Opferzahlen veröffentlicht

Proteste gegen Mubarak: 365 Menschen gestorben

Das Ministerium in Kairo wies darauf hin, dass die Zahl der Toten aber weiter steigen könne. Noch lägen nicht von allen Stellen Angaben vor.

Kairo. Bei den Demonstrationen bis zum Sturz von Ägyptens Präsident Husni Mubarak sind nach vorläufigen Regierungsangaben 365 Menschen getötet worden. 5500 weitere Menschen seien während der 18-tägigen Proteste verletzt worden, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium am Mittwoch laut der offiziellen Nachrichtenagentur Mena in Kairo mit.

Die Zahl der Opfer könnte demnach aber noch steigen, da noch nicht von allen Stellen Angaben vorlägen.

Die Proteste in Ägypten hatten am 25. Januar begonnen und am 11. Februar zum Rücktritt Mubaraks geführt. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hatte schon am 1. Februar unter Berufung auf unbestätigte Angaben von 300 Toten seit dem Beginn der Demonstrationen gesprochen.

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Der Gesundheitszustand des früheren ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak hat sich nach einem Zeitungsbericht dramatisch verschlechtert. Der 82-Jährige verweigere die notwendige medizinische Versorgung und wolle nicht zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden, berichtete die saudiarabische Zeitung „Aschark al-Aswat“ in ihrer Internetausgabe. „Er hat die Menschen in seiner Umgebung gebeten, ihn in seinem Land sterben zu lassen“, zitierte die Zeitung einen ehemaligen Mitarbeiter aus dem Umfeld des militärischen Oberkommandos. „Ich glaube, es nur noch eine Frage der Zeit.“

Mubarak hatte sich im vergangenen Jahr in Deutschland einer Gallenblasenoperation unterzogen. Seither hat es immer wieder Spekulationen über seinen Gesundheitszustand gegeben. Seit seinem Sturz am Freitag war auch wiederholt kolportiert worden, Mubarak sei bereits tot. Aus dem Umfeld der Präsidentschaft hieß es indes: „Er ist okay.“

Ägypten hat derweil auch Deutschland um die Sperrung der Konten von führenden Mitgliedern des gestürzten Regimes gebeten. „Es gibt ein Rechtshilfeersuchen der ägyptischen Regierung an mehrere Mitgliedstaaten – auch an uns“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Rande des EU-Finanzministertreffens in Brüssel. „Wir prüfen das. Das wird kurzfristig auch entschieden werden.“ Details nannte er nicht. Die Anfragen richten sich an die einzelnen Staaten und nicht an die EU als Ganzes. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton bestätigte ebenfalls, dass in einigen Ländern Anfragen des ägyptischen Außenministeriums vorlägen. Der zurückgetretene Präsident Mubarak und seine Familie zählten aber nicht zu den Betroffenen, stellte sie klar.

Diplomaten hatten noch am Vortag davon berichtet, dass auch gegen den früheren Präsidenten selbst Kontensperrungen beantragt worden seien. Wie viele und welche Mitglieder des Regimes auf der Liste stehen, wollte die Sprecherin nicht sagen. Es sei nun Sache der Mitgliedstaaten, die nötigen Entscheidungen zu treffen. Die Runde der Außenminister werde sich voraussichtlich am kommenden Sonntagabend und Montag mit dem Thema befassen. Noch ist offen, ob die EU als Ganzes Maßnahmen gegen Mitglieder des früheren Mubarak-Regimes ergreift.

Frankreichs Ressortchefin Christine Lagarde hatte schon am Montag berichtet, dass eine Anfrage an mehrere EU-Länder gegangen sei, darunter auch Frankreich. Großbritannien prüft nach eigenen Angaben bereits, ob Konten von hochrangigen Regimevertretern eingefroren werden können. Die Schweiz hat das bereits beschlossen.