Benedikt XVI.

Papst-Messe könnte im Berliner Olympiastadion stattfinden

| Lesedauer: 4 Minuten

Der Andrang zum Deutschland-Besuch ist gewaltig. Vor allem in Thüringen wird Papst Benedikt XVI. sehnsüchtig erwartet.

Berlin/Erfurt. Erst das Finale der Fußball-WM, dann Mario Barth mit seinem Weltrekord, der Aufstieg von Hertha BSC und das Open-air-Konzert von Herbert Grönemeyer – doch jetzt wird das Berliner Olympiastadion vermutlich Schauplatz eines ganz besonderen Events. Papst Benedikt XVI. soll bei seinem Deutschland-Besuch in dem Stadion eine Messe halten, das Adolf Hitler einst für die Spiele 1936 bauen ließ und in dem schon Johannes Paul II. 1996 seinen Segen gab. Denn die katholische Kirche will angesichts von bisher mindestens 40.000 Anmeldungen für die Papst-Messe in Berlin über Schwierigkeiten mit dem Standort vor dem Schloss Charlottenburg beraten. Ob dies einen Umzug in das Olympiastadion bedeutet, bleibt offen.

„Über das Anmeldeverfahren wurden wir noch einmal auf verschiedene Probleme mit dem Veranstaltungsort vor dem Schloss Charlottenburg hingewiesen“, erklärte der Berliner Diözesanadministrator, Weihbischof Matthias Heinrich. „Wir werden dies bei den weiteren Planung berücksichtigen“, hieß es in einer Mitteilung des Erzbistums Berlin. Die Gesamtzahl der Anmeldungen werde sicher steigen, erklärte Heinrich.

Auf dem Platz vor dem Schloss haben nach Schätzungen rund 60.000 Menschen Platz – vorausgesetzt die Gläubigen verharren stundenlang im Stehen. Im Olympiastadion könnten 70.000 Menschen auf den Tribünen sitzen. Zur Eucharistiefeier am 22. September mit Benedikt XVI. haben sich nach Angaben des Bistums bereits 26.000 Menschen über das Internet angemeldet. Dazu kommen rund 14.000 Laien, die in Gruppen aus ganz Deutschland, Polen und Österreich nach Berlin reisen wollen. Nicht erfasst sind außerdem die Menschen, die sich über die Pfarrgemeinden angemeldet haben.

„Wir wollen allen eine Teilnahme am Gottesdienst ermöglichen“, erklärte Heinrich. Am Montag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, erklärt, er sei offen für einen anderen Standort für den Papst-Gottesdienst in Berlin. Das Schloss Charlottenburg sei „jedenfalls kein Dogma“, sagte er. „Warten wir die endgültigen Anmeldezahlen ab“. Möglichst viele Berliner sollten den Papst nicht nur hören, sondern auch sehen können. Der Papst wird Deutschland vom 22. bis 25. September besuchen. Weitere Stationen der Reise sind Erfurt und das Eichslfeld in Thüringen sowie Freiburg.

Lesen Sie auch weitere Details zum Programm

In seiner Heimat geht der Papst in die Verlängerung

„Wir sind sehr optimistisch, dass es so kommt“, sagte der Sprecher der Stadion-Betreibergesellschaft, Christoph Meyer, der Zeitung „Märkische Allgemeine“ zur möglichen Messe im Olympiastadion. „Wir haben für den Termin alle anderen Veranstaltungen geblockt.“

Die Deutschen wollen Papst Benedikt offenbar vor allem im Osten des Landes sehen. Allein für die beiden Gottesdienste am 23. und 24. September in Thüringen gebe es bislang insgesamt 74.000 Anmeldungen, gab der Erfurter Generalvikar Raimund Beck bekannt. Besonders groß ist das Interesse an der Papstmesse am 24. September auf dem Erfurter Domplatz. Dafür gingen schon über 42.000 Anfragen ein, wie der leitende Koordinator des Bistums Erfurt für den Papstbesuch, Kurt Herzberg, erklärte. Aus Sicherheitsgründen gebe es aber nur für 27.900 Besucher Platz. Für die Papstandacht am Vortag bei der Wallfahrtskapelle Etzelsbach im Eichsfeld seien bis jetzt 32.000 Anmeldungen erfolgt. Insgesamt rechne das Bistum mit 50.000 Pilgern dorthin und stelle sich organisatorisch auf die doppelte Anzahl ein. Wer keine Karte für Erfurt erhalte, habe sehr gute Chancen für Etzelsbach.

Beck betonte, bei der Zuteilung der Karten spiele keine Rolle, wann das Interesse innerhalb der Frist bekundet worden sei. Da der Papst in Thüringen vor allem die ostdeutschen Katholiken besuche, würden diese aber „ein wenig bevorzugt“. So gebe es für alle Ostbistümer Kartenkontingente, auch Mitglieder anderer Kirchen würden jedoch berücksichtigt, unterstrich der Generalvikar.

Herzberg kündigte an, das Bistum suche nun verstärkt nach freiwilligen Helfern für die Papstvisite. Für Erfurt und Etzelsbach würden zusammen rund 2000 gebraucht, um etwa auswärtigen Besuchern zu helfen und Absperrungen zu sichern. Dafür würden sie geschult, verpflegt und versichert. Anmeldungen sind unter www.bistum-erfurt.de/papstbesuch möglich. (dpa/dapd/KNA)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik