Frankfurt: Uni-Präsident soll gehen

AStA: "Sexuelle und rassistische Übergriffe" durch Polizisten

Die Zerstörungswut hat die Diskussion über die Ziele des Protestes „massiv untergraben", bedauerte der Uni-Präsident. Der AStA fordert seinen Rücktritt.

Frankfurt/Main. Die protestierenden Studenten an der Frankfurter Goethe-Universität haben nach Angaben des Uni-Präsidiums einen Schaden in sechsstelliger Höhe angerichtet. Das teilte die Hochschule am Donnerstag nach der Räumung des historischen Casinos mit.

Am Mittwochabend hatten 150 Polizisten etwa 200 Besetzer entfernt. Während des Protestes, bei dem die Studenten Teile der Universität blockiert hatten, seien ein Café, Toilettenanlagen sowie historische Parkettböden und Vertäfelungen beschädigt worden. „Wir konnten dieses Verhalten nur als eine gezielte Provokation verstehen“, erklärte Universitätspräsident Werner Müller-Esterl am Donnerstag in einer Mitteilung.

Er gehe aber davon aus, dass es sich „bei den Randalierern um eine kleine Gruppe von Aggressoren handelt, die für das Gros unserer Studierenden nicht repräsentativ sind“. Es sei bedauerlich, dass die Zerstörungswut die Diskussion über die Ziele des Studentenprotestes „massiv untergraben hat“. Vertreter der Studenten sprachen hingegen lediglich von einigen bemalten Wänden.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) forderte den Rücktritt von Uni-Präsident Müller-Esterl gefordert. Statt sich inhaltlich mit Motiven und Positionen der Besetzer auseinanderzusetzen, habe die Universitätsleitung ohne Vorankündigung mehrere Hundertschaften der Polizei eingesetzt, sagte der Vorsitzende, Jonas Erkel, am Donnerstag in Frankfurt. Der Versuch der „gezielten Delegitimation studentischen Protests“ sei nicht tolerierbar.

Den Angaben Erkels zufolge wurden die Studenten „vom Campus geprügelt“ und auf den Straßen „angefahren, getreten und geschlagen“. Zuvor sei es zu „sexuellen und rassistischen Übergriffen“ durch Polizisten gekommen. Mindestens fünf Demonstranten hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Uni-Päsident Müller-Esterl bezeichnete die Räumung des Gebäudes als letztes Mittel. „Ich bedauere den Schritt zutiefst, da wir immer unser Verständnis für die sachlichen Inhalte der Protestes geäußert hatten“, erklärte er.

Das historische Casino befindet sich in der denkmalgeschützten früheren Konzernzentrale des Chemieriesens IG Farben. Seit 2001 ist das 1928 von dem Architekten Hans Poelzig errichtete Gebäude Sitz der Goethe-Universität. Die Studenten hatten das Casino im Zusammenhang mit den bundesweiten Protestaktionen gegen schlechte Studienbedingungen und Mängel bei der Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge besetzt.