Plagiats-Affäre

Internet-Aktivisten: Koch-Mehrin hat Doktorarbeit abgekupfert

Lesedauer: 2 Minuten
abendblatt.de

Foto: REUTERS

Die Uni Heidelberg prüft allerdings mehr als die Vorwürfe bei „VroniPlag". FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin schweigt zu ihrer Doktorarbeit.

Heidelberg/Hamburg. Die Universität Heidelberg will die Prüfung der Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit der Doktorarbeit der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin bis Ende Mai abschließen. Uni-Pressesprecherin Marietta Fuhrmann-Koch sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Untersuchung verlaufe „sehr engagiert und zügig“. Allerdings müsse die gesamte Doktorarbeit sorgfältig überprüft werden. Deshalb sei auch nicht sicher, ob bis Ende Mai tatsächlich ein Ergebnis vorliege. Die Sprecherin verwies darauf, dass im Falle einer Erhärtung des Plagiatsverdachts zunächst Koch-Mehrin angehört werden müsste. Mit einer Art Zwischenbericht werde die Universität nicht an die Öffentlichkeit gehen. Vielmehr müsse das gesamte Prüfverfahren vorher abgeschlossen sein.

Die Doktorarbeit der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments behandelt das Thema „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik“. Der Internetseite „VroniPlag“ zufolge soll Koch-Mehrin dabei wie der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) abgeschrieben und Quellen nicht korrekt genannt haben.

Wie die Sprecherin sagte, befasst sich federführend der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät mit dem Fall. In die Prüfung eingebunden sei die Uni-Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Dabei beschränke man sich nicht darauf, nur die im Internet kritisierten Stellen der Doktorarbeit nachzurecherchieren. Vielmehr stehe die gesamte Dissertation auf dem Prüfstand.

Lesen Sie hier die Affäre um das mutmaßliche Plagiat der Stoiber-Tochter Veronica Saß

Anwältin: "Stoibers Tochter schrieb 25 Seiten bei mir ab"

Nach Informationen der „Frankfurer Rundschau“ belegt ein abschließender Prüfbericht, dass Koch-Mehrin „in erheblichem Ausmaß“ abgeschrieben hat, ohne die Quellen zu belegen. Der Bericht weise auf 27,9 Prozent der Seiten der Dissertation „sichere Plagiate“ nach, sagte einer der Prüfer der Online-Plattform „VroniPlag“. „Jeder kann sich selbst ein Bild machen, das ist ein klarer Fall von Plagiarismus.“ Jede Plagiatsstelle sei von mehreren Prüfern der Plattform untersucht worden.

Im Vergleich zu Ex-Verteidigungsminister Guttenberg sei jedoch die Qualität nicht nur wegen des geringeren Anteils der Plagiate, sondern auch wegen der Umsetzung eine andere: „Wenn wir das mit der Tour de France vergleichen, dann können wir sagen, dass wir Koch-Mehrin des Dopings überführt haben, während Guttenberg auf einem Motorrad davongefahren ist. Aber Doping führt auch zur Disqualifikation“, sagte ein „VroniPlag“-Sprecher der „FR“. (dapd/AFP/abendblatt.de)