Studentenprotest in Hamburg

Unter 21 Audimax-Besetzern waren nur drei Studenten

Das Uni-Präsidium berichtet von Zerstörungen im Hörsaal. Ein Aktivist wurde wegen Widerstands festgenommen.

Hamburg. Um halb sieben war die Nacht für die Uni-Besetzer vorbei. Dann stand die Polizei im Foyer des Hamburger Audimax. Nach der wochenlangen Besetzung des größten Hörsaalgebäudes durch die Studenten befand die Uni-Leitung am Mittwoch, dass es an der Zeit sei, das Audimax zu räumen. 21 Besetzer wurden aus dem Gebäude geholt, eine Person laut Polizei in Gewahrsam genommen. Die Uni will jetzt in den ehemals besetzten Räumen für Ordnung sorgen. Nach den Winterferien sollen wieder Vorlesungen stattfinden, teilte das Präsidium mit.

Anlass für die Räumung seien auch Ankündigungen der Besetzer gewesen, im Audimax Partys steigen zu lassen, sagte eine Uni-Sprecherin. "Zudem verursachen die Besetzer hohe Heiz- und Personalkosten für Sicherheitsdienste." Auch hätten sich zunehmend Studierende beschwert, die an Vorlesungen teilnehmen wollten.

Laut Polizei seien nur drei eingeschriebene Studenten unter den 21 aus dem Audimax gedrängten Personen gewesen. "Der Rest waren Punks und Obdachlose", sagte eine Sprecherin. Laut Uni-Sprecherin sei das Audimax zudem vermüllt und beschädigt worden. So seien Parolen an die Wand gesprayt worden. Auch seien die sanitären Anlagen beschädigt worden. Eine beteiligte Studentin wies diesen Vorwurf gegenüber dem Abendblatt zurück: "Wir haben nichts zerstört."

Derweil hat ein junger Mann andere Sorgen. Weil er laut Polizei Widerstand leistete und sich nicht ausweisen konnte, wurde er mit aufs Revier genommen und angezeigt. Die Besetzer kritisierten das Vorgehen der Polizei scharf: "Der verhaftete Kommilitone befand sich bei der Räumung gar nicht in dem Gebäude. Er wollte nur die anwesende Uni-Präsidentin sprechen", berichtet eine Studentin. Er sei dann von der Polizei niedergeschlagen worden und habe nach der Attacke geblutet.

Ironischerweise war dieser Student erst am Tag vorher mit Holger Fischer, Vizepräsident der Uni, gemeinsam im Audimax gewesen. Dort wollte sich Letzterer ein Bild von der Situation im Audimax machen. Laut einem Internetblog habe einer der anwesenden Punks dem Vizepräsidenten sein nacktes Hinterteil entgegengehalten. Fischer habe den Protestlern eigentlich einen Kellerraum zur Verfügung stellen wollen, von wo aus sie ihre Aktionen organisieren könnten. In dem Internetblog beschwerte sich der mit den Besetzern sympathisierende Student: "Jedoch konnte ich es beim besten Willen nicht unterlassen, (dem Vizepräsidenten) zu sagen, dass das Zeigen von blanken Hintern in der Regel nicht zu dem Verhalten meiner politisch aktiven Freude zähle." Der Student schreibt weiter, er habe zuvor fest an die Chance geglaubt, wirklich etwas an der Uni zu verändern. In den Zeilen klingt Enttäuschung über das Verhalten einiger Besetzer durch.

Im Zuge der Proteste gegen schlechte Studienbedingungen waren bundesweit mehrere Hörsäle besetzt und teilweise geräumt worden. In Hamburg ließ man den Studenten vergleichsweise lange Zeit, ihren Protest durch die Inbesitznahme eines öffentlichen Raums zu artikulieren. Das Besetzerkomitee forderte, die Anwesenheitspflicht in Seminaren mit abzuschaffen, sowie Mahnverfahren gegen Kommilitonen, die die Studiengebühren von 375 Euro pro Semester nicht gezahlt haben, einzustellen. Auch sollte eine Studienreformkonferenz einberufen werden, um "Argumente der Studierenden zu bündeln". Gabriele Löschper, kommissarische Uni-Präsidentin, entgegnete, nur mit der verfassten Studierendenschaft verhandeln zu wollen. "Weil diese die Interessen aller unserer Studierenden vertritt."

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Philipp-Sebastian Kühn begrüßte die Räumung: "Ich teile die Forderungen der Studierenden. Die Besetzung ist in den letzten Wochen aber nur noch von einer kleinen Gruppe von Leuten getragen worden, die oftmals nicht mal mehr Studierende der Universität waren." Das sei keine Vertretung studentischer Interessen. Auch Unipräsidentin Löschper versicherte kürzlich: "Das Anliegen der Studierenden, die Bachelor- und Masterstudiengänge weiterzuentwickeln, stößt auf unser Interesse." Eine Besetzung bringe die Diskussion aber nicht weiter.

In den vergangenen Wochen zeigten sich die Studierenden gespalten zwischen Protest, Desinteresse und Ablehnung der Besetzung. So wurden im Fachbereich Betriebswirtschaftslehre sogar Unterschriften gegen die Besetzung gesammelt.