Bundeswehr-Soldaten sollen einen Impfstoff ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe erhalten. Ministerin Schmidt nennt alle Mittel sicher.

Frankfurt/Main. Kurz vor der geplanten Massenimpfung gegen Schweinegrippe ist eine Debatte über eine mögliche Bevorzugung der Bundeswehr entbrannt. Die Soldaten sollen einen Impfstoff ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe bekommen, wie der Sanitätsdienst der Bundeswehr am Montag in München bestätigte. Für die übrige Bevölkerung sollen auch Impfstoffe mit diesen umstrittenen Substanzen eingesetzt werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt betonte, alle bestellten Impfstoffe seien sicher.

In der EU sind bislang drei Impfstoffe gegen die Schweinegrippe oder Neue Grippe (H1N1) zugelassen: Focetria, Pandemrix und Celvapan. Focetria und Pandemrix enthalten verstärkende Zusatzstoffe, sogenannte Adjuvanzien. Da diese bislang an vergleichsweise wenigen Patienten erprobt wurden, empfiehlt etwa die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, für Kinder und Schwangere Impfstoffe ohne Verstärker zu verwenden.

Schmidt erklärte am Rande eines EU-Gesundheitsministertreffens in Luxemburg, wer welchen Impfstoff erhalte, richte sich nach dem Zeitpunkt der Lieferung. Alle drei Impfstoffe seien sicher. Zwar räumte Schmidt ein, für Schwangere werde ein Impfstoff ohne Verstärker empfohlen. Das Bundesgesundheitsministerium stellte aber klar, dies bedeute nicht, dass Celvapan für Schwangere besser geeignet wäre als Focetria oder Pandemrix.

Der Hintergrund: Celvapan kommt nur deshalb ohne die umstrittenen Verstärker aus, weil es eine größere Konzentration an inaktivierten Schweinegrippen-Viren enthält als die beiden anderen Impfstoffe. Die ideale Lösung für Schwangere wäre nach Ansicht einiger Experten ein insgesamt schwächerer Impfstoff, der bislang aber nicht zur Verfügung steht. Nach Einschätzung der Bundesregierung sind dennoch alle vorhandenen Impfstoffe sicher. „Die Aufregung, die da heute entstanden ist, ist mit überhaupt nichts zu rechtfertigen“, betonte Gesundheitsministerin Schmidt.

Dagegen erklärte der Virologe Alexander Kekule, der von der Bundeswehr bestellte Impfstoff Celvapan habe geringere Nebenwirkungen und sei deshalb viel geeigneter als die anderen Impfstoffe. Bund und Länder hätten insofern falsch eingekauft, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Die Situation sei aber noch zu retten, wenn man bei den bereits bestellten Mitteln den Verstärker weglasse, der erst im letzten Moment dazugemischt werde.

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, betonte am Montag die Schutzwürdigkeit gerade kleiner Kinder. Die Antigrippemittel Tamiflu oder Relenza seien für Kinder unter einem Jahr nicht zugelassen. Hartmann empfahl eine Impfung vor allem für kleine sowie für chronische kranke Kinder, zum Beispiel mit Atemwegs- oder Herzerkrankungen. Erst nach sorgfältiger Prüfung der Krankheitsgeschichte sollten Kinder und Jugendliche von ihrem behandelnden Arzt geimpft werden.

Um Versorgungslücken in Europa zu schließen, will die EU-Kommission eine gemeinsame Impfstoff-Bestellung für Bulgarien, Estland, Litauen, Lettland und Malta auf den Weg bringen. Bundesgesundheitsministerin Schmidt erklärte, möglicherweise könne in Deutschland nicht benötigter Impfstoff anderen Ländern überlassen werden.