Landtagswahl am Sonntag

Der Frosch und Schäfer-Pömpel hessischer Wahlkampf im Internet

Was ist ein Pömpel? Ein Klick bei Google lohnt nicht. Dort stehen 15.000 Einträge (Zugriff Donnerstag, 14.44 Uhr) und ganz oben naturgemäß Wikipedia und irgendwas von einer Saugglocke fürs Klo. Es gibt weiter unten in der Trefferliste „Pömpel Online“ sowie „Pömpel, Patt und Pillepoppen“ – den Grundwortschatz zum Überleben in Bielefeld.

Hamburg/Wiesbaden. Wer sich bis Sonntag noch nicht und danach nicht mehr den Namen des hessischen SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 18. Januar merkt, kann mit einer Eselsbrücke bei Google trotzdem fündig werden: Einfach an den Schäfer denken, der die verlorengegangene Herde anführt und den Pömpel hinten anhängen. Politisch und eherechtlich korrekt "Schäfer-Pömpel". Vier Treffer bei Google. Was also haben Thorsten Schäfer-Gümbel und der hessische Geschäftsführer im Rang eines Ministerpräsidenten, Roland Koch (CDU), im Internet auf den letzten Metern zu bieten? So umtriebig wie nie haben sich in Hessen die Parteien des Internets bedient, um ihre Kandidaten unter das virtuelle Volk zu bringen. Bei Schäfer-Gümbel war der Neuigkeitswert der Figur und die Zahl de Parodien entscheidend für seine gewachsene Bekanntheit. Der Gießener Politikwissenschaftler Christoph Bieber nannte die Kampagnen ein "Schritthalten der Politik mit der medialen Entwicklung". !(l,<) Wer sich auf ein Schäfer-Minütchen mit der Hessen-Hoffnung der Sozis im Netz auseinandersetzt, wird arg enttäuscht. Ein recht kümmerlicher Auftritt, ein paar Videolinks zu YouTube. Letzteres allerdings ist modern für die politische Kommunikation im Wahlkampf, um die jungen User abzufischen. Aber die Seite www.schaefer-guembel.de ist bieder: viel Weißfläche, Pflichtstoffe allenfalls, aufgebaut nach Schema Baukasten für Internet-Novizen. Aber der Mann selbst ist ja auch in der Politik neu zumindest auf Bundesliga-Niveau. Pfiffig dagegen der Twitter-Link . Da kann man über den Mann imagegerecht schmunzeln. Schneidet er am Sonntag sogar besser ab als gedacht?

Nicht viel innovativer präsentiert sich Ministerpräsident Roland Koch virtuell. Auf einem Bild ("Roland Koch und Dr. Edmund Stoiber in Froschhausen) weiß man nicht, wer froschiger dreinschaut: Koch oder Stoiber. "Mittagessen mit Landwirten in Randstadt" ist ein Foto unterschrieben, das eine Frau am Mikrofon zeigt. Das schmerzt. Unter "Person" ist Koch im Pullover zu sehen, unter "Standpunkte" sitzt er (sic!) mit Hemd und Krawatte, ohne Jackett. Die Junge Union hat für Koch den Comic-Helden RoKo erfunden. Koch als Schüler, Superman und so weiter und so langweiliger. Aufregend und amerikanisch zeitgemäß ist das Verunglimpfen des Gegners: In einer Art "negative campaigning" kann man sich bei Koch SPD-Werbespots anschauen, die zeigen, wie einfallslos die SPD in ihrem Wahlkampf Andrea Ypsilanti durch Thorsten Schäfer-Gümbel ersetzt hat. Doch die Internet-Gemeinde ist unbestechlich. Die Vielnutzer (mehr als zehn Stunden pro Woche) haben sich laut ZDF schon für den neuen hessischen Ministerpräsidenten ausgesprochen: Thorsten Schäfer-Gümbel.